Ein Besuch im Ford Museum Den Hartogh in Hillegom

Neulich wollten meine Kinder am Zandvoorter Strand unbedingt Drachen steigen lassen, so dass mir nichts anderes übrig blieb, als mal wieder alte Fords anzuschauen… Hurra!

Und wisst Ihr was? Man muss dafür sicher nicht nach Detroit in ein Werksmuseum – perfekt für alte Fords ist nämlich das größte Ford-Museum der Welt in Hillegom, in Holland zwischen Haarlem und Den Haag gelegen. Schon vor einiger Zeit hatte ich von den zu vielen Fords berichtet… dies waren Teile dieser Sammlung, aber nur ruhig, es sind reichlich übrig geblieben, in der Ausstellung ca. 170 Stück, grob geschätzt.

Was gibt es also zu sehen? Kurz zusammengefasst: Wohl jedes Ford-Modell, das bis zum 2. Weltkrieg gebaut wurde – und einige von danach!

Wir treten also ein und laufen fast dagegen: Hier steht vor einem Konterfei von Henry Ford I. eine Replica des zierlichen ersten Ford A von 1903 neben den verschiedenen weiteren frühen Versuchen (und das waren einige!) dieses genialen Geschäftsmannes – der Mann hatte schon mit seinen ersten Modellen einen guten Griff, er verdiente sofort gutes, sehr gutes Geld damit.

Ford Quadricycle und roter Ford A (rechts)

Ford Quadricycle und roter Ford A (rechts)

Ford K und Ford R

Ford K und Ford R

 Aber das war keine Sonderstellung, das taten in den ersten Jahren des letzten Jahrhunderts viele der neuen Autohersteller der USA.

Ford hatte nach ein paar Jahren seine Fingerübungen hinter sich, jetzt ging er weiter, er hatte eine Vision! Denn nun kam der Quantensprung für Ford, die Auto-Industrie und viele andere Branchen auch:

Ford führte 1908 das Model T ein und entwickelte über die nächsten Jahre eine bis dato unvorstellbare Effizienz in der Herstellung eines komplexen Objekts mit seiner neuen Methode, der Fließbandfertigung!

Ford T

Ford T

Ford T

Ford T

So wird die Tin Lizzy über die nächsten Jahre immer billiger – im Laufe der 20 Jahre halbierte sich der Preis (stellt Euch vor, Ihr könntet einen aktuellen Golf für 2.500 € kaufen) und schafft unvorstellbare Stückzahlen, hergestellt in zig Ländern. Über 20 Millionen wurden davon verkauft, der Käfer schaffte das erst 50 Jahre später und brauchte dazu viel länger!

Ähnlich wie Bosch in Deutschland war Ford dabei – relativ – sozial und so gab es zum Beispiel Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und eine Regel, wonach nur relativ kleine Gehaltssprünge zwischen den einzelnen Hierarchiestufen zulässig waren.

Ford bediente mit dem T den kompletten Markt der günstigen Preissegmente, der Wagen war extrem zuverlässig, einfach zu warten und zu bedienen, ein Geniestreich!

Tin Lizzies gibt es hier reichlich: Von den absoluten Standardmodellen (ganz schwarz, die Farbe trocknete nämlich am schnellsten!) über schicke Zweisitzer, Sportwagen bis zu Landaulettes, die hoch originell, aber sicher kein Verkaufsschlager waren.

Ford Landaulette

Ford Landaulette

1928 machte Ford seinen T-Fabriken einfach zu. Und öffnete einige Monate später mit einem Paukenschlag: Das neue Modell A kam, ebenfalls ein Vierzylinder, nun ein richtig gutes Mittelklasseauto, mit den wachsenden Ansprüchen der Käuferschar gewachsen. Für mich eines der besten Autos des letzten Jahrhunderts!

Ford A: Ende der 1920er in Großserien-Produktion

Ford A: Ende der 1920er in Großserien-Produktion

Und weiter ging es bereits 1934 mit dem Ford B, mit dem Ford den V8 in die Großserie brachte! Grandios, in Deutschland gehörte man schon mit einem Sechszylinder zu den oberen Auto-Zehntausend.

Ford V8

Ford V8

Aber Ford war natürlich clever und wusste, dass die Upper Class zwar die Qualität der Fords anerkannte, sich aber natürlich nie in einem T-Modell oder ähnlichem hätte sehen lassen – für diese Klientel wurde die Marke Lincoln lanciert, bis heute ein Konkurrent für Cadillac, damals mit riesigen 8- und in den dreißigern dann natürlich auch wunderbar geschmeidigen 12-Zylindern ausgerüstet.

Echte Hingucker, die sich neben einem Rolls-Royce nicht verstecken mussten!

Lincoln_1200x800

Lincoln

In einem Durchgang gibt es Dioramen, einmal eine Szene am Strand, wo sich einige ein Wettrennen mit offenen Zweisitzern liefern, einmal eine komplette Werkstatt aus den dreißiger Jahren.

Eine kleine Sammlung von Motorrädern ist auch zu sehen, von Ariels über CZs, Saroleas und Puchs, BMWs, Harleys oder Triumphs etc. ist für jeden etwas dabei.

Ford Motorräder: unter anderem Ariels und Sarolea

Ford Motorräder: unter anderem Ariels und Sarolea

In einer weiteren Halle dann die eigentlichen Motoren des wirtschaftlichen Aufschwungs der Staaten: Pickups, Lieferwagen, Nutzfahrzeuge.

Ford Nutzfahrzeuge

Ford Nutzfahrzeuge

Nicht zu vergessen die Feuerwehr und die Polizei, hier ein Whiskeytransporter eines gewissen Herrn Capone neben einem kombinierten Polizei-/Feuerwehrfahrzeug.

Ein besonderes Nutzfahrzeug von Ford

Ein besonderes Nutzfahrzeug von Ford

Ford Feuerwehrautos

Ford Feuerwehrautos

Zusammengefasst: Für alle Alteisenfreunde einen Besuch wert – ich gestehe, ich bin hier Wiederholungstäter und war schon mehrmals da – und ich werde irgendwann wieder hingehen, wenn sich die Chance bietet!

P.S.: Einige der Fords sind immer zu verkaufen – hier ist Charakterstärke gefragt!

P.P.S: Das Louwmann Museum ist gar nicht weit von hier! Hier gibt es zwar auch einige Produkte aus der Massenproduktion zu sehen, aber dazu noch eine Auswahl der absoluten Auto-Elite!

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