Autofahren – aber bitte mit Verstand!

Vor kurzem wurde ich auf einen Artikel (bzw. ein Interview) aufmerksam, der zwar etwas älter ist, mich aber dennoch zum Nachdenken anregte. Er berichtet über ein Thema, dessen Aktualität immer Bestand hat. Der Titel: Beim Autofahren hört der Verstand auf. 

Ja. Dieser Aussage stimme ich voll und ganz zu: Bei 90% der Autofahrer scheint tatsächlich der menschliche Verstand (falls überhaupt vorhanden) auszusetzten, sobald sie ins Auto steigen.

Schimpfender Autofahrer

Drängeln, Hupen, Mittelfinger

Das hat sicher jeder schon einmal erlebt. Drängelnde Autofahrer, die dem Vordermann beinahe auf der Stoßstange kleben, sehe ich tagtäglich – lest dazu gerne auch meinen Blogartikel zum Thema Mindestabstand. Es geht aber noch weiter: Lichthupe oder lautstarkes Hupen, alles keine Ausnahme.

Sind wir mal ehrlich: Das ist doch einfach nicht nett. Wir stehen ja auch nicht an der Kasse und schubsen die Leute ein Stück vor, nur weil der Vordermann einen Schritt weiter gegangen ist – so verbieten es uns die Regeln des Anstandes und des menschlichen Miteinanders.

Doch all das gipfelt noch in wüsten Beschimpfungen (besonders nett bei geöffnetem Fenster) oder aus dem Fenster herausragenden Mittelfingern. Haben wir denn alle heutzutage keine Manieren mehr?

Wer würde denn jemanden auf der Straße beschimpfen? Das würde man schnell als unzivilisiertes und asoziales Verhalten abtun; was es ja auch zweifelsohne ist.

Aber beim Autofahren ist dieses Verhalten völlig in Ordnung? Natürlich ist diese Formulierung etwas zu spitz, „völlig in Ordnung“ ist das nicht; immerhin grenzt solch ein Verhalten im Straßenverkehr an Nötigung und das wird durchaus geahndet.

Ich meine nur: Man beobachtet solch eine Art der „Belästigung“ häufiger beim Autofahren als auf der Straße.

Stau

Warum beim Autofahren?

Ich erkläre mir das so: Man(n) – oder Frau – sitzt im Auto. In einem Kasten Blech, einem „geschützten Raum“. Es ist relativ ruhig, Fahrtwind und Geräusche sind gedämpft. Man befindet sich in seiner eigenen „Zivilisationsblase“, wie Verkehrstherapeut Jörg-Michael Sohn es nennt. Das ist eine ziemlich gute Beschreibung.

Denn in dieser vermeintlichen Abgeschiedenheit werden alle Handlungen anonymisiert. Man erkennt den Menschen, der vor einem im Auto sitzt nicht als Person, sondern man neigt dazu, das Fahrzeug zu personalisieren: „Was macht denn der schwarze Golf da vorne?“

Und diese Anonymität macht es natürlich sehr leicht, sich gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern unhöflich zu verhalten. Doch wehe, die beschimpfte Person verlässt den „geschützten Bereich“ – sprich, steigt aus dem Wagen – und stellt den „Verkehrsrowdy“ zur Rede.

Was dann meist passiert, durfte ich sogar einmal aus nächster Nähe miterleben: Der eben noch wild in seinem Auto vor sich hin schimpfende und wild gestikulierende Drängler wird plötzlich ganz still und versinkt mehr und mehr in seinem Fahrersitz. Ach so – plötzlich scheinen die Gesetze der Höflichkeit wieder zu gelten?!

Einfach mal locker bleiben

Ein wenig Rücksichtnahme hat noch keinem geschadet, im Gegenteil. Es macht das Leben leichter und man tut sich und seiner Umwelt einen Gefallen: Also, einfach mal weniger aufregen.

Zugegeben, das ist leichter gesagt als getan. Und es gibt Tage, da funktioniert das mit der Gelassenheit besser als an anderen. Es ist allerdings schon ein Anfang, das Bewusstsein dafür zu entwickeln.

Wie geht das bei Euch? Seid ihr der impulsive Fahrer, der sich über alles aufregen kann oder bleibt ihr eher entspannt? Und wenn ihr zur zweiten Kategorie gehört: Dann bitte ich inständig um Tipps, wie ihr das anstellt 🙂

 

Bildquellen
schimpfender Autofahrer: Minerva Studio/iStock/Thinkstock
Stau: alexandragl1/iStock/Thinkstock

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