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Kindersitzpflicht im Auto – was Sie rund um den Kindersitz wissen müssen

Ein Kindersitz ist unerlässlich, um dem mitfahrenden Kind die größtmögliche Sicherheit in Ihrem Fahrzeug zu bieten. Nicht nur bei der Wahl des Kindersitzes gibt es einiges zu beachten: Von der richtigen Normgruppe bis zur Befestigung des Sitzes hat die StVO Regelungen festgelegt, um lebensgefährlichen Fehlern entgegenzuwirken. Sie möchten Ihr Kind in Zukunft im Auto mitnehmen und von Anfang an alles richtig machen? Dann lesen Sie einfach weiter!

Die wichtigsten Infos auf einen Blick:

  1. Bis zum Alter von zwölf Jahren beziehungsweise einer Körpergröße von 150 Zentimetern besteht für jedes Kind die Kindersitzpflicht.
  2. Kindersitze müssen vorgeschriebenen Normgruppen entsprechen, die sich nach dem Gewicht des Kindes richten. Auch Größe und Alter des Kindes spielen eine Rolle.
  3. Nur eine rundum korrekte Sicherung ist vorschriftsmäßig. Wichtige Faktoren dabei sind
    zum Beispiel die Sitz-Positionierung und das korrekte Anschnallen des Kindes.

Die Vorschriften

Bis wann besteht die Kindersitzpflicht?

Ein passender Kindersitz ist deswegen unerlässlich, weil er die starke Energieeinwirkung im Falle eines Unfalls effektiv abdämpfen kann. Die deutsche Straßenverkehrsordnung legt deswegen fest, dass bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres und einer Körpergröße von 150 Zentimetern eine bedingungslose Kindersitzpflicht besteht. Der genaue Gesetzestext lautet:

„Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, die kleiner als 150 cm sind, dürfen in Kraftfahrzeugen auf Sitzen, für die Sicherheitsgurte vorgeschrieben sind, nur mitgenommen werden, wenn Rückhalteeinrichtungen für Kinder benutzt werden.“ (StVO, § 21, Absatz 1a)

Das bedeutet, dass bezüglich der Kindersitzpflicht nicht nur das Alter, sondern vor allem die Körpergröße des Kindes entscheidend ist. Hat ein Kind schon vor dem zwölften Lebensjahr eine Größe von 150 Zentimetern erreicht, ist der Kindersitz nicht mehr vorgeschrieben.

Die Normgruppen: Welcher Kindersitz bis wann?

Nur ein Kindersitz, der genau auf das Gewicht des Kindes abgestimmt ist, kann seinen vorgesehenen Zweck erfüllen. Deswegen gibt es neben der Kindersitzpflicht auch klare Richtlinien dafür, welches Kind mit welcher Kindersitz-Klasse gesichert werden muss.

Symbolbilder auf Kindersitzen

Die Normgruppe und die damit verbundene Sitzausrichtung orientieren sich gesetzlich am Körpergewicht des Kindes – doch auch die Größe und das Alter des Kindes spielen eine Rolle bei der Wahl des richtigen Kindersitzes. Die folgende Tabelle veranschaulicht die gesetzlichen Vorgaben und die allgemeinen Empfehlungen bezüglich Größe und Alter:

Kindersitz-Gruppe Gewicht des Kindes Alter des Kindes Körpergröße des Kindes Ausrichtung des Sitzes
Normgruppe 0 0 bis 10 kg 0 bis 12 Monate bis 75 cm gegen Fahrtrichtung
Normgruppe 0+ 0 bis 13 kg 0 bis 24 Monate bis 90 cm gegen Fahrtrichtung
Normgruppe 0+/I 0 bis 18 kg 0 bis 4 Jahre bis 100 cm gegen Fahrtrichtung (ab 9 kg Gewicht: In Fahrtrichtung möglich)
Normgruppe I 9 bis 18 kg 9 Monate bis 4 Jahre 75 bis 100 cm in oder gegen Fahrtrichtung möglich
Normgruppe II 15 bis 25 kg 3,5 bis 7 Jahre bis 125 cm in Fahrtrichtung
Normgruppe II/III 15 bis 36 kg 3,5 bis 12 Jahre bis 150 cm in Fahrtrichtung
Normgruppe III 22 bis 36 kg 6 bis 12 Jahre bis 150 cm in Fahrtrichtung

Welche Strafen fallen bei Verstößen an?

Da es sich bei Missachtung der Kindersitzpflicht um eine ernstzunehmende Gefährdung des Kindes handelt, sieht das Gesetz in diesem Fall eine Geldstrafe vor. Bei der Einschätzung der Bußgeldhöhe wird zwischen mangelhafter Sicherung und gänzlich fehlender Sicherung unterschieden. Während im ersten Fall mit einer Verwarnung zu rechnen ist, fällt bei fehlender Sicherung ein Bußgeld von mindestens 60 Euro an.

Verstoß Punkte Verwarnung/Bußgeld
Mangelhafte Sicherung 30 Euro
– bei mehreren Kindern 30 Euro
Fehlende Sicherung 1 60 Euro
– bei mehreren Kindern 1 70 Euro

Die Praxis

Die Klassifikation der Hersteller

Bei der vorgeschrieben Normgruppe ist zu beachten, dass die Hersteller häufig eigene Kindersitz-Gruppen angeben. Grund dafür ist, dass es sich bei vielen Modellen um sogenannte „mitwachsende“ Kindersitze handelt, die je nach Gewicht und Körpergröße des Kindes individuell einstellbar sind und somit auch mehrere Normgruppen abdecken. Dafür sorgen zum Beispiel spezielle Gurte oder herausnehmbare Polsterungen. Falls vom Hersteller keine gesetzliche Normgruppe angegeben ist, können Sie sich an folgender Tabelle orientieren:

Kindersitz-Gruppe Gewicht des Kindes Alter
0/0+ (Babyschale) bis 13 kg bis 15 Monate
0/1 bis 18 kg bis 3 Jahre
1 9 bis 18 kg 9 Monate bis 3 Jahre
2/3 15 bis 36 kg 3 bis 12 Jahre
1/2/3 9 bis 36 kg 9 Monate bis 12 Jahre

Was sollte beim Kauf außerdem beachtet werden?

Es empfiehlt sich, von vornherein einen variablen Kindersitz zu wählen, der sich für mehrere Altersstufen eignet. Unter Umständen kann er, wenn das Kind herausgewachsen ist, von jüngeren Geschwistern genutzt werden. Auf keinen Fall sollten Sie ein Modell zum „Hereinwachsen“ kaufen. Der Kindersitz muss von Anfang an wie angegossen passen, damit er eine ausreichende Sicherheit bietet.

Für eine vorschriftsmäßige Sicherung kommen ausschließlich Modelle in Frage, die über das Prüfsiegel ECE R44 verfügen. Das bedeutet, dass der Kindersitz ein amtliches Prüfverfahren durchlaufen hat, bevor er in den Handel gekommen ist. Das Siegel dient nicht nur dazu, ein qualitativ hochwertiges Produkt zu kennzeichnen, sondern ist auch von der StVO vorgeschrieben. Zu beachten ist dabei, dass aktuell nur die Prüfversionen ECE R44/03 und ECE R44/04 anerkannt werden. Produkte mit veralteten ECE-Siegeln (R44/00, R44/01 und R44/02) sind seit April 2008 nicht mehr zulässig.

Wie wird das Kind korrekt angeschnallt?

Die Gurtsysteme lassen sich in zwei Kategorien einteilen:

  • 3-Punkt-Gurtsystem(Hosenträgergurt mit drei Befestigungsstellen)
  • 5-Punkt-Gurtsystem(dämpft die Energieeinwirkung bei einem Aufprall über fünf Punkte ab)

Vater schnallt sein kleines Kind an.

Das 5-Punkt-Gurtsystem wurde speziell für Kleinkinder in den Normgruppen 0, 0+ und I entwickelt, die auf einen verstärkten Halt angewiesen sind. Er gilt auch allgemein als empfehlenswerter, weil er zum einen mehr Stabilität bietet und zum anderen den Körper des Kindes im Ernstfall besser entlastet. Ab der Normgruppe II wird häufig der einfache 3-Punkt-Gurt verwendet, der sich wie ein klassischer Hosenträger befestigen lässt.

In der Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs und in der Bedienungsanleitung des Kindersitzes finden Sie außerdem wichtige Informationen darüber, wie der Kindersitz korrekt befestigt wird. Das ist deswegen besonders wichtig, weil sich der Kindersitz bei falscher Befestigung aus seiner Halterung lösen kann. Beachten Sie außerdem unbedingt, dass der Kindersitz nur dann auf dem Beifahrersitz befestigt werden darf, wenn der Front-Airbag deaktiviert ist.

So sind Sie auf der sicheren Seite: Checkliste für eine optimale Kindersitz-Nutzung

  1. Der Kindersitz ist in einwandfreiem Zustand.
  2. Die Normgruppe des Kindersitzes stimmt.
  3. Der Kindersitz verfügt über ein aktuelles ECE-Siegel.
  4. Der Kindersitz ist korrekt im Auto befestigt.
  5. Der Kindersitz befindet sich auf der hinteren Sitzreihe (auch bei deaktiviertem Front-Airbag ist das laut ADAC sicherer – ansonsten muss der Front-Airbag deaktiviert sein).
  6. Der Kindersitz ist in der korrekten Fahrtrichtung positioniert.
  7. Das Kind ist korrekt angeschnallt.

Fotocredits: scyther5, Graham Oliver, RedKoalaDesign / istockphoto

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