Tipps und Tricks zur Campervan-Tour in Australien

Durch unsere Tour mit dem Campervan in Australien haben meine Freundin und ich einige Erfahrungen gesammelt, die ich an dieser Stelle gerne weitergeben möchte.

Erster Tipp: Keinen Unfall bauen! Okay, darauf hat man relativ wenig Einfluss und ich gehe auch davon aus, dass niemand vorhat, den Wagen bewusst in den Graben zu fahren.

Zweiter Tipp: Nicht bei Camperman Australia mieten. Wenn man vom dreckigen Geschirr, einem Kühlschrank, der sich bei Kurvenfahrten gerne öffnet, verrostetem Werkzeug, einer komplett leeren Gasflasche und einem muffigen Geruch der Matrazen noch absehen kann, waren die Bremsen besorgniserregend: Beim Bremsen ab Geschwindigkeiten über 80 km/h ruckelte der ganze Van. Die Stoßdämpfer waren mit Sicherheit noch die Ersten und der Wagen hatte knapp eine halbe Million Kilometer auf dem Tacho.

Damit zum nächsten Tipp der Miete: Nicht bei einer Agentur anmieten, die lediglich vermittelt. Wir hatten uns dafür entschieden, den Campervan erst in Australien auszusuchen, weil ich mit meiner Körpergröße von über 2 Meter gerne Probesitzen wollte. Die Verfügbarkeit war sehr begrenzt, aber eben über einen Vermittler konnten wir einen Wagen ausfindig machen. Uns wurde ein Modell versprochen, das „brand new“ sei, was (siehe Tipp Zwei) mit einer halben Million Kilometer nicht wirklich zutraf. Als ich das nach Übernahme des Fahrzeuges ansprechen wollte, sollte ich mich natürlich an die Agentur wenden. Dort sagte man mir, ich soll mich an den Vermieter wenden. Denn: Abgeholt wurde auch nicht beim Vermieter sondern bei einer Dritten Firma. Zu viele Köche verderben den Brei. Unseren Mietwagen haben wir zwar auch über die Agentur gemietet, aber direkt bei Jucy abgeholt. Dort zeigte man dann doch deutlich mehr Interesse daran, dass wir eine gute Zeit mit dem Wagen haben konnten. Deshalb wäre Jucy auch meine Empfehlung für einen Campervan. Wir haben unterwegs viele gesehen, alle machten einen sehr gepflegten Eindruck und der Service an der Verleihstation war einfach hervorragend.

Die Routenplanung: Eine sehr, sehr individuelle Geschichte. Grundsätzlich würde ich dazu raten, es nicht zu ambitioniert anzugehen. Australien ist riesig, dementsprechend unterschätzt man die Distanzen. Wir haben in drei Wochen nur einen Bruchteil des Landes gesehen. Und dabei sind wir ca. 4500km gefahren. Die Routenplanung auf Google Maps ist ein guter Anhaltspunkt, wie lange eine Fahrt dauern mag. Das weicht erheblich von den eigenen Schätzungen ab, z. B. an der kurvigen und teilweise langsam zu befahrenden Great Ocean Road. Dann muss man sich die Frage stellen, wie viel Zeit man wirklich fahrend verbringen möchte. Nicht jede Strecke ist so spektakulär wie eben die Great Ocean Road, manchmal ist es auch simples Abreißen von Kilometern um von A nach B zu gelangen. Macht man die Tour also des Fahrens wegen oder möchte man Zwischenstops einlegen? In ländlichen Regionen sollte man ab Sonnenuntergang nicht mehr Fahren, um Wildunfälle zu vermeiden – man sollte sich also rechtzeitig eine Schlafgelegenheit suchen. Eventuell gilt es noch etwas Einzukaufen, Mittagessen etc. pp. Unser Pensum lag zwischen 150 und 450km am Tag, im Durchschnitt waren wir circa 250km pro Tag unterwegs.

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Übernachten: Grundsätzlich könnte man meinen, dass man seinen Campervan überall abstellen kann, um dort zu Schlafen. Das ist nicht so! Z. B. an den Strandparkplätzen ist Campen fast immer explizit verboten. Es kursieren diverse Geschichten zu Strafen oder eben nur mündlichen Verwarnungen. Wir sind das Risiko nicht eingeganen. Es gibt auch eine Menge kostenloser Campingplätze, die sanitären Anlagen sind dort meistens fragwürdig, Duschen sind fast nie vorhanden. Für eine Übernachtung auf einem Campingplatz muss man ca. 30 Dollar pro Nach rechnen. In Melbourne war es natürlich deutlich mehr als in einem 350 Seelen-Dorf, wo wir nur 20 Dollar bezahlt haben. Oft muss die Frage „powered or unpowered?“ beantwortet werden. Also ob man mit oder ohne Stromanschluss campieren möchte. Auch eine individuelle Geschichte. Abhängig natürlich in erster Linie vom Stromverbrauch, der Batteriekapazität und der Fahrzeit tagsüber, in der die Batterie wieder aufgeladen wird. Bei uns reichte es locker jeden zweiten Tag Strom zu Tanken, allerdings ist es schon sehr bequem, das Wasser für den Kaffee mit dem Wasserkocher zu kochen statt per Gasflamme.

Tanken: Sprit ist Down Under nicht viel günstiger als in Deutschland. Wir haben aber deutliche regionale Unterschiede feststellen können. So konnten wir einmal für etwas 1,00 Dollar den Liter Tanken und haben maximal ca. 1,40 Dollar für einen Liter bezahlt. Woher kommen diese Unterschiede? Keine Ahnung! In dem Gebiet wo wir unterwegs waren, kamen wir regelmäßig an einer Tankstelle vorbei, in der Süd-Östlichen Ecke ist Down Under auch am dichtesten besiedelt. Wir hatten keine Angst irgendwann mal mit leerem Tank dazustehen, obwohl der Campervan recht trinkfreudig daherkam. Angegeben waren 14 Liter auf 100km und die nahm er sich auch.

Wichtiges Thema ist sicher die Navigation. Wir haben über drei Alternativen nachgedacht: Navigation altmodisch mit Karte, Leihen eines GPS-Navis oder Navigation über das vorhandene Smartphone mit einheimischer Daten-SIM-Karte. Die Möglichkeit per Karte zu navigieren wurde schnell verworfen. Navigerät oder Smartphone?  Wir entschieden uns für das Smartphone. Die Daten-SIM kostete lediglich 20 Dollar, inklusive 3GB Volumen, 1GB nachkaufen schlug mit 10 Dollar zu Buche. Somit noch deutlich günstiger als 90 Dollar für das Leihen des Navigationsgerätes, dessen Karten eventuell nicht auf dem neuesten Stand sind und dessen Bedienung man nicht kennt. Einziger Nachteil: Man ist eben online! Das heißt man greift doch häufiger als im Urlaub eigentlich nötig zum Smartphone und checkt Mails, postet auf Facebook etc. pp.

Essen/Einkaufen: Natürlich darf das Thema nicht vernachlässigt werden. Zunächst einmal geht es um eine Grundausstattung, die sicher gleich nach Übernahme des Campers angeschafft wird. Hierbei waren wir glücklich, dass ein Teil schon im Campervan vorhanden war, so musste z. B. kein halber Liter Spülmittel gekauft werden, den wir eh nie aufgebraucht hätten. Nichtsdestotrotz fiel der erste Einkauf sehr umfangreich aus: Getränke, Nudeln, Reis, Eier, Milch etc. pp. Außerdem haben wir versucht einen täglichen Besuch im Supermarkt zu vermeiden. Das lässt sich gut bewerkstelligen, wenn man sich bzgl. des Speiseplans einig ist und den vorhanden Kühlraum optimal nutzt. Eins ist sicher: Der Einkauf an sich ist in Australien deutlich teurer, als man es aus Deutschland gewohnt ist. Weiter verbreitet ist das Barbecque, egal ob an öffentlichen Rastplätzen oder auf den Campingplätzen: Die von Gas beheizte Platte findet sich fast überall und leistet gute Dienste! Aber Achtung: Angeschaltet wird sie meistens durch längeres Drücken eines Knopfes. Nach einer gewissen Zeit schaltet sie sich von selbst aus! Also immer die kleine Lampe im Auge behalten, sonst wartet man lange auf seine Bratwurst.

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