Längst vergessene Marken: Adler

Welche Städte fallen euch zuerst ein, wenn ihr an Automobilbau denkt? Bestimmt kommen euch Stuttgart, München, Ingolstadt oder Wolfsburg in den Sinn. Rüsselsheim und Bochum wären auch noch möglich. Und Frankfurt?

Klar die IAA findet seit 1951 in Frankfurt statt, aber Frankfurt als Stadt des Automobilbaus? Ja, Frankfurt war auch die Heimat der Adlerwerke.

Im Gallusviertel direkt neben den Gleisanlagen des Hauptbahnhofs kann man heute noch Teile der beeindruckenden Fabrikationsgebäude sehen. Sie beherbergen jetzt Werbeagenturen und Tochterunternehmen der Bahn.

Aber schauen wir in die Vergangenheit: Im Jahr 1880 gründete Heinrich Kleyer (1853-1932) in Frankfurt die Heinrich Kleyer GmbH, den Vorläufer der Adlerwerke. Er importierte und produzierte anfangs Fahrräder und später Kleinwagen mit drei oder vier Rädern. Die steigende Nachfrage führte 1895/1896 zur Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, die Adlerwerke vorm. H. Kleyer AG.

Adler Motorwagen

In der Folge wurde die Produktpalette um Schreibmaschinen ergänzt. Damit war Kleyer wohl der erste industrielle Hersteller von Schreibmaschinen in Deutschland. Auch das Fahrzeugangebot wurde erweitert. Nach 1900 wurden Motorräder hergestellt. Ebenso wie die ersten Kleinwagen wurden auch hier Motoren von De-Dion-Bouton verbaut.

Eigene Motoren gab es erst, als Edmund Rumpler von der Daimler-Motoren-Gesellschaft zu Adler wechselte und dort das Konstruktionsbüro leitete. Rumpler entwickelte nicht nur Motoren für Adler, er erfand die Pendelachse und sorgte für eine Verblockung von Motor und Getriebe zu einer Einheit. Das gab es sonst nur noch bei Ley. 1906 verabschiedete sich Rumpler nach Berlin, um ein eigenes Unternehmen zu gründen. Er machte unter anderem mit dem Tropfenwagen auf sich aufmerksam.

Adler K7

Im Jahr 1907 stellte Adler die Produktion von Motorrädern ein. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion wieder aufgenommen. Die Produktion von Personenkraftwagen ging jedoch sehr erfolgreich weiter. Anfang des 20. Jahrhunderts war Adler eine renommierte und in Deutschland weit verbreitete Marke.

Eine Zeit in der sich Mobilität deutlich veränderte, denn nicht nur  PKW waren auf den Straßen immer öfter zu sehen. Im Frankfurter Rebstock entstand um 1912 auch der erste Frankfurter Flughafen. Hier starteten Luftschiffe und Flugzeuge in alle Welt.

Adler 10 50

Doch zurück zu den Adlerwerken. Auf Edmund Rumpler folgten in den 30er Jahren Hans Gustav Röhr und Karl Jenschke als Chefkonstrukteure.

Hans Gustav Röhr (1895-1937) war nach dem Konkurs seines eigenen Unternehmens zu Adler gewechselt und von 1931 bis Ende 1935 Chefkonstrukteur der Adlerwerke. Er war für die Entwicklung des Trumpf, der auf den Standard folgte, verantwortlich. Der Trumpf hatte im Gegensatz zum Standard einen Frontantrieb, eine weitere Innovation der Adlerwerke.

Karl Jenschke (1899-1969) wechselte im Jahr 1935 von Steyr Daimler Puch zu Adler. Er entwickelte, dem damaligen Trend entsprechend ein stromlinienförmiges Auto, den Adler 2.5, auch Autobahnwagen genannt. Mit einem cw-Wert von 0,36 war der Wagen sehr fortschrittlich und optisch sehr gelungen. Die Karosserie der Limousine wurde von Ambi-Budd produziert, die Cabrios kleidete Karmann ein.

Adler

Im Zweiten Weltkrieg stellten die Adlerwerke unter anderem Halbkettenfahrzeuge für die Wehrmacht her. Das Werk wurde im März 1944 bei einem Luftangriff stark zerstört. Eine Produktion von PKW wurde nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr aufgenommen, da der damalige Generaldirektor Ernst Hagemeier sich dagegen entschied.

Wer weiß, wie die Adlerwerke heute da stünden?

Adler Motorräder wurden noch von 1949 bis 1957 hergestellt. Dann nahm der Niedergang der Firma nahm seinen Lauf. Die Grundig-Gruppe (auch schon vergessen) übernahm die Werke und über Litton Industries und Volkswagen kam Adler zu Olivetti. Bis 1998 wurden noch Schreibmaschinen unter der Bezeichnung Triumph-Adler hergestellt.

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