Hey, fahr doch mal etwas Luft durch den Stau!

Ich erinnere mich manchmal an eine Szene aus einer Dokumentation über sogenannte „Postenhändler“, also alles rund um die Ramschware, die in großen Hallen für wenige Euros in Massen vertickt wird. Einem Geschäftsmann wurden in dieser Szene Spardosen aus Blech angeboten. Er nahm eine Dose, zerstampfte sie mit dem Fuß und frage den Verkäufer, ob er wirklich Luft mit seinen LKWs durch die Gegend fahren soll. An diese Szene erinnere mich sehr oft, wenn ich morgens im Berufsverkehr stecke.

Der Hintergrund des Streits der beiden Schnäppchenjäger ist klar: Kein Logistik-Unternehmer hat gerne leere LKWs auf der Straße. Fahrten, auf denen die Transporter nicht ausgelastet sind, kosten Geld.

Stau

Dieser Effizienzgedanke scheint dem privaten PKW-Besitzer und -Fahrer vollkommen abhanden gekommen zu sein. Blickt man sich im Berufsverkehr um, sieht man fast nur Autos deren einzig besetzter Platz der Fahrersitz ist. Und um es noch weiter auf die Spitze zu treiben werden die Autos immer größer. An und für sich eine sehr absurde Entwicklung! Es gibt keinen Grund ein noch größeres Auto zu besitzen außer vielleicht das rein subjetive Sicherheitsempfinden. Wenn jetzt aber jeder mit einem 2,5 Tonnen Stadtgeländewagen unterwegs ist gibt es auch kein Plus an Schutz.

Angenommen die meisten Autos sind 4-Sitzer, werden im Berufsverkehr aber alleine gefahren, so wäre jeder Stau (rein theoretisch) nur ein Viertel so lang, wie er jeden Tag ist. Das bedeutet nicht nur ein Viertel der Wartezeit vor einer Ampel und damit auch deutliche Entlastung der Nerven (z. B. sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Einfahrt oder eine Kreuzung blockiert wird). Und ich glaube eine nervliche Entlastung würde vielen Berufspendlern gut tun.

Natürlich könnte man durch Fahrgemeinschaften auch Spritverbrauch und Emissionen auf ein Viertel eindampfen. Darüber hinaus könnte man das immer gleiche Radioprogramm durch menschliche Konversation ersetzen. Wobei dieser Punkt durchaus auch als positiv für die alleinige Fahrt gezählt werden kann, z. B. bei mir. Ich bin durchaus froh morgens in der Bahn einem Podcast Lauschen zu können und keine Konversation pflegen muss.

Aber worin liegen die Gründe für dieses Verhalten?

„Ich bin gerne flexibel.“ habe ich mal gehört, als ich einer Kollegin eine Fahrgemeinschaft angeboten habe. Worin zeichnet sich diese Flexibilität aus? Auf dem

Heimweg einen flotten Umweg über einen beliebten Alpenpass? Oder kurz in Schweden Lakritze kaufen? Oder wäre es vielleicht nur ein kleiner Umweg, den ich als Mitfahrer durchaus auch verkraften könnte?

Wie viel Komfort möchte man aufgeben, um Geld zu sparen und die Umwelt zu entlasten? Offenbar nicht viel oder nahezu gar keinen. Selbst wenn man überhaupt nicht plant, nach Feierabend noch einen Umweg über ein Geschäft zu machen: Man könnte ja! „Ich möchte eventuell noch da und dort vorbei.“

Und die Umwelt? Es scheint so, als würde der Umweltaspekt eine immer größere Rolle bei der Kaufentscheidung spielen, der Verbrauch spielt eine vermeintlich wichtige Rolle. Dass der Sinn fürs Sparen beim Auto irgendwie abhanden gekommen ist, sieht man z. B. daran, dass der günstige E10-Sprit keine wirklich relevanten Marktanteile erlangen kann. Aber auf der anderen Seite wird über die vermeintlich falschen Verbrauchswerte bei Neuwagen gemeckert. Verstehe das, wer kann.

In hochpreisigen Phasen wird natülrich auch über den Spritpreis gemeckert, die beiden wichtigsten Stellhebel werden aber gekonnt ignoriert: Weniger Fahren und billiger Tanken. Und so kommt es eben zu solch absurden Bildern, wenn SUVs vor dem Biomarkt parken, damit deren Fahrer dort regional und saisonal einkaufen können, für die Strecke aber 15 Liter auf 100km verbrauchen.

Wie könnten sich die Leute dazu hinreißen lassen Fahrgemeinschaften zu bilden? Den Leidensdruck noch weiter erhöhen? Also Spritpreise weiter hoch? Anreize für Fahrgemeinschaften schaffen wie das Benutzen der Busspur? Viel mehr Stellschrauben fallen mir nicht ein.

Es ist und bleibt mir ein großes Rätsel, warum sich viele am liebsten alleine ins Auto setzen, Tag für Tag. Was ist mit euch? Pendelt ihr mit dem Auto zum Arbeitsplatz? Schon mal an eine Fahrgemeinschaft gedacht oder ihr habt vielleicht schon eine gebildet? Falls nicht: Warum?

Ich freue mich auf Kommentare!

 

Fotoquelle:
Stau: alexandragl1/iStock/Thinkstock
Stau Sonnenuntergang: 3dan3/iStock/Thinkstock
Münzstapel: Robert Redelowski/iStock/Thinkstock

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