Ford Focus Electric im R+V24 Test

Seit 2013 ist er auf dem Markt, der Ford Focus Electric. Wie macht er sich? Wir haben getestet:

Ford Focus Electric - auf den ersten Blick nur an den Aufklebern zu erkennen

In den Zulassungszahlen ist er absolut unauffällig: Er findet bei Privatleuten wohl einfach nicht statt. Äußerlich absolut unauffällig, nur an den Aufklebern als Stromer zu erkennen – dazu gibt es also wenig zu berichten!

Der Innenraum ist ebenfalls der Verbrennerausführung sehr ähnlich – Abweichungen gibt es natürlich bei dem „Automatik“-Hebel und den Instrumenten. Hier kann man den Stromverbrauch und den Füllstand des Akkus auf verschiedene Arten anzeigen lassen, bei stromsparender Fahrweise schafft man es auch, Schmetterlinge in die Anzeigen fliegen zu lassen.

Das Platzangebot ist klassentypisch, die Sitzposition ist in Ordnung, die Kopfstützen sind bequem und stehen nicht so weit vorne wie bei den meisten Produkten aus dem VW-Konzern.

Ansonsten ein typischer Vertreter der Golfklasse, nicht so penibel gebaut wie der Platzhirsch, dafür aber eben auch etwas günstiger. Unter der Motorhaube findet sich Platz, das gilt nicht mehr für den Kofferraum, hier liegt der Akku unter einen großen Stufe…. damit wird der Kofferraum zur Farce.

Ford Focus electric - Kofferraum

Im Kofferraumboden ist ein abgedeckter Schacht, der zur Aufnahme des Standard- und des Notladekabels ausreicht.

Insgesamt kommen die Qualität der Verarbeitung und die Einfachheit der Bedienung nicht an die Konkurrenz wie den Nissan Leaf, den Kia Soul oder die Renault Zoe heran.

Und wie bewegt man sich damit?

Na klar, schön leise und natürlich mit dem guten Ökostrom – Ehrensache – geladen auch ziemlich umweltschonend.

Die Beschleunigung ist stromertypisch, also immer durch das erfreuliche Drehmoment geprägt. Insgesamt ist der Focus nicht so straff, nicht so direkt und insgesamt nicht so spielfrei wie der Golf – mir liegt diese Ford-Charakteristik, ist aber Geschmackssache.

Weniger Geschmackssache ist dagegen ein gewisses Gefühl der Leichtigkeit auf der Vorderachse in zügig gefahrenen Kurven. Natürlich passen immer die elektronischen Helferlein auf, dass man nicht abfliegt, aber hier wünscht man sich doch eine sattere Straßenlage.

Der Verbrauch lag in unserem Test um die 15 kW/h auf 100 km, das ist nicht atemberaubend, aber zufriedenstellend wenig. In Anbetracht der überschaubaren Akkukapazität kamen wir auf eine echte Reichweite von bis zu 140 km.

Die Instrumente geben verschiedene Möglichkeiten der Verbrauchsüberwachung, tatsächlich sind sie jedoch nicht immer selbsterklärend, hier kann hinsichtlich der Benutzerführung noch nachgearbeitet werden.

Auch die Mittelkonsole wirkt etwas überfrachtet:

Ford Focus Electric - Mittelkonsole

Meine mittlerweile auch stromererfahrene Fahrgemeinschaft war bei den Fahrten im Focus electric nicht überwältigt, aber ganz zufrieden mit dem Gefährt.

Insgesamt bleibt ein zwiespältiger Eindruck: Der Focus Electric ist auf der einen Seite ein Wagen, der – als er auf den Markt kam – hätte beweisen können, dass E-Fahrzeuge die Verbrenner ablösen können. Tatsächlich waren da andere schneller, Zoe, Leaf und Tesla hatten es da schon bewiesen und waren Ford eine ganze Entwicklungsgeneration voraus.

Bei keinem der von uns bisher getesteten Wagen fiel so sehr auf, dass hier schnell in eine bestehende Konstruktion ein E-Motor implantiert wurde, zu dem auch noch ein dicker Akku verbaut werden musste.

Der getestete Focus Electric wirkt eher wie ein Wagen aus einer Vorserie, der noch weiter die formenden Hände und die Entwicklungsaufwendungen einiger Ingenieure benötigt. So bewerten wir den Wagen gnädig als Versuchsobjekt von Ford, mit dem die ersten Schritte in Richtung Breitenelektromobilität getan werden.

Eigentlich kann Ford einiges mehr, freuen wir uns daher auf den ersten „echten“ Ford-Stromer!

P.S.
Wir danken der Hessengarage Frankfurt Riederwald, die uns den Ford Focus eclectric für einige Tage für die Testfahrt zur Verfügung stellte.

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