Praxiserfahrung B-Klasse electric drive

„Möchtest du nicht die B-Klasse übers Wochenende haben?“ Zugegeben, die Frage überrumpelte mich am späten Freitagnachmittag dann doch etwas. „Ich habe doch leider keinen Parkplatz vor der Tür, von Strom mal ganz abgesehen.“ war meine Reaktion. „Ach, die hält locker 150km, das passt schon.“ Kurz nach meinem „OK“ hatte ich den Schlüssel in der Hand. Blieb natürlich mein Problem, dass ich zu Hause nicht laden kann. Und so begann mein echter Praxistest.

Aldi Sonnentanken

Die mobile Webseite versetzte mich in den Glauben, dort gäbe es eine Elektrotankstelle. Pustekuchen!

Ich erinnerte mich, dass Aldi Elektrotankstellen anbieten wollte, bzw. es angekündigt hatte. So dachte ich, mir den Samstag-Einkauf mit Familienbesuch und Tankvorgang zu verbinden. Gesagt, getan!

Nein, doch nicht: Die mobile Webseite des Discounters hat mich in die Irre geführt. Wo ich eine Elektrotankstelle vermutete, war keine. Restliche Reichweite: 85km.

 

Wieder zurück in Wiesbaden wusste ich, dass dort eine öffentliche Elektrotankstelle vorhanden ist. Leider nicht ohne entsprechende Chipkarte zu benutzen, die Hotline ist nur zu Geschäftszeiten besetzt. Knapp 70km restliche Reichweite.

Zuhause waren es etwas über 50km. Wenn ich am Sonntag einen Ausflug mit der Dame des Hauses unternehmen möchte und den Weg zum Arbeitsplatz auch per Auto zurücklegen will, war das sehr knapp.

Was tun?

Tankstelle konnte ich abschminken: keine Chipkarte.

Tanken zu Hause: Unmöglich (Parkverbot in der Straße selbst und keine Steckdose o. Ä. vor Ort).

Also fragt man doch einfach mal die Nachbarn! Nebenan im alten Postlager wurde die „Körperwelten“-Ausstellung aufgebaut. Für die Messebauer war schon Feierabend, sie saßen draußen am Grill. Ich näherte mich mit einem Lächeln und bat um eine Steckdose, um das Elektroauto zu laden.

Leicht verwunderte Blicke trafen mich, ich erläuterte die Situation (Elektroauto übers Wochenende im Test, zu Hause Parkverbot) und legte meinen Hundeblick auf. Der freundliche Chef der Mannschaft konnte mir natürlich nicht mit dem eAuto-Stecker aushelfen, aber die 200 Volt-Standardsteckdose war kein Problem. Ich durfte sogar hinter der Absperrung parken! Glücklich und zufrieden konnte ich das Auto von meinem Balkon sehen.

Am nächsten Tag zog ich den Wagen von der Steckdose, bedankte mich auch materiell (Gummibärchen in Autoform) bei den Messebauern. Der Ausflug an die Eisdiele und die Fahrt zum Arbeitsplatz waren gerettet.

Aber was bleibt vom Praxiseinsatz?

Mehrere Erkenntnisse:

Wenn ich ein Elektroauto fahren würde, ist die heimische Steckdose Pflicht. Das bedeutet aber auch leider, dass so lange ich keinen festen Parkplatz vor der Tür habe, oder es die Möglichkeit gibt, Tankstecker an öffentlichen Parkplätzen zu installieren, fällt für mich das Thema erstmal flach.

Wenn ich ein Elektroauto mein Eigen nennen würde, hätte ich aber sicher auch eine Chipkarte zur Nutzung der öffentlichen Tankstellen.

Einige, wichtige Punkte hat mein Kollege bereits in seinem Beitrag erwähnt. Dem kann ich mich anschließen: Man merkt ziemlich schnell, dass die B-Klasse electric drive ein ehemaliger Verbrenner mit Elektromotor ist. Den Platz, den man unter der Motorhaube verschwendet, könnte man besser einsetzen.

14C832_038

Die Anzeigen im Display sind nett, mehr aber nicht. Ich war zum ersten Mal mit dem aktuellen Bedienkonzept von Mercedes konfrontiert und bin ebenfalls nicht überzeugt. Eine Anzeige zwischen den Rundinstrumenten und ein großer Bildschirm in der Mittelkonsole auf die ich im ersten Anlauf nicht mal die Anzeige des Radios zaubern konnte.

Dennoch: Würde ich jetzt das Geld für ein Elektroauto aufbringen können, wäre wahrscheinlich die B-Klasse meine Wahl. Die Größe gepaart mit der Reichweite kommen meinen Anforderungen sehr nahe. Es wäre ein Auto ausschließlich zum Pendeln auf die Arbeitsstätte und zurück, für Langstrecken müsste ein Verbrenner herhalten. Allerdings glaube ich auch, dass der Markt noch einige Modelle mehr bereithalten wird, wenn ein paar Jahre verstrichen sind, z. B. wäre ein Golf Plus (jetzt Sportstourer) mit Elektroantrieb für mich sehr interessant.

electric drive

Allerdings habe ich sowohl durch meine Erfahrungen, als auch den Austausch mit anderen Autofahrern festgestellt, dass man einen Fehler tunlichst vermeiden sollte: Der 1:1-Vergleich mit aktuellen Verbrennern.

Ein Elektroauto mit einer Reichweite von 150-200km wäre für mich ein reines Pendelfahrzeug. Wenn man zwei Autos im Haushalt hat, wäre (zumindest bei uns) eins davon prädestiniert, ein Elektro-Modell zu sein. Mit den meisten aktuellen Elektroautos (außer Tesla) sind keine Langstrecken möglich. Die Ladezeiten sind auch nicht vergleichbar mit dem Tankvorgang beim Verbrenner.

Aber warum auch? Wenn ich zu Hause laden kann, hänge ich den Wagen abends an die Steckdose und er ist morgens voll. Kann ich am Arbeitsplatz nachladen, umso besser. Den aktuellen Aufpreis muss man zu zahlen bereit sein.

 

Fotoquellen
Screenshot mobile Webseite von ALDI-Süd
Mercedes Benz Presseportal

Tags:

Das könnte Sie auch interessieren: