Neuwagenvorstellung: Range Rover Evoque Cabrio (2016)

Wenn mir vor 5 Jahren ein paar „Experten“ erzählt hätten, dass im Jahre 2015 Land Rover ein Premium SUV Cabriolet baut, dann hätte ich vermutlich geschmunzelt. Vermutlich hätte ich auch gefragt, wer das denn kaufen soll. Ganz ehrlich? Ich hätte die Experten vermutlich sogar für verrückt erklärt.

Aber scheinbar wäre ich derjenige gewesen, der einfach nicht visionär genug war, denn das Range Rover Evoque Cabrio kommt wirklich. Die „Wer braucht so ein Fahrzeug?“-Frage können wir vermutlich genauso wenig klären, wie die „Wer kauft so ein Fahrzeug“-Frage. Dafür wissen wir aber, dass die Idee von einem SUV-Cabriolet gar nicht so neu ist.

Die Engländer haben das Rad definitiv nicht neu erfunden, denn im Jahr 2010 wurde auf der LA Auto Show eine Cabrioversion des Nissan Murano namens CrossCabriolet vorgestellt, welches seit Frühjahr 2011 in den USA erhältlich war. Den Sprung über den großen Teich hat das Nissan Murano Cabriolet nicht geschafft und unter uns?

Auch in den USA waren die Verkaufszahlen eher bescheiden. Ach was sage ich, der Murano war als Cabrio ein Flop.  So verkaufte Nissan im Jahr 2011 nur 1.159 Fahrzeuge, im Jahr 2012 immerhin 3.278 Fahrzeuge und im Jahr 2013 dann nur noch 1.332 Stück. 2014 wurde dann bekannt gegeben, dass der Nissan Murano als Cabrio keinen Nachfolger bekommen wird.

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Nun kommt mit der Cabrioversion des Range Rover Evoque also erneut ein offener SUV auf den Markt. Da muss man sich doch eigentlich die Frage stellen: Wer soll das kaufen? Bevor hier der falsche Eindruck entsteht: Nein, ich bin das Fahrzeug (noch) nicht gefahren, aber weil ich es so ungewöhnlich finde, möchte ich es euch dennoch bereits einmal vorstellen.

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Ein Geländewagen mit Faltdach, ja das lasse ich mir noch gefallen, aber ein Premium-SUV ohne Dach?

Nun, ich möchte hier über die potenziellen Käufer gar nicht urteilen, finde es aber interessant, dass gerade die Engländer auf die Idee kommen, ein SUV Cabriolet auf den Markt zu bringen, wissen wir doch alle wie viele Sonnentage es in England gibt.

Wobei, Stop! Das ist ein Klischee, unterm Strich regnet es in England auch nicht mehr als in Deutschland, doch zurück zum Evoque:

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Bitte nicht falsch verstehen, den „normalen“ Range Rover Evoque, den finde ich richtig klasse und das obwohl ich kein bekennender SUV Fan bin und ich auch nie verstanden habe, warum man ein SUV-Coupé benötigt.

Aber BMW X6, Mercedes GLC und auch die Evoque Käufer haben bewiesen, dass es dafür eine Zielgruppe gibt. Über eine halbe Million Evoques sind inzwischen verkauft worden, 10 % davon als Coupé. Das kann sich durchaus sehen lassen.

Nun schneidet Range Rover dem Evoque Coupé das Dach ab und ersetzt es durch eine Lösung aus Deutschland.

Land Rover arbeitet hier mit dem Unternehmen Webasto zusammen. Die haben ein Stoffverdeck entwickelt, welches sich innerhalb von 18 Sekunden z-förmig zusammenfaltet. Der Öffnungsvorgang funktioniert bis zu einer Geschwindigkeit von 48 km/h, ideal also, um mal bei einer Rot-Lichtphase das Dach zu versenken. Will man es wieder schließen, geht das auch während der langsamen Fahrt, dauert aber 3 Sekunden länger.

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Dennoch, die Frage bleibt: Für wen ist so ein Cabrio gedacht? Diejenigen, die den Fahrtwind spüren möchten, die brauchen keinen SUV und diejenigen, die sich wirklich mal ins Gelände trauen, die sollten ggf. dabei lieber ein festes Dach über dem Kopf haben, oder?

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Eventuell habe ich auch einfach nur Vorurteile. Sicherheit wird beim Range Rover Evoque Cabrio groß geschrieben, sollte das Fahrzeug sich überschlagen, schiessen innerhalb von 90 Millisekunden die Überrollbügel aus dem Heck. Dennoch möchte ich mich im Gelände damit nicht abrollen, das kann ja nur ungemütlich werden.

Gemütlich geht es im Innenraum zu, 4 Personen dürfen mitfahren und die müssen auch noch sparsam sein. Mehr als 251 Liter passen nicht in den Kofferraum und wie man sehen kann, stand eine bequeme Beladungsfunktion wohl auch nicht gerade im Lastenheft.

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Egal ob Wattiefe, Böschungswinkel, Steigfähigkeit oder Traktion, in allen Disziplinen soll das Range Rover Evoque Cabrio dem Coupé in nichts nachstehen. Bodenfreiheit 21 cm, Wattiefe 500 mm, Böschungswinkel vorne 19°.

Premiere feiert in dem Cabrio übrigens das Infotainmentsystem der neuesten Generation mit 10,2-Zoll-Touchscreen.

Was haben wir also? Ein potentes SUV-Cabriolet mit 4 Sitzplätzen und weniger Laderaum als manch Kleinwagen, dafür strotzt das Evoque Cabriolet aber nur so vor Selbstvertrauen und die Engländer lassen ihn auch nur mit den stärksten Antrieben aus dem Haus.

Ein Cabrio für alle Jahreszeiten – und für jedes Terrain, soll der offene Evoque sein.

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So? Was kommt denn unter die Haube? Da hätten wir zunächst den 2.0 TD4 mit Automatikgetriebe (110kW/150PS). Das maximale Drehmoment liegt hier bei 380 Nm. Damit beschleunigt das Cabriolet innerhalb von 12 Sekunden von 0 auf 100 km/h und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei Tempo 180. Der kombinierte Verbrauch soll bei 5,7 Liter auf 100 km liegen.

Es darf etwas mehr sein? Gerne, dann sollte man zum 180 PS starken 2.0 TD4 greifen. 430 Nm, 195 km/h schnell und der klassische Sprint von 0 auf 100 km/h ist innerhalb von 10,3 Sekunden erledigt, der Verbrauch? Bleibt auf dem Prüfstand gleich!

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Ihr hättet lieber einen starken Benziner? Auch kein Problem! Auch den gibt es im Portfolio und der hat es dann auch faustdick hinter den Ohren: Der 2.0 Si4 hat 240 Pferdestärken unter der Haube, schafft ein maximales Drehmoment von 340 Nm, eine Höchstgeschwindigket von 209 km/h und den Sprint innerhalb von 8,6 Sekunden. Der Verbrauch liegt hier in dem Fall bei 8,6 Liter Super auf 100 km.

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Der Basispreis von dem Benziner liegt bei 55.100 Euro und den habe ich mir nun „aus Spaß“ mal konfiguriert: Mit den adaptiven LED Scheinwerfern und ein paar weiteren Optionalitäten bin ich ganz schnell bei 83.265 Euro gelandet, ja die Aufpreisliste ist schon verführerisch.

Das Cabrio bekommt nette Assistenzsysteme verpasst, so findet man z.B. die „Terrain Response“-Steuerung aller wichtigen Fahrzeugsysteme, das „Wade Sensing“-System für Wasserdurchfahrten oder die Offroadsteuerung „All-Terrain Progress Control“ und damit dürfte das Cabrio zunächst ein Alleinstellungsmerkmal haben, arbeiten BMW und Mercedes-Benz eigentlich auch schon an einem offenen SUV?

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Ab dem Frühjahr 2016 soll das Range Rover Evoque Cabrio, welches übrigens knapp 2 Tonnen leer wiegt, also in den Handel rollen und in 170 Ländern platziert werden. Der Preis startet in Deutschland ab 51.200 Euro und ich bin wahrlich gespannt, ob und wann ich das erste „private Fahrzeug“ auf der Straße, vor dem Kindergarten, vor der Schule sehe. Im richtigen Gelände, da muss man die Cabrios vermutlich suchen wie die Nadel im Heuhaufen.

Fotos: © Land Rover / Range Rover 2015

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