2015 Cadillac ATS Coupé 2.0t AWD im Fahrbericht / Test

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Den Spruch von meiner Freundin kann ich inzwischen nicht mehr hören, aber es steckt viel Wahrheit drin. Cadillac geht bei dem Cadillac ATS Coupé in die Vollen und verspricht:

„Das Design. Das Erlebnis. Ein Auto wie ein Maßanzug. Jedes Detail wird Sie begeistern. Die Kombination aus glänzendem Metall, ausgefeilter Technik, sportlichem Handling und intuitiver Technologie der neuesten Generation – der ATS ist das Auto für die Leidenschaft am Fahren. Steigen Sie ein und erfahren Sie ihn selbst.“ – das habe ich getan, wurde allerdings in einigen Punkten enttäuscht, denn meine hohen Erwartungen konnte das ATS Coupé mit dem 2.0 Turbo Benziner nicht erfüllen.

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Wird es Zeit die alten Vorurteile über amerikanische Fahrzeuge wieder hervorzukramen?

Amerikaner sind durstig! Das passt auch zum Cadillac ATS Coupé, denn wenn man das Fahrpedal nicht mit Socken streichelt, dann pendelt man sich bei einem Verbrauch zwischen 10,5 und 11,5 Liter Super Kraftstoff auf 100 km ein. Der NEFZ-Wert wird mit kombinierten 8,3 Liter auf 100 km angegeben.

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Klar, der 2.0 Turbo-Benziner ist in der Lage, das Geschoss innerhalb von 6,4-6,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen und die Höchstgeschwindigkeit ist erst bei Tempo 240 (mit Allrad nur 230) erreicht, aber muss er trotzdem so durstig sein? In der Stadt wird es ganz schlimm, da wird man das ATS Coupé vermutlich nicht unter 12 Litern bewegen können.

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Unser Testfahrzeug war übrigens ausgestattet mit dem 6-Gang-Automatikgetriebe mit Driver Shift Control und Sport-Modus und es gibt den ATS auch mit einem Hinterradantrieb. Oft habe ich auch fälschlicherweise Heckantrieb geschrieben, doch richtig heißt es: Motor vorne, Antrieb hinten = Hinterradantrieb. Einen Heckantrieb hätte das ATS Coupé nur, wenn der Motor auch hinten sitzen würde. Unsere Version hatte übrigens den Allradantrieb, sprich Traktion in fast allen Situationen.

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276 Pferdestärken und ein Drehmoment von 400 Nm, das klingt nicht übel, doch wer so eine potente Leistung unter der Haube hat, der möchte vielleicht auch etwas davon hören. Tut man aber nicht. Die doppelflutige Abgasanlage sieht nur sportlich aus, das Coupé bleibt leise. Understatement? Nun, die neuen Wünsche der EU dürfte der ATS erfüllen, leise genug ist er.

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Die geschwindingkeitsabhängige elektrische ZF-Servolenkung macht einen guten Job, man kann gut einlenken und auch das Feedback zurück zum Fahrer ist okay. Sehr gut finde ich die Bremsanlage, an allen vier Rädern stehen belüftete Bremsscheiben zur Verfügung und die können das Fahrzeug wahrlich gut verzögern.

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Kein Mensch, der sich ein Coupé kauft, erwartet viel Platz auf den hinteren Sitzplätzen oder einen großen Kofferraum, oder? Gibt es hier auch nicht!

Hinten reicht der Platz für die Kinder, sofern man die nicht in Kindersitze setzen muss, denn den Vorgang kann man sich bestimmt von der Krankenkasse als Rückengymnastik verschreiben lassen. Fairerweise muss man sagen, dass Cadillac das ATS Coupé als 2+2 Sitzer vertreibt, von daher geht das mit den hinteren Sitzplätzen voll in Ordnung.

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Das Cadillac ATS Coupé ist vollgestopft mit allen möglichen technischen Hilfsmitteln. So gibt es z.B. ein Head-up-Display, ein großes Display in der Mitte für Navigation und Infotainment, einen Abstandswarner, der sogar haptische Rückmeldungen geben kann (der Sitz vibriert) und haptisch kann man auch das Infotainment System bedienen.

Hier etwas Touch, hier ein Kipp-Schalter, dort eine Schaltfläche zum Wischen und da ein Touch-Screen mit Rückmeldung. Meiner Meinung nach eine Technik-Melange, ein Stilmix und etwas zu verspielt und auch wenn Cadillac zahlreiche hochwertige Materialien einsetzt: Die lackierten Kunststoffflächen wirken typisch amerikanisch – um nicht billig zu sagen – aber das ist sicherlich nur meine Meinung. Die störenden Spiegelungen von der Sonne kann man aber nicht wegdiskutieren:

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Was ich richtig klasse finde: Die Schaltwippen aus Magnesium. Die fühlen sich hochwertig an und genau so muss es auch sein. Zahlreiche Mitbewerber verbauen hier Schaltwippen aus Kunststoff, die nicht gerade den Schaltfingern schmeicheln.

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Schmeichelhaft ist meiner Meinung nach auch die Optik. Die Front brachial, das Heck sicherlich diskussionswürdig aber auf jeden Fall auffällig. Das Cadillac ATS Coupé fällt auf und das liegt sicherlich nicht nur an der aufpreispflichtigen Lackierung in Blau.

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Die Rückspiegel sind richtig groß, müssen sie auch sein, denn durch den Innenspiegel sieht man nicht viel und auch der Rundblick ist eher eingeschränkt. Die Rückfahrtkamera selbst gibt ein unscharfes Bild, da gibt es Verbesserungspotenzial.

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In den Radkästen drehen sich 18″ Räder, meiner Meinung nach hätte man hier rein optisch auch 19″ bzw. 20″ verbauen können, wobei die 18″ Bereifung sicherlich ein guter Kompromiss aus Dynamik und Optik ist. Das Fahrwerk vom ATS Coupé würde ich typisch amerikanische Züge unterstellen: Es ist komfortabel!

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Der Kofferraum ist mit einem Volumen von 295 Liter zwar groß genug für den Wochenend-Trip mit der Liebsten, aber ein Raumwunder sieht wahrlich anders aus. Das Leergewicht beträgt (inkl. Fahrer) übrigens 1.602 kg, die Zuladung beträgt 418 kg.

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Preislich gesehen, da ist er interessant: Los geht es ab 39.600 Euro. Mit Allradantrieb muss man mindestens 47.895 Euro investieren.

Dennoch wird er auch in der Zukunft ein Schattendasein fristen und sicherlich nicht die Verkaufs-Hitlisten anführen. Cadillac hatte tolle Ideen, aber gut gemeint ist – ihr wisst es inzwischen – nicht immer gut gemacht.

Das Cadillac ATS Coupé ist sicherlich nicht perfekt, aber auch nicht langweilig und schon gar nicht gewöhnlich. Eventuell sollte man ihm eine zweite Chance geben. Was meint ihr?

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Was schreiben die anderen Onliner über den Cadillac ATS als Coupé?

Adam Meyer (newcarz.de): „Cadillac tut sich schwer in Europa. Im vergangenen Jahr wurden von allen Modellen insgesamt gerade einmal 150 Fahrzeuge in Deutschland verkauft – eine Erfolgsstory sieht anders aus. Vielleicht spricht man mit dem Downsizing, das der Cadillac ATS bietet, die entsprechende Kundschaft an. Doch was wirklich für den europäischen Markt fehlt, ist ein starker Diesel.“

Jan Weizenecker (der-autotester.de): „Der Innenraum des Coupés ist weitgehend deckungsgleich mit dem der Limousine. Alles ist an seinem Platz. Schön aufgeräumt, klar strukturiert und übersichtlich. Die Sitze sind bequem, dabei aber nicht zu weich. Selbst auf längeren Highway-Strecken sollte das passen. Besonders groß Gewachsene werden sich auf den hinteren Plätzen indes nicht wohl fühlen. Für Kinder ist das hingegen völlig easy.“

Oli Walther (der-autoblogger.de): „Der sportliche Ansatz von Cadillac wird durch verschiedene, konzeptionelle, Entscheidungen deutlich. Sei es die penible Gewichtsverteilung von 50:50 oder den Einsatz einer mächtigen Brembo Bremsanlage an der Vorderachse.“

Nicole Männl (auto-diva.de): „Denn was man nie zu glauben wagte, dass Cadillac jemals ein Coupé auf den Markt bringen könnte. Sie haben es getan – das ATS Coupé ist das Ergebnis.“

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