Sonderausstattungen bis zum Abwinken

In meinem letzten Beitrag habe ich beschrieben, warum ich der Meinung bin, dass die Hersteller über die eigentlichen Eigenschaften eines Autos heutzutage keine wirkliche Unterscheidung zum Wettbewerb schaffen. Deswegen nehmen die Ausstattungslisten immer absurdere Züge an:

Mit dem maximalen Einsatz von Technik wird versucht, dem Kunden klar zu machen, warum man ausgerechnet dieses Auto kaufen soll.

Ford bewirbt z. B. die Sync-Funktion in der Fernsehwerbung. Wer saß noch nicht im Auto und dachte sich „Jetzt jemand, der mir eine SMS vorliest, das wärs doch!“?

Opel stopft mindestens genauso viel Technik in die Neuwagen und nennt das ganze dann Opel OnStar. Wobei ich sagen muss, dass ich „automatische Zieleingabe“ irgendwie sehr komisch finde. Ich fahre los und das Auto weiß, wo ich hinfahren möchte? Dinge, die ich bisher auf der Liste der Sonderausstattungen nicht vermisst habe.

Auf jeden Fall scheint es schwer im Trend zu liegen, die Autos maximal zu vernetzen. Wer heute beim Neuwagenkauf nicht noch einen Mobilfunkvertrag für das Auto abschließt, kann eigentlich direkt Kutsche fahren.

Ist das Fahrzeug erstmal an das weltweite Datennetz angebunden, entfallen zumindest in der Theorie lästige Kartenupdates des Navigationssystems. So können natürlich auch wunderbar flott Diagnosedaten an den Hersteller übermittelt werden. Und um im Notfall einen Notruf absetzen zu können – sollte mal der eigene Handyakku leer sein und die Ladebuchse als Sonderausstattung war zu teuer – werden die Positionsdaten natürlich auch mitgeschrieben und sicherheitshalber übermittelt. Datenschutz? Nein, Danke!

Aber Technik ist nicht Alles! Gerade auf dem Gebiet der Sonderausstattungen gibt es für den Besitzer viele absurde Dinge, die aus der Massenware Auto fast ein Unikat werden lassen: An Exklusivität kaum zu überbieten ist natürlich ein individuell gravierter Ausklapptisch für den Fond, möglich bei Audi. Wohlgemerkt sind die 850 Euro für die Personalisierung zu entrichten, nicht etwa für den gesamten Tisch inkl. Gravierung.

Nur ein Beispiel auf der angefügten Zusammenstellung von Screenshots:

Kollage von Sonderausstattungen

In der Technik-Ecke gibt es noch die „adaptive cruise control mit Stop&Go-Funktion inkluvie Audi pro sense front“. Alles klar? Ja? Dann bitte 2.000€ für dieses wunderbar klingende Stück Technologie auf den Tresen legen. Schnäppchen!

Zuviel Geld und zu unauffällig? Dann muss man rüber zu Mercedes. Hier kann man für 357 Euro den Mercedesstern leuchten lassen.

Hochwertiger wirds mit der beleuchteten Einstiegsleiste für knapp 700 Euro. Wer nicht so solvent ist, muss auf die Türpins zurückgreifen. Die sind zwar nicht beleuchtet, aber immerhin aus „hochwertigem Edelstahl“.

Wenn man aber den zusätzlich eingekauften Luxus nicht so offensichtlich zur Schau stellen möchte, kann man beim Daimler auch sein Geld in ein Kühlfach für gerade einmal 1.300 Euro stecken. Hat auch weniger Stil sich für den Bruchteil des Preises eine Kühltasche in den Kofferraum zu stellen.

Weniger Geld für mehr Behaglichkeit muss man für den „Air Scarf“ berappen. Dann bläst Mercedes sanft warme Luft in den Nacken, damit des den Passagieren des Cabrios nicht zu sehr fröstelt. Oder sie hatten vorher zu viele kalte Getränke aus dem Kühlfach?

 

Fotoquellen:
Münzstapel: Robert Redelowski/iStock/Thinkstock
Screenshots: von den Webseiten der Hersteller

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