Automuseum Dr. Carl Benz in Ladenburg

Das Automuseum Dr. Carl Benz liegt in Ladenburg, einen Katzensprung von Mannheim entfernt. Warum denn ausgerechnet dort? Was hat dieses Kurpfälzer Städtchen mit „Benz“ zu tun?

Bei Mannheim denkt man doch erst mal an eine Stadt mit Quadratbezeichnungen statt Straßennamen, an die Uni im Schloss, bei der Umgebung an flaches Land, Spargel aus Schwetzingen oder die dortige Classic-Gala – aber in Mannheim passierte in den gut 100 Jahren zwischen 1817 und 1921 Entscheidendes in der Geschichte der Mobilität.

1817 führt Carl Friedrich Drais von Sauerbronn hier seine „Laufmaschine“ aus, und er schaffte es mit diesem ersten ernstzunehmenden Vorläufer des Fahrrades bei der ersten Ausfahrt bis Rheinau vor Schwetzingen; 1921 brachte Heinrich Lanz den ersten Bulldog auf den Markt, mit seiner rahmenlosen Konstruktion und Dieselmotor bis heute das Grundmuster des uns allen bekannten Traktors.

Und das Wichtigste dazwischen: 1886 befährt erstmals Carl Benz mit einem Auto eine öffentliche Straße, die nächsten 20 Jahre produziert er Benz-Motorwagen, dann zieht er mit seiner neuen Firma Benz und Söhne um nach Ladenburg in eine schicke, moderne Fabrik.

Und genau in diesem wunderbaren Jahrhundertwende-Backsteinbau betreibt Winfried Seidel seit 2004 das Automuseum Dr. Carl Benz.

Das Dr. Carl Benz Automuseum in Ladenburg

Das Museum ist aufgeteilt in fünf ineinander übergehende Themenbereiche, eine herrliche und qualitativ beachtliche Sammlung, gehen wir doch einfach mal durch:

Im Eingangsbereich befindet man sich auf dem „Dr.-Carl-Benz-Platz“, hier gibt es natürlich die ältesten Autos zu sehen, die Nummer 1 und den Wagen Nummer 3, mit dem wahrscheinlich Berta Benz mit ihren Söhnen die berühmte Fahrt von Mannheim nach Pforzheim und zurück unternahm.

Eines der populärsten Fahrzeuge der damaligen Zeit, ein Bestseller, war der Benz Velo von 1898.

Benz Velo von 1898

Die „Mercedes-Allee“ beherbergt mehrere Exemplare der besternten Autos, mir gefielen dabei besonders gut zwei der damals hochmodernen und trotzdem relativ erfolglosen Heckmotorwagen der Vorkriegszeit, ein 130H und ein 170H.

Mercedes-Benz Heckantrieb Vorkriegswagen

Die „Auto-Biographie“ zeigt ein buntes Spektrum der Autogeschichte, von dem ersten über einen Versandkatalog bestellbaren Wagen, dem „SEARS“ aus den USA, über einen großen Stoewer

Stoewer von 1923

und ein kleines Hanomag Kommissbrot (das neben einem Maybach noch zierlicher aussieht), auch einen Mercedes 170 mit einem Holzvergaser am Heck, damit war sogar in den dunkelsten Zeiten Autofahren möglich.

Hanomag Kommissbrot

Insbesondere die Wirtschaftswunderzeit ist gut vertreten in der „Zweirad-Galerie“; zu sehen sind aber auch eine schöne BMW R4 und typische französische 2-Taktschätzchen aus den 20er Jahren.

Wirtschaftswunder

Sehr gut gefiel mir der „Boxenstopp“ – mehrere Wagen der Stuttgarter Sport- und Rennwagenmanufaktur Brixner neben einem wunderschönen Mercedes-Benz 170SV mit Spohn-Karosserie, Amilcar und Salmson,

Amilcar und Salmson 170SV

einem Ex-Schumi-Formel 1-Renner und meinem Highlight der Ausstellung, dem Siegerwagen des AVUS-Rennens von 1921: Benz Rennwagen Typ 10/30-PS.

Benz-Rennwagen von 1921

Dazu gibt es zahlreiche Besonderheiten wie – Ehrensache! – ein Laufrad des Freiherrn von Drais, aber auch Mercedes-Schreibmaschinen, einen Mercedes Traktor und einen offenen Mercedes-Bus aus Vorkriegszeiten (1927) sowie eine Werkstatt, die einen authentischen Einblick in die Arbeitswelt vor 100 Jahren ermöglicht.

Benz Traktor von 1929

Für mich herrscht in diesem Museum, in diesen „heiligen Hallen“ der Benz-Geschichte eine besondere Atmosphäre, der Geist des Dr. Carl Benz lebt hier weiter.

Und so werde ich versuchen, bald wieder reinzuschauen!

 

P.S.
Und es gibt familienfreundliche Preise – 10 € für die Familienkarte – das ist sehr fair!

P.P.S.
Winfried Seidel ist bekannt als früherer Präsident des Mercedes-Benz-Oldtimerclubs von Deutschland (MVC) und als Initiator und Veranstalter der größten deutschen Oldtimer-Messe Veterama. Mir scheint, was er macht, macht er richtig und gründlich…

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