Fahrerflucht – (k)ein Kavaliersdelikt?

Aus gegebenem Anlass möchte ich heute über ein sehr unangenehmes Thema berichten: Fahrer- bzw. Unfallflucht. (K)Ein Kavaliersdelikt?!

Zur Vorgeschichte

Vor kurzem hatte ich einen Unfall – glücklicherweise nur mit Blechschaden – im fließenden Verkehr. Ein Fahrzeug ist mir aufgefahren – was deutlich zu hören (und spüren) war. Ich fuhr sofort rechts ran, um den Schaden zu begutachten, und traute meinen Augen kaum: Das andere Auto fuhr einfach fröhlich weiter!

Glücklicherweise hatte ich mir das Kennzeichen gemerkt und konnte gleich die Polizei benachrichtigen.

Dabei war ich mir im ersten Moment gar nicht so sicher, ob das richtig war. Denn häufig wird die Polizei auch eingeschaltet, wenn es eigentlich gar nicht nötig ist.

Für genauere Infos, wann ihr bei einem Unfall die Polizei einschalten solltet, lest dazu gerne diesen Blogartikel. Die Beamten bestätigten mir aber, dass es im Falle der Unfallflucht immer besser sei, die Polizei zu informieren.

Fahrerflucht ist kein Kavaliersdelikt…

…und keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat! Geregelt ist das „Unerlaubte Entfernen vom Unfallort“ in §142 des Strafgesetzbuchs (StGB) – und kann mit Geldstrafen, Punkten in Flensburg und sogar einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden.

Deshalb solltet ihr besser zwei Mal darüber nachdenken, ob ihr nach einem Unfall das Weite sucht oder nicht. Das kann nämlich unangenehme Folgen haben, vor allem, wenn sich der Geschädigte euer Kennzeichen gemerkt hat und euch anzeigt.

Doch ganz verloren ist die Situation nicht, auch wenn ihr euch im Affekt vom Unfallort entfernt habt. Es kann schon mal passieren, dass man in einer Unfall-Situation unter Schock steht, man erst mal froh ist, dass nicht allzu viel passierte und man doch weiter fährt.

Sollte das passiert sein und es sich nur um einen Sachschaden handeln, könnt ihr entweder sofort zum Unfallort zurückkehren oder aber zur nächsten Polizeidienststelle fahren und euch dort als Unfallbeteiligter bzw. -verursacher melden. Das kann sich strafmildernd auswirken.

Anders sieht es aus, wenn Personen verletzt wurden – dann bekommt die Unfallflucht ein viel schwereres Gewicht und man kann eher nicht auf strafmildernde Umstände hoffen.

Unfallverursacher unbekannt – wer zahlt den Schaden?

Wenn man wirklich das Pech hat und der Unfallverursacher nicht ermittel werden kann – häufig kommt das vor, wenn geparkte Autos beschädigt wurden – beschäftigt die Geschädigten besonders die Frage, wer den entstandenen Schaden zahlt.

Unfallflucht_markiert_1200x800

Schaden eines Parkremplers

Leider bleibt das Opfer meist auf dem Schaden und den damit verbundenen Kosten sitzen. Hat der Geschädigt eine Vollkasko-Versicherung, übernimmt diese den Schaden. Dabei ist aber zu beachten, dass danach eine Stufung in der Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) erfolgt, was wiederrum Auswirkungen auf den Versicherungsbeitrag hat.

Von daher lohnt es sich, genau hinzuschauen. Es hängt ganz von der Schadenhöhe ab und wie die Rückstufung in der SF-Klasse erfolgt. Gegebenenfalls kann es auf lange Sicht günstiger sein, das Fahrzeug auf eigene Kosten reparieren zu lassen, als die Versicherung in Anspruch zu nehmen. Genaue Informationen hierzu liefern Schadenrückkauf-Rechner im Internet.

Bei kleinen Bagatellschäden, wie leichten Kratzern, ist es also ratsam, die Reparatur selbst zu zahlen. Da in der Regel mit der Vollkasko eine Selbstbeteiligung abgeschlossen wurde, die meist zwischen 150 und 500 Euro liegt, sollte dieser Betrag zusammen mit der jährlichen Beitragserhöhung in die Entscheidung den Schaden der Versicherung zu melden, mit einkalkuliert werden.

Ist der Unfallverursacher bekannt, so zahlt seine Kfz-Haftpflichtversicherung. Damit erspart man sich zwar die Kosten, aber nicht den mit einem Verkehsrunfall enstandenen Ärger. Denn mit der gegnerischen Versicherung muss man sich dennoch auseinander setzen.

Wer auf Nummer sicher gehen will: rechtlichen Rat einholen.

In strittigen Fragen sollte man am besten einen Rechtsanalt konsultieren. Das ist gar kein Problem, wenn ihr eine Rechtschutz-Versicherung habt, da die in der Regel auch für die Kosten aufkommt.

Wenn ihr Mitglied in einem Automobilclub seid, steht euch meist eine kostenfreie Rechtsauskunft zur Verfügung. Man schildert seinen Fall einem Spezialisten und bekommt zeitnah Auskunft darüber, wie man am besten weiter vorgehen sollte.

Und das End von der Geschicht…

…Fahrerflucht, das lohnt sich nicht!

In diesem Sinne: Allzeit gute und sichere Fahrt!

 

Bildquellen:
Kratzer: Thinkstock – iStock, steveyager
Abgefahrener Spiegel: Wikimedia – Opihuck

Tags:

Das könnte Sie auch interessieren: