Von einem, der auszog, einen NSU RO 80 zu kaufen

Heute gibt es einen Gastbeitrag von einem mit dem Oldtimer-Virus infizierten Kollegen, der einiges zu berichten hat:

Das Thema Oldtimer hat für mich eine starke Faszination und seit langem steht fest: Irgendsowas muss ins Haus! Dabei geht es nicht um ein bestimmtes Vehikel, aber meine persönliche Beschäftigung mit dem automobilen Kulturgut ist schon immer sehr intensiv und währt schon über 50 Jahre.

Da schaut man sich schon mal um, träumt von dem einen oder anderen und flugs hat man sich auch schon mal in ein bestimmtes Fahrzeug vernarrt, um bald festzustellen, dass das ja wohl auch ein wenig schräg ist, sich altes Blech zu kaufen und zu verherrlichen.

Aber dann kommt das Virus wieder und es fängt von vorne an…

So viele Möglichkeiten… Wer solls werden?

Die Modelle der Begierde sind nicht die PS-starken Coupés und Cabriolets der Edelschmieden, sondern die Zaungäste des Mainstreams, die Verrückten und Außenseiter mit genialen Ansätzen, sensationellen (und nicht klassisch gewirkten) Formen, neuartigen Konzepten oder einfach pfiffigen Lösungen, die es aber nie zu großer Verbreitung gebracht haben.

Ich stehe auf schrullige Fahrzeuge vom Schlage eines Citroen, Panhard oder Matra, Rover, Lotus oder Champion, DKW, Glas, Iso, Osi oder Lancia, von den echten Exoten mit dreistelligen Produktionszahlen ganz zu schweigen.

Kürzlich hatte ich das Glück, von meinem Arbeitgeber für 25 Jahre Treue eine ansprechende Prämie zu erhalten, die mich dann so richtig in Fahrt gebracht hat.

Jetzt oder nie!

Da das Geld nicht für den favorisierten Citroen SM (mit Maserati-Motor) gereicht hat, jedenfalls nicht für ein Fahrzeug, das man ohne größere Restauration einfach hätte nutzen können, musste es also etwas anderes sein, aber was?

Ein Traum: Citroen SM (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/89/Citroen-SM.jpg)

Ein Kapitän PL, ein Ami6, Lotus Europa, Renault 4CV, Panhard 24 BT, Rover P6 oder doch ein 6er BMW (erste Serie), 107er Mercedes SLC, Jaguar XJ6/12, viele Möglichkeiten, aber noch nicht so ganz das Wahre.

Aber, Moment mal, da war doch noch, ja, richtig, da war doch noch NSU. Sensationelle Karosserie und ein Motor, der den Versuch manifestiert, gegen den Strom zu schwimmen, die Vision, den alten schüttelnden Hubkolbenmotor abzulösen, Fleisch geworden im RO 80.

Eine Suche im Internet brachte die alten Vorurteile gegen das Auto hoch:Die berühmte und falsche Geschichte mit dem Gruß der RO 80-Fahrer, die sich mit der Anzahl der Finger zeigen, der wievielte Motor eingebaut ist, brachte aber auch das Gegenteil, dass der Motor das geringste Problem bei dem Auto sei, schlimm sei der Rost.

Autos gibt’s bei den einschlägigen Autoportalen und im Club. Dort, im NSU RO 80-Club, fand ich eine Anzeige aus dem befreundeten Schweizer Club, die allerdings schon 5 Monate alt war. Der dort abgedruckte Link führte zu einer lebenden Anzeige in Autoscout24.ch und eine Anfrage bestätigte die Existenz des Fahrzeugs.

Die Bilder zeigten einen sehr ansprechenden Wagen im Superzustand: rostfrei und auch innen original mit top erhaltenen Polstern und einem Armaturenbrett ohne Risse.

NSU RO 80 Frontansicht

Baujahr 6/1970, überholter Motor, 99.500 Kilometer. Der Preis sollte 8.500 SFR betragen, also rund 7.800 Euro.

Allerdings – und das war dann Adrenalin fördernd – sei noch ein Deutscher an dem Auto interessiert und man wolle dort nachfragen, wie stark denn das Interesse sei. Rückruf erfolge die nächsten Tage.

Die nächsten Tage waren lang, ein Rückruf erfolgte nicht. Ein erneuter Anruf, auf französisch natürlich (das Auto stand in Genf), förderte die Info zu Tage, dass der konkurrierende Interessent zu wenig biete und man das Auto nicht für weniger als 7.000 Franken abgeben werde.

Damit war der Preis festgelegt, den zu zahlen ich gerne bereit war, wenn das Auto so gut war, wie es die Bilder zeigten.

Aus einer der zahlreichen Quellen über Oldtimer wusste ich, dass Autos, die in die Schweiz geliefert wurden, praktisch immer hohlraumversiegelt wurden. Das hörte sich also schon mal gut an.

So, jetzt bekam die Sache Fahrt: Wie bekomme ich ein Auto aus der Schweiz nach Deutschland?

Und da geht die Geschichte nächste Woche weiter. Ich berichte euch natürlich vom NSU RO 80, aber auch von der Inspektion, dem Kauf und vor allem von der Einführung nach Deutschland.

NSU RO 80 Innenraum und Armaturenbrett

GASTBEITRAG von Christoph Hees

Fotoquelle:
Citroen SM: Wikimedia – Rundvald

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