Oldtimer Classic: BMW 635 csi

Zeitlos, elegant und sportlich – das ist der 6er von BMW. Hört sich nach Werbung an, ist aber nur Begeisterung für den Wagen, der in meiner Garage steht.

Designer Paul Bracq, der für Mercedes die Pagode schuf, zeichnete dieses klassische Coupe in den 70ern. Charakteristisch sind die lange Motorhaube, die haifischartige Silhouette und wie bei allen BMW dieser Zeit der Hofmeister-Knick in der C-Säule. Ich finde auch nach über 30 Jahren sieht der Wagen nicht alt aus.

BMW 6x6er

Innovative Technik

Das Oberklasse-Coupe basiert technisch auf dem 5er. Man könnte, etwas vereinfacht (oder verkürzt), sagen der 6er ist ein 5er mit zwei Türen. 1976 wurde er auf dem Genfer Salon vorgestellt. Die ersten Exemplare wurden bei Karmann in Osnabrück gefertigt, später wanderte die Produktion zurück zu BMW.

Mein 635csi wurde 1984 gebaut, basiert auf dem Fünfer der Baureihe E28 und entstammt der zweiten Serie. Er verließ das Werk noch ohne Kat und mobilisiert deshalb 218 PS aus dem Reihensechszylinder mit satten 3,5 Liter Hubraum. Das ist auch heute noch genug Leistung und war damals auf Sportwagenniveau. Weil er aber schon über 30 ist, wird der BMW heute eher gemütlich und nur ab und zu sportlich gefahren. Beides kann der 6er wunderbar.

Heute übliche, elektronische Helferlein an Bord sucht man vergebens. Einzige Unterstützung des Fahrers ist das damals noch neue Antiblockiersystem. Eine elektronische Stabilitätskontrolle gibt es nicht, und so sollte man sich des munteren Hecks nicht nur bei nasser Straße bewusst sein. Aber wer will, kann Kurven eckig machen und sich dabei am Sperrdifferenzial erfreuen. Beim Oldie ist der Fahrer eben noch selbst verantwortlich, kann aber auch viel mehr selbst beeinflussen.

Der erste Besitzer, ein Hotelier aus Garmisch, war vermutlich Jäger. In jedem Fall mochte er die Farbe Grün, denn innen wie außen ist der Wagen in grün gehalten. Das kann man mögen, muss man aber nicht.

Interieur: das sportliche Wohnzimmer

Der Innenraum ist ein bisschen wie ein Wohnzimmer in den 70ern: Armaturenbrett, Sitze, Türpappen, Teppich – alles Ton in Ton.

Die piniengrünen Sportsitze in Velours erinnern an Omas Sofa, geben aber wirklich Halt und heizen sich auch nicht so auf wie Leder. Das Radio und die Bedienelemente sind dem Fahrer zugeneigt und die Cassetten-Halterung bietet Platz für bis zu 6 x 90 Minuten auf Magnetband. Der Klang aus den vier serienmäßigen Lautsprechern ist jetzt nicht wirklich toll, lässt sich aber verschmerzen, weil der Motor gut klingt.

Mittelkonsole 6er BMW

Neben dem Radio – natürlich mit Cassette – sitzt der Bordcomputer. Angesichts der Technik, die heute in jedem Smartphone steckt, mag der Bordcomputer unscheinbar wirken, für die 80er konnte er aber sehr viel und war eine Innovation. Zu seinen Funktionen gehört:

  • Digital-Uhr
  • Stopp-Uhr
  • Anzeige der Außentemperatur mit Warnung unterhalb von 3 Grad Celsius
  • Umschalter km – miles
  • Eingabe und Abfrage einer Zwischenziel-Entfernung
  • Abfrage der Restentfernung zum Fahrtziel
  • Eingabe einer Höchstgeschwindigkeit mit Warnung bei Überschreitung
  • Abfrage der Durchschnittsgeschwindigkeit
  • Eingabe und Abfrage einer Zielentfernung mit Abfrage der geschätzten Ankunftszeit
  • Eingabe eines Maximalverbrauchs mit Verbrauchswarnung
  • Abfrage des Momentan- und Durchschnittsverbrauchs
  • Abfrage der voraussichtlichen Reichweite mit der noch vorhandenen Kraftstoffmenge
  • Eingabe einer beliebigen Codenummer als Wegfahrsicherung

Bordcomputer BMW

Links vom Lenkrad befindet sich eine weitere Innovation – die Check-Control. Diese überprüft während der Fahrt selbstständig und konstant folgende Funktionen: Abblendlicht, Rücklicht, Kennzeichenlicht, Bremslicht, Kühlwasser, Waschwasser, Motorölstand. Störungen werden durch Aufblinken der Hinweisleuchte im Kombi-Instrument und durch Aufleuchten der betreffenden Leuchtdiode in der Check-Control angezeigt.

Eine Klimaanlage hätte es 1984 gegen Aufpreis gegeben, aber das Schiebedach in Verbindung mit den hinteren, absenkbaren Seitenscheiben reicht zur Kühlung völlig aus. Ausreichend ist auch das Platzangebot. Vier Personen passen in das Coupe. Auf den hinteren Einzelsitzen würde ich aber eher Kinder platzieren. Im Kofferaum kann einiges an Gepäck untergebracht werden. Das reicht locker für den Sommerurlaub oder für einen zweiten Satz Räder.

Fazit

Ein Traumauto! Wer einen alltagstauglichen Klassiker mit ausreichender Motorisierung, guter Straßenlage, ansprechendem Design und (noch) annehmbaren Preis sucht, der sollte sich den 6er BMW anschauen.

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