Das Lob der Fahrgemeinschaft

Vor ein paar Wochen hatte ich zwei unterschiedliche Gespräche:

    1. Zwei Kolleginnen mit der überwiegend gleichen Fahrstrecke von 25, 30 km beklagten sich, wie lästig die alltäglichen Staufahrten sind, dass man da was ändern sollte…
    2. In meiner Fahrgemeinschaft berichtete Werner munter, dass wir dieses Jahr bald die 200 Fahrten voll haben.

 

Und das traf auf die Ergebnisse des Klimagipfels von Paris, aus denen jeder grundsätzlich eines mitnehmen sollte:

Lebe überlegt und verringere so Deinen ökologischen Fußabdruck.

Und das ist einer meiner Vorsätze für dieses Jahr!

Mit einer Fahrmeinschaft wird insgesamt weniger CO2 produziert

So dachte ich mir, dass hier dringend ein Lob der Fahrgemeinschaft angezeigt ist!

Ich habe also eine – Ihr gestattet, dass ich meine Fahrgemeinschaft kurz vorstelle?

Wir – das sind Werner, Richard, Christoph und ich – sind als Fahrgemeinschaft aus dem Nahetal seit Jahren gemeinsam unterwegs und verbringen so wöchentlich einige Stunden miteinander. Wir arbeiten alle in Gesellschaften des R+V Konzerns an verschiedenen Standorten in Wiesbaden. Unsere Fahrtstrecke beträgt einfach knapp 50 Kilometer. Abhängig von unseren privaten und geschäftlichen Terminen sind wir manchmal zu viert unterwegs, manchmal auch nur zu zweit oder dritt.

Wir starten verdammt früh morgens und schaffen es so, die Zeiten der größeren Staus zu umgehen – das heißt natürlich, dass wir auch relativ zeitig nach Hause fahren – ebenfalls weniger Verkehr! Öffentliche Verkehrsmittel sind in unserer Region keine ernsthafte Alternative – die Fahrzeiten würden sich vervielfachen.

Die Teilnahme an der Fahrgemeinschaft klappt natürlich nur dann, wenn es terminlich hinhaut – Abendtermine oder Dienstreisen lassen uns einsam pendeln.

Über eine Exceltabelle wird die faire Verteilung gesteuert. Unser Mathematiker Werner (andere können das auch…) hat ein Konstrukt gebaut, wo immer ersichtlich ist, wer in welcher Konstellation dran ist.

Unsere Excel-Tabelle für die Fahrgemeinschafts-Planung

Fahrgemeinschaft kann einiges beinhalten: Bei manchen Fahrten kommt das Gespräch über ein klassisches Männergespräch (ein knurriges „Morgen“ oder „Jooo“ kann genug Konversation für eine halbe Stunde sein) nicht raus, an anderen wird gebabbelt und gelacht. Wir haben ein paar Regeln, unausgesprochen, aber klar:

      • Wir sind pünktlich (na, ja, fast alle fast immer)
      • Der Fahrer hat immer Recht, welch dusselige Ausweichstrecke er im Staufall auch wählen mag.
      • Private Ausflüge (schnell noch beim Bäcker reinspringen oder tanken) gehören nicht zur Fahrgemeinschaft.

Die Autos, die wir fahren, sollten zuverlässig und ausreichend geräumig sein… (kein Kleinwagen). Wir haben uns auf relativ feste Abfahrtzeiten geeinigt, mit entsprechendem Vorlauf sind wir hinten raus flexibel. Die Kommunikation läuft einfach über E-Mail oder Messenger.

Warum wir das tun? Gehen wir kurz die Vor- und Nachteile durch

Der Nachteil ist schnell beschrieben:

Man verliert etwas an Flexibilität, unvorhersehbar länger dauernde Termine sind Gift, aber eigentlich gilt in der Firma die Regel: Termine sollen pünktlich beginnen und pünktlich enden. Unsere Kalender sind entsprechend gepflegt und geblockt.

Die Vorteile sind wesentlich zahlreicher!

Es gibt da verschiedene Arten, zunächst die qualitative Seite:

Man ist disziplinierter; morgens nochmal im Bett rumdrehen (und dann mit einem Stau bestraft werden), muss unterbleiben, man kann die anderen ja nicht warten lassen.

Stau - selten, aber manchmal auch früh morgens, aber dann wenigstens unterhaltsam mit der Fahrgemeinschaft

Wir haben oft was zu erzählen und halten uns über die unterschiedlichsten Themen der Kommunalpolitik, Neuigkeiten aus unseren Familien und dem Konzern auf dem Laufenden, zwei mögen Fußball, zwei Technik, es ist gesellig und zumeist munter – und außer dem Fahrer darf jeder schlafen oder arbeiten, ganz wie er möchte.

Für die Rechner unter uns jetzt natürlich die Zahlen des Jahres 2015, die letztlich jeden überzeugen müssten, sowohl finanziell als auch ökologisch. Aus Werners Tabelle (die stimmt sicher, denn Richard, der Controller, hat es abgenommen) habe ich kurz zusammengestellt, was ich im Folgenden kommentiere.

In Hessen gab es 2015 insgesamt 253 Arbeitstage. Wir haben 30 Tage Urlaub und sind gesunde Typen, rechnen wir also drei Krankheitstage. Bleiben 220 Arbeitstage. Für jeden, also 880 Arbeitstage insgesamt.

Wir haben eine einfache Fahrtstrecke von ca.50 km, hin und zurück 100 km, für alle zusammen ergibt sich somit eine rechnerische jährliche Fahrleistung von 88.000 km.

Das bedeutete in Euro bei Ansatz der unterschiedlichen Fahrzeuge Vollkosten/km zwischen 0,25 € und 0,5 € Vollkosten/km in meiner Berechnung Gesamtkosten von 35.200 € und einen CO2 Ausstoß von 14.367 kg.

14 Tonnen CO2 ist viel.

Auf mich würden dabei entfallen: 5.500 € und 3.330 kg CO2.

Böse große Zahlen.

Und jetzt zum Effekt der Fahrgemeinschaft

Insgesamt war die Fahrgemeinschaft in wechselnden Besetzungen an 229 Tagen unterwegs.

Ich war an 160 Tagen dabei, davon insgesamt sechzigmal als Fahrer, außerdem musste ich sechzigmal alleine fahren. Bei diesen 220 Arbeitstagen habe ich somit 100 Fahrten eingespart, bei den anderen sind die Zahlen teils höher, teils niedriger.

Unterm Strich sind insgesamt ca. 400 Einzelfahrten im PKW von der Autobahnausfahrt Waldlaubersheim nach Wiesbaden und zurück nicht erfolgt. Das ist ziemlich viel!

Mit der Fahrgemeinschaft auf dem Heimweg

Die meisten anderen Fahrzeuge um uns herum sind mit einem einzigen Fahrer besetzt. Hätten diese alle jemand dabei, wäre die Anzahl der Fahrzeuge auf der Strecke grob geschätzt ein Drittel niedriger, damit würden fast keine Staus mehr stattfinden.

Ihr anderen Streckennutzer: Seid uns dankbar, wir haben kräftig entstaut!

Es wurde durch die Einrichtung unserer Fahrgemeinschaft ca. 40.000 km weniger Auto bewegt.

Bei Betrachtung der Vollkosten ergibt sich (für uns alle) zusammengerechnet eine Ersparnis von 14.400 €, bei mir selbst macht das 2.500 € aus. Das ist relativ wenig, da meines das älteste Auto (damit ohne ernsthaft messbaren Wertverlust) ist, zumindest für den Autor ist es jedoch viel Geld, weit mehr, als der Wagen wert ist!

Aber sehen wir uns die Effekte aus Umweltgesichtspunkten an

Wir haben über 40.000 km keinen Ressourcenverbrauch durch Verschleiß an unseren Autos, keinen Reifenabrieb, keine Feinstäube und keinen Lärm erzeugt, wir haben auch 40.000 km Unfallrisiko aus dem Verkehr genommen. Etwa 2.550 Liter Kraftstoff wurde nicht verbraucht, 6.500 kg CO2 wurden nicht in die Luft geblasen.

Mit unseren Zahlen kommen wir pro Person auf einen Durchschnittswert von unter 100 g CO2/km, das entspricht dem ÖPNV. Nur Radeln oder Gehen ist besser, taugt für uns aber nicht!

Das ist gut! Werner, Richard und Christoph, das ist schon sehr gut! Angesichts der Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte aber beileibe noch nicht gut genug.

Wie es weiter geht?

Gute Vorsätze der Fahrgemeinschaft: Noch mehr CO2 einsparen mit Hilfe von Elektroautos

Wir werden es in unserer Fahrgemeinschaft mit unserer nächsten Auto-Generation hinbekommen, unseren CO2-Fußabdruck weiter schrumpfen zu lassen. Wenn wir dann hoffentlich bald unsere E-Autos haben, wird unsere Bilanz noch viel besser, denn drei von uns holen sich den Strom vom Dach.

Also, liebe Leser (und liebe Kolleginnen!), überlegt es Euch:

Jede Fahrt in der Fahrgemeinschaft ist ein Gewinn für den Geldbeutel und die Umwelt, probiert es einfach mal aus!

P.S.
Einige der Zahlen musste ich runden… seht es mir nach! Ebenso habe ich die Elektroauto-Testfahrten hier nicht im Einzelnen mit eingerechnet.

 

Fotoquelle:
CO2 Auto: PixelRob/iStock/Thinkstock
Blätterauto: Jonathan Nightingale/iStock/Thinkstock

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