Neuwagen der Woche: 2016 Nissan Leaf – Fahrbericht / Test

Ich bin nach Nizza geflogen, um mir den neuen 2016 Nissan Leaf anzuschauen: Der wird ab Januar mit einer gestiegenen Reichweite von bis zu 250 km angeboten und damit wird der Nissan Leaf – eigentlich – auch für uns zum idealen Zweitwagen.

Wie hat Nissan das geschafft?

Der neue 2016 Nissan Leaf kommt mit einer verbesserten Batterie. Die kann nun 30 kWh speichern, der Vorgänger schaffte nur 24 kWh und genau da liegt der Reichweitenvorsprung von bis zu 25%. 50 Kilometer mehr als der Vorgänger!

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Sprechen wir einmal ganz kurz über die Abmessungen vom Nissan Leaf: Das Fahrzeug ist 4,44 Meter lang, 1,55 Meter hoch und ohne Außenspiegel 1,77 Meter breit. Der Kofferraum fasst 355 Liter. Legt man die Rücksitzlehnen um, steht ein Ladevolumen von 720 Litern zur Verfügung.

Der Nissan Leaf bietet 4 Personen bequem Platz, der Radstand liegt bei 2,70 Meter und das zulässige Gesamtgewicht wird mit 1.970 kg angegeben.

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Die Abmessungen vom Nissan Leaf haben sich also nicht verändert, nur etwas schwerer ist er geworden, 21 Kilogramm um genau zu sein. Tja, der elektrische Speicher ist halt derzeitig noch schwer.

Im Vergleich zum eigenen Vorgänger wurde das Nissan-Connect-EV System überarbeitet. Über das System kann man das Fahrzeug z.B. vorheizen oder den aktuellen Ladezustand überwachen. Nissan gibt auf den Akku übrigens eine Garantie von 8 Jahren bzw. 160.000 Kilometer.

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Doch was kann der Elektromotor?

Der leistet 80 kW, das sind 109 Pferdestärken und damit kann man innerhalb von 11,5 Sekunden von 0 auf 100 km beschleunigen.

Die Endgeschwindigkeit ist bei Tempo 144 erreicht, doch unter uns? Ich sehe den Nissan Leaf ja nicht auf der Autobahn, ich sehe dieses Fahrzeug in der Stadt, im eigenen Wohngebiet, auf dem Weg zum Kindergarten, zum Einkauf, zur Schule und zur Arbeit.

Wer weite Strecken fahren muss, wer häufiger mal spontan seine Pläne ändert, der wird mit dem Nissan Leaf als Erstfahrzeug nicht glücklich. Aber für alle anderen, die mit der Reichweite auskommen und kein Problem damit haben, das Fahrzeug jeden Abend zu laden, für die ist der Nissan Leaf ein gelungener (Zweit)wagen.

Und ich kenne inzwischen viele in meinem persönlichen Bekanntenkreis, die sich durchaus bewusst eine Steckdose in die Garage gebaut haben.

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Der 2016 Nissan Leaf bietet eigentlich alles, was man von einem „normalen“ Fahrzeug erwartet: Neben den obligatorischen Sicherheitsfeatures wie Airbag, ABS, ESP, Berganfahrassistent etc. gibt es einen Tempomaten, ein Infotainmentsystem mit Lenkradfernbedienung und und und…

Dazu gibt es die großen Vorteile der Elektromobiliät: Man schafft sich seine eigene Ruhezone, lautlos aus dem Wohngebiet und ganz nebenbei erzeugt man auch keine lokalen Emissionen. Wer drei grüne Daumen hat, der achtet natürlich auch darauf, dass der Strom aus regenerativen Quellen stammt.

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Euch reichen 200 km Reichweite? Dann könnt ihr sparen, denn das Modell bietet Nissan ab 18.590 Euro an, dazu kommt dann noch die Batteriemiete von mindestens 79 Euro im Monat (hier gehen die Preis hoch bis zu 142 Euro bei einer jährlichen Laufleistung von 25.000 km).

Wer die volle Reichweite haben möchte, der muss z.B. in der Acenta Ausstattung (die große Batterie gibt es nicht in der günstigen Visia Ausstattung) 28.060 Euro bezahlen und zusätzlich noch die Batterie mieten. Wer die Batterie mitkaufen möchte, der zahlt mindestens 33.960 Euro. Viel Geld für ein gutes Gewissen, oder?

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Was verbraucht der Nissan Leaf denn so?

Gemäß dem Messverfahren nach UN/ECE 101 sind es 15,0 kWh /100km. Nehmen wir mal an, dass wir 24,10 Cent pro kWh bezahlen würden. Öko-Strom natürlich. Solar, Windkraft oder Wasserkraft. Atomstromfrei erzeugt, denn schließlich wollen wir die Endlagerung ja auch nicht schön reden.

Dann würden uns diese 15 kWh also 3,61 Euro kosten. Verbrauchen wir aber (weil wir nicht an den Fahrzyklus herankommen) 30 kWh, dann machen wir die große Batterie nicht nur nach 100 Kilometern leer, sondern bezahlen das auch mit 7,23 Euro.

Unter uns? Ich habe es versucht, durch die Rekuperation ist es mir aber nicht gelungen, mehr als 15,8 kWh zu verbrauchen, der Bestwert von meinem Beifahrer Daniel lag heute bei 14,4 kWh! Ein Wert, der sich wirklich sehen lassen kann, vor allem wenn man die Berge hier in Nizza kennt.

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Das aber auch nur wenn man wirklich zu Hause Strom tankt, denn an öffentlichen Stromsäulen kann man auch gut und gerne mal 4,95 Euro bzw. 7,95 Euro für eine Ladestunde bezahlen.

Ich glaube, wir müssen aufhören in Sachen Elektromobilität nachzurechnen! Kein Controller der Welt wird sagen: Das rechnet sich auf dem Blatt Papier. Es sei denn, es ist ein Anbieter von Ladesäulen.

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Wer zu Hause (oder im Betrieb / bei der Arbeit) keine Möglichkeit hat, das eigene Fahrzeug zu laden, der kann sich (meiner Meinung nach) direkt von der „Ich kaufe mir ein Elektrofahrzeug“-Idee verabschieden.

Ab der Acenta-Ausstattung gibt es den Nissan Leaf mit zwei Ladeanschlüssen: Wechselstrom 3,6 kW und Gleichstrom 50 kW. Wer den Typ 1 Ladeanschluss (Wechselstrom mit bis zu 6,6 kW) haben mag, der wird mit 1.047 Euro zur Kasse gebeten.

Kurzer Infotainment-Check: Hier ist ein Multimedia-System mit, meiner Meinung nach zu kleinem, 7-Zoll Touchscreen verbaut. Das ganze ist eine Radio-CD-Kombination mit MP3-Wiedergabe, AUX-Schnittstelle, Digitales Radio (also DAB), Radio Data System (RDS), USB-Schnittstelle und Bluetooth Audio Streaming Möglichkeit.

Apple CarPlay, Android-Auto etc sucht man hier vergebens, dafür gibt es die Freisprechanlage und eine Sprachsteuerung, eine viel zu unscharfe Rückfahrkamera und ein Navigationssystem.

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Das Navi ist clever, denn es zeigt Ladestationen auf der geplanten Route. Ob man für die Ladestationen dann auch die notwendige Kundenkarte in der Tasche hat?

Das Navi kann eine umweltfreundliche Routenplanung übernehmen, zeigt das Eco-Ranking, eine Fahreranalyse und zeigt außerdem natürlich noch die Reichweite an.

Die Reichweite, dieser Kilometer-Zähler Counter, der bei mir – und das ist kein Scherz – Stress verursacht.

Vor allem weil ich genau weiss, dass ich nicht mal eben schnell irgendwo anhalten und nachtanken kann. Nein, für weitere Strecken oder ungeplante Fahrten ist der Nissan Leaf natürlich nicht der richtige Begleiter, der ist eher für die alltäglichen Fahrten im Umkreis.

Ich persönlich müsste für meinen eigenen Stresslevel immer noch ein anderes Fahrzeug haben, mit dem ich zur Not auch noch von A nach B komme.

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Positiv bewerten möchte ich das Fahrwerk, die Lenkung und auch die Bremsen.

Negativ aufgefallen sind mir die Sitze. Die verfügen zwar nun optional über einen Lederanzug und eine Sitzheizung, bieten mir persönlich aber etwas zu wenig Seitenhalt.

Darüber hinaus kann ich nicht verstehen, dass es so ein Fahrzeug noch mit Halogen-Scheinwerfer gibt. Da müssen LED rein, ab Werk, ab Serie. Wir hatten die in unserem, wie gewohnt sehr gut ausgestatteten Testfahrzeug natürlich verbaut.

Unter uns? Auch den Nissan Leaf kann man sich derzeitig finanziell nicht schön rechnen, auch nicht mit drei grünen Daumen.

Aber wir müssen uns so langsam bewusst machen, dass wir diese Welt nur geliehen haben. Sie gehört unseren Kindern und deren Nachfahren. Da wäre es doch wahrlich schön, wenn wir uns zumindest mit dem Gedanken beschäftigen, etwas positives zu hinterlassen.

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Ich glaube, dass die Elektromobilität nur ein Zwischenschritt ist. Ich denke auch, dass wir – die Generation 30+ – das Ende der fossilen Antriebsformen nicht erleben werden, aber ich würde mich tierisch freuen, wenn ich auf dem Sterbebett von meinen Kindern höre, dass die noch genug frische Luft zum Atmen haben.

Daher bin ich allen Automobil-Herstellern dankbar, die derzeitig in alle möglichen Richtungen forschen, experimentieren und auch dementsprechende Produkte auf den Markt bringen.

Und machen wir uns nichts vor, der Nissan Leaf ist einer der wenigen Elektrofahrzeuge, die man sich auch wirklich kaufen kann, oder wer von euch kann sich einen Tesla leisten?

Wer etwas mehr Geld investieren mag / kann, der kann ja noch zu Mercedes-Benz und Volkswagen schielen und wer sich fragt was nun an dem „neuen Modell“ rein optisch neu ist, dem kann ich die Antwort geben: Die Antenne! Kein Scherz!

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