Gedanken zur Elektromobilität

„Das Schöne ist ja: Wir sind am Anfang des Wandels der Mobilität und Industrie wie wir sie kennen. Und wir kriegen davon noch so viel mit!“ So (oder so ähnlich) umschrieb ein Kollege in einer der letzten Redaktionssitzungen unseres Blogs den Status Quo zum Thema E-Auto. Ein faszinierendes Thema! Und ich bin nicht erst seit unserer Probefahrt des Tesla Model S davon überzeugt, dass sich auf dem Sektor wirklich etwas tut. Zeit sich ein paar Gedanken darüber zu machen, die über das reine Fahren hinausgehen.

Schon während der Probefahrt des Tesla gingen mir ein paar Fragen durch den Kopf: Warum gibt Tesla den Strom am Supercharger umsonst ab? Reagieren andere Hersteller auf diesen Schachzug? Weitergedacht und in Marketingsprech verpackt: Tesla verkauft kein Elektroauto, sondern Elektromobilität.

Soll bedeuten: Wenn ich mir ein Model S kaufe habe ich die Möglichkeit, an ziemlich vielen Stellen in ganz Europ zu tanken. Greife ich zu einem eGolf, einer Renault Zoe oder z. B. i3 kaufe ich das Auto und muss mir selbst Gedanken machen, wie ich meine Routen plane, ohne mit leerer Batterie da zu stehen. Tesla hat das mit Abstand wichtigste Kaufhindernis „Reichweite“ beim Schopf gepackt und nahezu eliminiert. Die „Traditionshersteller“ hinken hier noch einige Schritte hinterher.

Damit ist der erste Schritt des Wandels der Infrastruktur getan. Wenn Elektroautos wirklich (fast) alle Anwendungsgebiete eines benzinbetriebenen

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Kfzs abdecken sollen, bedarf es einer ähnlichen Infrastruktur wie heute für die Verbrenner.

Für Stadtfahrten oder kurze Pendelstrecken auf die Arbeit reicht die Reichweite heute schon. Was aber, wenn sich meine Pläne spontan ändern? Statt von der Arbeit nach Hause, doch zu einem Kundentermin oder mit einem Umweg über den Baumarkt zwei Orte weiter: Das bringt einige Modelle schon an die Grenze. Leider bringt die übliche 220 Volt-Steckdose nicht ausreichend Leistung, um ernsthaft als Lader für die Elektroautos dienen zu können.

Mit den Superchargern ist der erste Schritt getan. Für Tesla und, wie es scheint, wohl vorerst nur für Tesla. Während sich der flüssige, fossile Treibstoff noch relativ einfach handhaben lässt (Loch im Tank für den Rüssel aus dem der Sprit kommt), ist es mit den Steckern nicht wirklich einfach, will man beim Ladevorgang nicht gerade sein Leben aufs Spiel setzen.

Verschiedene Modell je nach Hersteller, sind nicht untereinander kompatibel. Brauche ich für die Stromtankstelle des lokalen Energieversorgers eine Karte, um tanken zu können? Muss ich mich registrieren? Wo stehen die Tankstellen überhaupt? Das Navigationsgerät des Tesla bezieht die Supercharger schon in die Routenplanung mit ein, Nachdenken überflüssig.

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Sind die Supercharger nun der Wettbewerbvorteil von Tesla oder mehr? Ich glaube: Da steckt mehr dahinter! Der BWLer in mir sagt auch: Das ist unlogisch! Ja, das Model S hat einen hohen Preis, aber davon sollen all die Supercharger querfinanziert werden und zusätzlich noch der Ladestrom? Sicher nicht!

Man kann sich viele Optionen für die Zukunft ausdenken: Bringt Tesla ein preisgünstiges Model 3 auf den Markt, könnte man den Fahrer beim Laden an den Superchargern zur Kasse bitten. Oder, kompatibler Stecker vorausgesetzt, die Fahrer anderer Fahrzeuge. Laut Tesla ist das Supercharger-Netz in Deutschland flächendeckend. Diese Aussage ist sicherlich dehnbar und auch abhängig von der Reichweite des Fahrzeugs.

Fakt ist aber: Es sind viele und es ist das erste standardisierte System über mehrere Ländergrenzen. Tesla könnte auf die Idee kommen, das eigene Supercharger-Netz an andere Hersteller zu lizensieren, die könnten dann selbst entscheiden, ob sie die Kosten an den Kunden weitergeben oder für diesen übernehmen. Bei Auslieferung kann der Kunde eine Ladestation für Zuhause mitbestellen und unterwegs an den Superchargern tanken.

Der Wandel zur Elektromobilität ist im vollen Gang, wenn auch noch nicht im breiten Massenmarkt angekommen. Die Vorbehalte gegenüber der Reichweite sind berechtigt, aber wahrscheinlich nicht mehr lange haltbar. Bezahlbare Mittelklassewagen und sogar Modelle des unteren Preissegmentes gibt es bereits auf unseren Straßen.

Von Heute auf Morgen passiert nicht viel, aber wenn die Hersteller es schaffen, die Elektromobilität als zuverlässig und machbar zu positionieren, steht einer langsamen Revolution nichts mehr im Wege.

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