Hindernisse der Elektromobilität

Vorletzte Woche war viel los im Kontext Elektromobilität: Daimler verkündete, die Produktion des Smart Fortwo Electric Drive einzustellen und den Nachfolger erst 2016 auf den Markt zu bringen und im Electric Vehicle Index der Beratung McKinsey rutscht Deutschland weiter ab.

Allesamt schlechte Nachrichten – doch wie kommt es dazu?

Der Produktionsstopp des Elektro-Smarts gründet laut Daimler auf einem Produktionsengpass. Den immer noch auf sich wartenden Durchbruch der Elektromobilität in Deutschland als einen ebenso zentralen Grund auszumachen, wäre zu einfach und zu kurz gedacht. Dennoch kann man ihn aus der Gleichung sicherlich nicht komplett streichen.

Seit 2010 analysiert die Unternehmensberatung McKinsey die Entwicklung von Elektromobilität in 14 Ländern. Während der Fokus auf Deutschland liegt, werden Vergleiche zu China, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Japan, Niederlande, Norwegen, Portugal, Spanien, Südkorea und USA gezogen und ein Index abgeleitet.

Deutsche Hersteller spielen bei der Produktion von Elektroautos vorne mit, doch was den Besitz von Stromer anbelangt, hinken wir enorm hinterher. Doch woran liegt das? Warum etablieren sich Elektroautos bei uns nicht?

Hindernisse der Elektromobilität

Nun konnten wir in den letzten Wochen und Monaten verschiedenste Elektroautos und Hybride testen – von der kleinen Renault Zoe, über den Audi A3 e-tron bis hin zum BMW i3 und dem Tesla Model S. Und dabei sind wir so einigen Stolpersteinen begegnet:

1. Reichweite

Mein Kollege Friedrich, die Photovoltaikanlage schon auf dem Dach und nun auf der Suche nach dem passenden Elektroauto, hat ein Lastenheft für die Auto-Auswahl angelegt. Oberste Prämisse – auf Grund seiner Pendelstrecke zum Arbeitsplatz und der Fahrgemeinschaft – ist eine Reichweite von mindestens 140 Kilometern.

„Eigentlich nicht so weit“, denkt man im ersten Moment. Schaut man sich die aktuellen Elektroautos an, kann aber leider kaum eines diese Distanz sicher zurücklegen. Die von den Herstellern angegebenen Reichweiten haben leider mit der Realität oft nichts gemein, aber das ist ja beim Kraftstoffverbrauch oft das Gleiche…

So setzen beispielsweise tiefe Temperaturen der Batterie enorm zu und lassen den Fahrer hoffen und bangen, dass der Strom noch bis nach Hause reicht.

Elektromobilität - BMW i3 harte Testbedingungen

Allerdings muss in dem Kontext angemerkt werden, dass E-Autos sich vor allem als Zweitfahrzeug für Kurzstrecken wunderbar anbieten. In vielen Familien gibt es zwei Fahrzeuge und somit fängt das Argument, dass weitere Strecken zurückgelegt werden müssen, nur bedingt. Es erfordert lediglich eine gewisse Planung.

Nun gibts es aber auch solche Fahrzeuge wie das Tesla Model S, mit dem realistische Reichweiten von 300 bis 500 Kilometern möglich sind. Das ist aktuell allerdings eher eine Ausnahme und bringt mich auch direkt zum zweiten Hemmnis für die geringe Zahl an Elektroautos in Deutschland: dem Preis.

2. Preis

Stromer sind teuer. Egal ob einfach eine elektrische Variante wie der eGolf oder die B-Klasse electric drive oder ein komplett neu entwickeltes Auto wie eben der Tesla oder die i-Modelle von BMW – so unterschiedlich die Herangehensweise, so teilen sie sich doch alle einen hohen Preis.

Elektromobilität - BMW i8

Vergleicht man beispielsweise den normalen Golf mit der Elektroversion, eGolf, so findet sich bei den Einstiegpreisen ein Aufschlag von fast 20.000€. Für ein Auto, das in der Basisversion keine 20.000€ kostet, ist es als Gegenargument für viele nicht von der Hand zu weisen.

Als gewisse Schmerzlinderung der hohen Anschaffungskosten wirkt der recht günstige Strompreis für die zurückgelegten Kilometer. Jeder Interessent steht vor der schwierigen Frage, ob er kaufen, leasen, einen Kauf mit Batteriemiete oder eine der anderen Alternativen wählen soll.

Generell gilt wohl: Es kaufe nur der, der absolut überzeugt ist und davon ausgeht, dass das Fahrzeug lange seinem Bedarf entspricht – die Restwerte dürften auf Grund der schnellen Weiterentwicklung der Fahrzeugtechnik schnell sinken!

Nicht bestätigt hat sich nach unserem Kenntnisstand dabei die stets kolportierte Angst, dass die Batterien nach wenigen Jahren schon stark an Leistung verlieren.

3. Staatliche Förderung

In diesen Kontext ragt ein drittes Hindernis: die mangelnde staatliche Förderung.

In Ländern wie China oder Norwegen, in denen Elektromobilität explizit gefordert und gefördert wird, zeigt sich ein völlig anderes Bild: Steuern und Maut werden erlassen, Busspuren werden zur Mitbenutzung geöffnet, Parken und Stromtanken ist kostenlos, … um nur einen kurzen Einblick zu gewähren.

Interessant wird es, wenn wir einen Vergleich zu den Subventionen, die z.B. auf einen Liter Diesel gewährt werden, ziehen:

Hier erläßt der Staat dem Käufer im Vergleich zum Preis für Benzin je Liter ganze 21,9 Euro-Cent, und das für den Kraftstoff mit dem relativ höchsten CO2-Ausstoß. Wenn man das hochrechnet, wären Kaufunterstützungen oder ähnliches für E-Auto-Käufer ein Klacks und hätte dabei eine weit bessere Auswirkung auf die Umwelt.

Natürlich ist das Subventionieren definitiv kein System, welches endlos und ohne die buchstäbliche Rücksicht auf Verluste angewandt werden kann! In Norwegen, europaweit führend in Elektromobilität, werden immer mehr Stimmen – zum Teil erfolgreich – laut, die die Subventionen und Vergünstigungen gerne wieder etwas zurückschrauben möchten.

Die norwegische Regierung hat sich jedoch hohe Klimaziele gesteckt und Experten sind sich sicher, dass die Förderung noch einige Jahre weiterlaufen wird. Wenn Batterien größere Reichweiten ermöglichen, wird die Subventionierung beispielsweise weniger stark benötigt und konnte reduziert werden.

Elektromobilität - Reichweite eGolf

4. Infrastruktur

Bei den Testfahrten mit den Stromern fällt immer wieder das schlecht ausgebaute Ladenetz auf – Tesla mit seinen kostenlosen Superchargern mal ausgenommen. Matthias wurde das am Wochenende beinahe zum Verhängnis, wären da nicht die netten Bauarbeiter von nebenan mit dem Starkstrom gewesen

Dieses Hindernis ist in meinen Augen ganz zentral. Menschen sind von Natur aus bequem und Neuerungen setzen sich bei uns vor allem durch, wenn sie uns Dinge erleichtern oder sogar abnehmen und uns so noch bequemer durch Leben gehen lassen.

Elektromobilität - Laden der Renault Zoe

Wer will also stets einen Blick auf den Ladestatus der Batterie haben und immer mit der perfekten Routenplanung (entlang der Stromtankstellen) seinen Ausflug starten? Und was ist, wenn die Ladesäule gerade besetzt ist? Benötigt werden hier sauber funktiorende Informationsnetze/Apps, die den Nutzern einen gewissen Grad an Sicherheit geben! Von dem uneinheitlichen Steckerchaos will ich gar nicht anfangen…

Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass es diese Menschen gibt, aber die breite Masse – die es für eine Etablierung braucht – begeistert man so nicht.

Wie bewertet ihr die Thematik Elektromobilität? Gibt es noch weitere Hindernisse oder bewertet ihr vielleicht anders als ich?

Was braucht es für eine Etablierung von Elektroautos?

Tags:

Das könnte Sie auch interessieren: