Marty, Horst, Düsi und Co.: Braucht das Auto einen Kosenamen?

Dass wir Deutsche ein sehr inniges Verhältnis zu unseren Autos haben, ist ja nichts Neues.

Einige bauen regelrecht eine „Beziehung“ zu ihrem Schätzchen auf 4 Rädern auf – und was liegt dabei näher, als seinen treuen Gefährt(en) auch zu benennen. „Mein Auto“ ist doch hier viel zu unpersönlich und herabwürdigend…

Warum braucht ein Auto einen Kosenamen?

Ich kenne in meinem Freundes- und Bekanntenkreis auch einige, die ihrem „Baby“ einen Namen geben. Einige sind schon naheliegend, wie Smartie für den Smart oder auch Beetleine (ein weiblicher Beetle), Beetlejuice etc. für den VW New Beetle.

Der Lancia Ypsilon Elefantino wurde von einer Freundin liebevoll „Fanti“ genannt und dabei im Interieur mit grauen Dickhäutern im Kleinformat dekoriert (von Elefanten-Kissen über Stofftiere bis hin zu Elefanten-Sticker am Armaturenbrett)… Das Auto einer anderen Freundin hört auf den Namen Marty, das ihres Freundes heißt Louis.

Auch in unserem Kollegenkreis haben sich Kosenamen für Autos durchgesetzt: Ein Kollege nennt seinen Lancia liebevoll Giovanni.

Doch was ist der Grund für die Namensgebung? Ich vermute dahinter ja einfach eine Intensivierung der Beziehung zu seinem liebsten Blechhaufen. In der Kindheit hat man seinen Kuscheltieren Namen gegeben und heute ist das Spielzeug einfach ein bisschen größer. Warum nicht?!

Berühmte Rennfahrer machen es vor

Allen voran Sebastian Vettel. Der Formel 1-Profi überraschte schon in den vergangenen Jahren damit, seinen Rennwagen Namen gegeben zu haben: Julie, Kate, Luscious Lis, Randy Mandy, Kinky Kylie oder Suzie. Um nur eine kleine Auswahl der Vettel-Autos zu nennen.

Diverse Online-Nachrichten- bzw. Boulevarddienste fordern ihre Leser auf, Vettel bei weiteren Namensfindungen zu unterstützen und Vorschläge einzureichen.

Knutschkugel, Horst und Düsi

Das ist aber noch lange kein Prominente- oder Rennfahrer-Thema, wie auch mein Bekanntenkreis bestätigt:

Eine Studie der YouGov aus diesem Jahr fand heraus, dass 14 Prozent der Deutschen einen Spitznamen für ihr Fahrzeug haben – das ist immerhin jeder 7. Autobesitzer.

Dabei orientiert sich ein Großteil derer am vermeintlichen „Charakter“ des Autos („Roter Rasi“, „Schwarzer Flitzer“), dem eigenen Fahrstil („Düsi“) oder einer besonders innigen Beziehung („Kleiner“, „Bärchen“, „Horst“).

Einige Spitznamen können sich durchsetzen

Einige Kosenamen sind im Volksmund sogar geläufig. Jeder weiß die Ente sofort mit dem Citroën 2CV oder den Bulli mit dem VW Bus zu identifizieren.

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Die Ente

Auch der in Ostdeutschland beliebte Trabant, auch liebevoll Trabi genannt, spiegelt, was die Spitznamen-Vergabe angeht, die etwas zwiegespaltene Beziehung oder auch Hassliebe der Besitzer wider: Rennpappe, Sachsenporsche oder Fluchtkoffer sind nur einige der Namen, die sich die damaligen Trabi-Fahrer anhören konnten.

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Sachsenportsche, Rennpappe & Co.: Trabi-Fahrer mussten sich einiges gefallen lassen…

Schwierig können solche Spitznamen werden, wenn sie das Markenimage angreifen. Die ab 2004 gebaute 1er Reihe des BMW wurde im Volksmund gerne als Hängebauchschwein bezeichnet – wegen seiner gebogenen Blechfalte auf der Seite. Das hat aber der Beliebtheit des Modells keinen Abbruch getan.

Ich muss auch zugeben, dass dieser Spitzname glatt an mir vorbei gegangen ist. Kanntet ihr die Bezeichnung für den 1er?

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Das Hängebauchschwein – seht ihr die „Bauchfalte“?

Wie heißt euer fahrbarer Untersatz?

Habt ihr auch ein so inniges Verhältnis zu eurem Gefährt, dass ihr ihm einen Namen gebt?

Sollte das der Fall sein, verratet ihn uns doch gerne! Wir freuen uns auf eure Kommentare.

 

Bildquelle:
Autoliebe – Thinkstock, Stockbyte, Jupiterimages
Hängebauchschwein – Wikimedia, S 400 HYBRID

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