Fahrbericht / Test: Cadillac Escalade 6.2 V8 – der Über-SUV!

Der „American Way of Life“ ist ein für die USA bekannter Lebensstil. Zu den Merkmalen gehören ein stark ausgeprägter Individualismus und die uneingeschränkte Freiheitsliebe. Vom Tellerwäscher zum Millionär, das sind die Storys von Glück und Wohlstand und wer es in den USA geschafft hat, der bekommt dafür keine neidischen Blicke, sondern Applaus. Wer es geschafft hat, der kann sich auch einen Cadillac Escalade vor die Tür stellen – wenn er denn in die Einfahrt passt.

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Das von mir gefahrene Testfahrzeug hat eine Länge von fast 5,70 Meter! Das ist der Cadillac Escalade ESV (lange Version). Allein die Länge ist schon beeindruckend, dazu kommt noch die Breite von über 2,04 (gemessen ohne Außenspiegel) und die Höhe von knapp 1,90. Damit macht er sich nicht nur auf der Straße breit, sondern sorgt in Parkhäusern und auf engen Parkplätzen / Auffahrten schon dafür, dass man das unscharfe Bild der 360° Kamera verflucht.

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Doch werfen wir zunächst einen Blick unter die Motorhaube, denn dort gibt es keine große Auswahl, keine große Individualisierung, sondern Einheitsbrei – aber der schmeckt vorzüglich:

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2,85 Tonnen Fahrzeugmasse auf 5,70 Metern Fahrzeuglänge in 6,9 Sekunden auf Tempo 100 pushen, das ist eine nicht zu unterschätzende Leistung. Den Fahrern des neuen Cadillac Escalade ESV (Langversion) wird das bei vollem Gasstoß gelingen. Der „normale“ Escalade (5,18 Meter) ist nochmal 0,2 Sekunden schneller.

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Über die Motorisierung müssen sich Käufer des Cadillac Escalade künftig keine großen Gedanken mehr machen – es gibt nur eine Maschine. Während sich das Vorgängermodell noch mit einem optionalen Hybrid-Antrieb um Käufer bemühte, gibt es beim neuen Cadillac Escalade ausschließlich einen 6,2 Liter großen V8. GM nennt den übrigens „EcoTec“, da darf man bei einem NEFZ-Verbrauch von 13,1 Liter schon einmal schmunzeln, aber es gibt eine Zylinderabschaltung. Wenn die Kraft nicht benötigt wird, werden „einfach“ 4 Zylinder abgeschaltet. 426 Pferdestärken und ein Drehmoment von 623 Newtonmeter realisert dieses Triebwerk. Das ganze untermalt von einem herrlich sonoren V8-Klang. Herrlich unvernünftig, vor allem wenn man mit dem Geschoss innerhalb von 6,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt.

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Der Wert wird noch beeindruckender wenn man realsiert, dass das Fahrzeug bereits in der Standart-Version 2,65 Tonnen auf die Waage bringt, unser Modell hier wiegt leer schon 100 kg mehr und das Gewicht kann man durch die Zuladung natürlich auch noch erhöhen.

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Wenn man in den Escalade einsteigt, was übrigens dank automatisch ausfahrenden Trittbrettern sehr gut funktioniert, macht man als Europäer eine Reise in die USA. Ja, so stellt man sich einen amerikanischen Wagen vor. Viel Platz, sehr breit, viele Ablagen, viel technischer Schnick-Schnack, aber so richtig hochwertig ist das alles nicht. Typisch amerikanisch halt, die sind ja teilweise auch für ihre Oberflächlichkeit berühmt und berüchtigt.

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Über die Lenkstock-Schaltung legt man die Fahrstufe ein und trohnt anschließend über den Dingen, wer jemals in einem europäischen SUV gefahren ist und dachte er wäre der „König der Straße“, der wird jetzt degradiert. Im Cadillac sitzt man über den Dingen, das allerdings auch in engen Straßen, da muss man schon sehr vorsichtig unterwegs sein, vor allem wenn sich spielende Kinder den Koloss, den man sonst ja nur aus amerikanischen Serien kennt, einmal von der Nähe anschauen wollen.

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Die Lenkung ist leichtgängig und gar nicht so indirekt wie erwartet. Ich hatte einen Griff ins Sofa-Kissen erwartet, so ist das mit den Vorurteilen. Dass sich in den Radkästen 22″ Felgen drehen, spürt man auch nicht – das Fahrwerk ist komfortabel und es gibt zwei Fahrmodi, wobei der „Sport“-Modus“ auch etwas übertrieben ist, denn aus einem 3 Tonnen SUV macht man meiner Meinung nach keinen Sportwagen! Vor allem nicht, wenn die Höchstgeschwindigkeit bei Tempo 180 liegt. Geschaltet wird über das automatische 6-Gang Getriebe, die Kraft geht optional über alle 4 Räder auf die Fahrbahn bzw. den Untergrund. Traktionsprobleme wird es so schnell nicht geben, das liegt natürlich auch an dem automatischen Sperrdifferenzial an der Hinterachse.

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Der Fahrer blickt auf ein digitales Mäusekino, das externe Navi-Display ist leider nicht dem Fahrer zugewandt und dank der breiten Mittelkonsole sitzen Fahrer und Beifahrer räumlich getrennt. In das Mäusekino kann man aber auch die Anweisungen vom Navi einbinden.

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Kuscheln geht nur auf den hinteren Sitzen: hier bieten die Sitze allerdings ebenfalls nur Seitenhalt wenn man die Armlehnen einsetzt. Auf die hinteren Sitze kann man nur Kinder platzieren, Erwachsene werden hier nicht über längere Strecken bequem sitzen können.

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Sportliche Werte gibt es aber in Sachen Ladevolumen. Hier steht ein Volumen zwischen 431 bis 3424 Liter zur Verfügung. Wem das nicht reicht, der kann bis zu 3,1 Tonnen ziehen. Unser Testfahrzeug hatte ein Preis von ca. 109.000 Euro, damit dürfte er zum Preis-Leistungs-Sieger werden, wenn wir ihn z.B. mit dem Mercedes-Benz GL oder dem viel kleineren BMW X5 vergleichen. In Sachen Haptik und Qualität setzen aber die deutschen Unternehmen schon andere Maßstäbe, auch wenn GL und der viel kleinere X5 ebenfalls in den Staaten vom Band laufen.

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SUVs und Pickups stehen für mich für den amerikanischen „Way of life“. Der Fahrer kann sich während der Fahrt den Popo massieren lassen, seine Getränke in gekühlte Getränkehalter platzieren und sich über das CUE-Infotainmentsystem sein Display so gestalten wie er gerne möchte. Der Escalade bietet schon fast verschwenderisch viel Platz. Viel Platz benötigt er natürlich auf der Straße und viel Platz gibt es auch für den Allerwertesten. Mir mangelt es an Seitenhalt, an Übersicht und ehrlich gesagt auch an Einsatzmöglichkeiten.

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Der Escalade passt aufgrund der großzügigen Abmessungen wie die Faust aufs Auge zum American Way of Life, allerdings passt er nicht in europäische Städte und schon gar nicht in die engen Großstädte – aufs Land gehört er und am besten in das Land der unbeschränkten Möglichkeiten und wir wissen ja alle: Der wilde, wilde Westen, fängt gleich hinter Hamburg an, in einem Studio in Maschen, gleich bei der Autobahn! (Truck Stop – 1980).

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