VW eGolf im R+V24 Test

Vor zwei Jahren wurde der E-Golf ebenso wie der BMW i3 auf der IAA vorgestellt – und das ging total unter. Die zahlreichen ausgestellten BMW i3 waren umlagert, der einzelne e-Golf bei VW wirkte verwaist – dann und wann ließ sich ein Besucher dazu herab, ihn ein bisschen näher zu betrachten.

Ging mir auch so, ich erfüllte meine Pflicht, dachte an i3, Zoe, Tesla und den Nissan Leaf – und fragte mich, warum denn VW nicht einfach ein tatsächlich neues Auto mit E-Antrieb gebaut hat?

Jetzt konnte ich den eGolf einige Tage testen, hier ein ErFahrungsbericht:

Von außen sieht der E-Golf aus wie ein aktueller Golf 7, nur einige optische Finessen wie die (mittlerweile bei E-Autos üblichen) blauen Farb- und Lichtelemente und eine etwas geänderte Front verraten das besondere Innenleben. Er steht auf breiten Reifen da und sieht erwachsen, stämmig aus.

Elektroauto: VW Golf

Innenraum

Weiter VW Golf, mit anderen Instrumenten, trotzdem wirkt alles vertraut und natürlich grundsolide. Gute Sitze, auch ausreichend Platz im Fond (sagt man das eigentlich noch? Gemeint ist der hintere Teil der Fahrgastzelle, vulgo: auf der Rückbank) und im Kofferraum.

Alles drin, alles dran, mein einziger – subjektiver – Kritikpunkt im Innenraum sind die Sitze und die Kopfstützen: in ersteren hängt mein Kreuz durch, letztere sind nicht verstellbar und mir zu weit nach vorne geneigt, total ungemütlich… erfahrene Golf-Fahrer empfinden das anders und VW sagt, das sei sicherer. Nun denn.

Interessant ist das Armaturenbrett, es passt zum Rest des Wagens und ist eine eigentümliche Mischung aus Altem und Neuen, echte „Zeiger“ finden sich bei vollelektronischen Anzeigen – etwas skurril.

Elektroauto VW Golf: Alt neben Neu

Und los geht’s: 115 PS setzen den Elektro-Golf zügig in Bewegung, und zügig heißt wirklich zügig, das herrliche Drehmoment des E-Motors liegt sofort an, der Wagen wird mit Nachdruck vorwärts geschoben. Dabei ist das Fahrgefühl nicht so unruhig wie beim erheblich stärkeren und agileren BMWi3, sondern ruhiger und souveräner. Der Kontakt zur Fahrbahn ist mir etwas zu direkt, aber exzellent, die Straßenlage tadellos. Das knochige Fahrgefühl früherer Golfgenerationen ist komplett verschwunden.

Bei 140 km/h ist er abgeriegelt, das reicht für meine Pendlerbedürfnisse dicke. Trotz der hervorragenden Aerodynamik (cw = 0,281) gilt natürlich weiter, dass der Energieverbrauch proportional zur Geschwindigkeit anwächst. Erste Maßnahme zum Energiesparen heißt also auch beim Stromer: Gemach, Gemach, denn beim Elektroauto bedeutet Rasen natürlich: Bald wieder Laden – und das dauert eben länger, als Benzin einzuwerfen.

Verbrauch

Der e-Golf verfügt über eine Akkukapazität von 24,2 kWh, damit liegt er auf dem Niveau des Nissan Leaf, etwas über den 22 kWh der Zoe.

Aber, jetzt das große ABER: ich weiß nicht, wie VW das angestellt hat, ABER der e-Golf verbraucht ganz erstaunlich wenig, bei normaler zügiger Fahrt (nicht schneller als 110 km/h) in wechselnder Umgebung (Autobahn, Innenstadt) fährt er sich bei vorausschauender Fahrweise ohne größere Sparanstrengungen mit 13 kWh (und weniger!) auf 100 km… und das ist klasse, das klappte mit der Konkurrenz nicht (die hatte zugegebenermaßen aber auch klimatisch erheblich schlechtere Bedingungen…).

Elektroauto VW Golf: Stromverbrauch - wirklich sparsam!

Und käme er nicht auf den dicken Schlappen daher, wäre er noch sparsamer!

Auf der anderen Seite kann VW an der Ladegeschwindigkeit noch arbeiten, da ist die Konkurrenz besser.

VW eGolf und eUp!

Mein Fazit

Der e-Golf wirkt wie ein Übergangsfahrzeug – ein hocheffizienter Antrieb trifft auf ein normales Auto. Er wirkt so sehr solide und fährt sich klasse, gut gemacht, aber nicht konsequent abgeschlossen. Ich wünsche mir, dass die Modernität des Antriebs auf ein innovativeres, wegweisenderes Auto träfe. VW, da geht noch was!

Und bis zur Vorstellung eines mutig durchkonstruierten VW-Stromers freue ich mich auf jede Gelegenheit, dieses gute Auto wieder mal bewegen zu dürfen.

P.S.
Ein Kollege von der Fahrgemeinschaft war vom Antrieb und der Straßenlage so begeistert, dass er noch einige Tage lang grübelte und rechnete – aber wir haben eben die gleiche Fahrtstrecke, das heißt: bei ungünstigen Wetterbedingungen und kleinen Umwegen fehlen uns ein paar Kilometer Reichweite. Schade.

P.P.S.
Und eines muss ich doch noch loswerden:

Elektroauto VW Golf: Ladekabel im Kofferraum

Auch VW hat keine vernünftige Lösung für die Ladekabel gefunden, die man im Auto mit sich führt. Nein, niemand möchte sie im Kofferraum rumfliegen haben. Noch weniger möchte man sie in die Fächer unter dem Kofferraumboden legen – jedes Mal Gepäck, Ladegut, Kindersitze oder Einkäufe ausräumen, wenn ich an das Kabel möchte? Nein, das ist nicht praktikabel.

Vorschläge: Vorne unter der Haube wird reichlich leerer Platz verschwendet, auch in/an der Kofferraumklappe wäre bestimmt Raum für die unentbehrlichen Objekte. Mal sehen, welcher Hersteller als erstes eine richtig praktische Lösung vorweisen kann!

P.P.S.
Der VW e-Golf wurde uns dankenswerterweise von der VW Automobile Frankfurt GmbH zur Verfügung gestellt.

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