RennfahrerINNEN!

Nach dem Artikel über die mutigen Damen, die sich als Heldinnen der Langstrecke bewiesen (und es heute noch tun, derzeit in Maryland, USA) und dem Bericht vom Oldtimer Grand-Prix der letzten Woche ist es an der Zeit, Euch auch ein paar Rennfahrerinnen der Vergangenheit vorzustellen.

Ich starte mit Dorothy Levitt (1882-1922), einer echten Powerfrau, denn sie hatte den ersten Wasser-Geschwindigkeitsweltrekord und den Frauen-Geschwindigkeitsweltrekord an Land, sie war die erste britische Rennfahrerin und unterrichtete die britische Königin Alexandra und die Prinzessinnen im Autofahren.

Dorothy Levitt ,1903

Zwischen 1903 und 1908 gewann sie bei Rennen regelmäßig gegen andere startende Frauen, im direkten Vergleich mit den Männern lag sie auch oft vorne.

In der damaligen Presse wurde sie als „schnellstes Mädchen“ gefeiert.

In ihrem Buch “The Woman and the Car: A Chatty Little Handbook for all Women who Motor or Who Want to Motor“, empfiehlt sie 1909 den Einsatz eines Taschenspiegels für die Sicht nach hinten und wird daher als Erfinderin des Rückspiegels geführt.

In Deutschland mache ich weiter: Liliane Röhrs und Martha Beinhorn waren in den 20ern ausgesprochen erfolgreiche Motorsportlerinnen; erstere nahm auf einem Hanomag Kommissbrot-Rennwagen (750ccm, meist mit geflochtener Peddigrohr-Karosserie) bei Rennen teil, letztere war die siebte deutsche Frau, die einen Führerschein erhalten hatte. 1946 waren diese beiden zu den Vorsitzenden des Deutschen Damen Automobil Clubs gewählt worden.

Nun zu einer der ganz Großen: Eliška Junková-Khásová, die von 1900 bis 1994 lebte. Sie war eine der tschechischen Sport-Ikonen, in Deutschland war sie bekannt als Elisabeth Junek, und sie fuhr immer die eleganten Bugatti (30, 35).

1926 gewann sie  bei ihrer ersten Rennteilnahme überhaupt das damals sehr bekannte Bergrennen Zbraslav-Jíloviště und erreichte am Bergrennen am Klausenpass den 2.Platz.

Als größten Erfolg konnte sie 1927 beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring den ersten Platz in der Klasse bis 3.000 ccm verbuchen, immerhin den 4. Platz im Gesamtklassement nach drei gigantischen Mercedes S, die natürlich mit ihren 6,8 Liter Motoren in einer komplett anderen Liga spielten als die Bugatti.

Im gleichen Jahr fiel sie in Führung liegend bei der Targa Florio aus, im Jahr 1928 erreichte sie dort den 5. Rang. In diesem Jahr starb ihr ebenfalls rennfahrender Mann auf dem Nürburgring und sie beendete ihre Rennfahrerkarriere sofort.

Rennfahrerinnen: Elischka Junek mit Ehemann im Bugatti 30 (AMC 11,1975)

Mehr über die beiden Juneks zum Beispiel HIER!

Bugatti blieb sie weiter verbunden beim Export nach (kein Scherz…) Sri Lanka.

Ernes Merck begann 1922 mit dem Autorennen, Frau Merck wurde tatsächlich auch als Werksrennfahrerin bei Mercedes-Benz angestellt. 1927 war sie dann soweit, dem großen Karatsch (Rudolf Caracciola) am Klausenpass mit dem Mercedes S die Stirn zu bieten und kam nach ihm als zweite ins Ziel – Chapeau!

Erwähnen möchte ich Maria Teresa de Filippis, die als erste Rennfahrerin im Jahr 1958 in der Formel 1 an den Start ging, und das gleich in einem der grandiosen Maserati 250F; in die Nähe der Punkte kam sie nicht, aber sie war außerordentlich beliebt.

Lella Lombardi war die einzige Frau, die es in der Formel 1 in die Punkteränge schaffte. Nach einem erfolglosen Qualifikationsversuch beim F1-Debüt 1974 nahm sie 1975 an drei Rennen teil, in Barcelona erreichte sie bei einem Rennabbruch auf dem Montjuic einen halben Punkt.

Sie war auch die erste Frau, die jemals an einem Rennen der DTM teilnahm, in Mugello gewann sie 1981 das 6-Stunden-Rennen auf einem Osella.

Rennfahrerin: Lella Lombardi, Formula 5000 Rennen, Monza 1974 (von giuengi from giussano Milan Italy, Milan Italy (monza F5000 Uploaded by Sporti) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons)

Ellen Lohr wurde 1987 mit 22 Jahren deutsche Meisterin in der Formel Ford, sie war die erste Fahrerin, die schließlich in einem Mercedes 190 E 2.5-16 Evo2 einen Sieg in einem DTM Rennen schaffte – Hockenheim, 1992.

Noch ein Blick zu den erfolgreichen Rallye-Damen?

Klar, zunächst kommt Pat Moss (ja, die Schwester von Stirling), die öfter große Erfolge hatte: Siege bei der Rallye Lüttich-Rom-Lüttich 1960 (Austin-Healey 3000, von ihr wegen seiner irdenen Rauhbauzigkeit und Kraft liebevoll „The Pig“ genannt), Tulpenrallye 1962 (Mini Cooper) und Rallye Sestriere 1968 (Lancia Fulvia) und viele gute Plazierungen bei anderen Rallyes.

Rennfahrerinnen: Michèle Mouton (Motorfull.com - Más información del permiso y la licencia, en la página de discusión. [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons)

Weiter sind natürlich Michéle Mouton zu nennen, die 1982 fast Walter Röhrl die Rallye-Weltmeisterschaft weggeschnappt hätte und als einzige bei einem Pikes-Peak Rennen siegte, und Jutta Kleinschmidt, die unter anderem bei der Rallye Paris-Dakar gewann.

Rennfahrerinnen: Jutta Kleinschmidt bei der Rallye Paris-dakar 2006 (By MAINDRU PHOTO [Copyrighted free use], via Wikimedia Commons)

Neben den Vorgenannten gab es noch eine große Reihe tougher junger Damen, die ihre Frau standen und damit auch viel für die Emanzipation getan haben – das ist zwar schon eine schöne Auswahl, in der Zukunft geht da aber bestimmt noch mehr!

P.S.
Dieser Artikel sei gewidmet der großartigen Kollegin B.S., die in den 1980er Jahren beim AVD deutsche Gleichmäßigkeitsmeisterin wurde und zahlreiche Pokale bei Bergrennen und Slaloms einfuhr.

 

Fotoquelle:
Dorothy Levitt: Wikimedia
Elischka Junek: AMC 11, 1975
Lella Lombardi: Wikimedia – Sporti
Michéle Mouton: Wikimedia – Motorfull.com
Jutta Kleinschmidt: Wikimedia – MAINDRU PHOTO

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