Wie importiere ich einen NSU RO 80 nach Deutschland?

Letzte Woche habe ich von meiner Begeisterung für Oldtimer erzählt. Bei meiner Suche nach einem alten Schätzchen stieß ich im Internet auf einen NSU RO 80 in Genf. Also nichts wie hin! Doch wie bekomme ich einen Oldtimer nach Deutschland? Erst einmal Fragen über Fragen.

NSU RO80 Frontansicht

Überführungskennzeichen oder Anhänger? Überführungskennzeichen müssen in der Schweiz beantragt werden; das bedeutet, mit der Fahrtzeit selbst mehr als ein Tag Aufwand und auf einer eidgenössischen Behörde französisch sprechen, eine Versicherung besorgen und Formulare ausfüllen zu müssen.

Also: Was wiegt ein NSU RO 80, was wiegt ein Hänger und darf mein Auto das überhaupt ziehen?

Ein Hänger konnte über einen Kollegen organisiert werden, Eigengewicht unter 500 Kilogramm, der RO wiegt 1.280Kg und mein Auto darf 1.900Kg ziehe. Das passt schon einmal.

Aber wie geht das mit dem Zoll? Die Schweiz ist kein EU-Land! Und: Wird Einfuhrumsatzsteuer fällig, und wieviel?

Das Internet weiß das, und ein paar Stunden Recherche förderten zu Tage, dass Autos, die in Deutschland hergestellt wurden und aus der Schweiz „zurückgebracht“ werden, zollfrei sind. Die Einfuhrumsatzsteuer, also das, was im Inland die Mehrwertsteuer ist, kann bei Fahrzeugen, die einen Sammlerwert haben und als „vehicule veteran“ in der Schweiz klassifiziert sind, auf 7% reduziert werden. Kann, muss aber nicht, und sonst werden 19% fällig.

Was sind da für Papiere auszufüllen und kann man das ohne Hilfe einer Spedition selbst machen?

Wo muss man sich beim Grenzübertritt einsortieren? Bei den LKWs und gewerblichen Importeuren oder auf der PKW-Spur nach vorne fahren und was dann?

Fragen über Fragen. Besser, einfach mal loslegen!

Also: Hänger ausgeliehen, nur dummerweise hat der Besitzer seine Papiere nicht greifbar, da sie sich an der Nordsee bei jemand anderem befinden, und Zurrgurte sind auch nur zwei vorhanden. Egal! Schnell noch Geld holen für Fahrzeug und Zoll.

Am nächsten Morgen geht es um 6:00 Uhr früh auf die Straße. Ziemlich genau 600 Kilometer bis Genf. In der Schweiz sollte man nicht, genau genommen überhaupt nicht, schneller fahren als zulässig. Das wird sehr teuer. Auch ein Trailer, der in Deutschland eine 100km/h-Zulassung hat, darf in der Schweiz nur 80 km/h fahren. Der Tag wird also zeitlich gut gefüllt sein, allein durch das Fahren.

Das Auto war bei einem Garagisten in der Nähe des Genfer Flughafens zu besichtigen. Der gute Mann war bereit, das Auto auf die Bühne zu bringen, so dass sich die Prüfung des Unterbodens einfacher und zügiger gestaltete, als wenn man auf einem Parkplatz halb vor dem Fahrzeug liegend seine Begutachtung durchführen muss.

Ankunft Genf 14:15h, Fahrzeug steht auf der Bühne und ist sensationell im Zustand unter dem Boden, die Einrichtung schön, wie auf den Fotos, Bremsen und Fahrwerksteile sehen aus wie frisch gewechselt und selbst die Reifen haben noch ordentlich Profil, nur die DOT-Nummer war nicht zu finden. Es gibt aber auch ein paar kleinere Ecken, die nicht mehr top sind, aber das Auto steht da im originalen Erstlack!

NSU RO80 Innenraum und Armaturenbrett

Der Kauf findet statt, eine Probefahrt ist ohne Zulassung nicht möglich, aber fahren tut es. Der Werkstattbesitzer hat ihn von der Bühne nach draußen gefahren und dann gleich auf den Hänger. Das geringste Problem beim RO 80, so habe ich die Aussagen im Club aufgenommen, sei der Motor. Na, wollen wir das mal glauben, ich habe eh nicht mehr viel Zeit und muss los.

NSU RO80 Innenraum Rückbank

Papiere und Vertrag fertig gemacht, Geld bezahlt, und ab mit der Fuhre

Abfahrt Genf: 15:45h, Ankunft Basel, Grenzübergang 18:45h.

Die Schilder sagen, Fahrzeuge bis 3,5t PKW-Spur, alle anderen LKW-Spur.

Was ist mit mir? Der ganze Zug hat 3,7t, aber ich fahre mutig auf die PKW-Spur und… bin schon über die Grenze, da keine Zöllner da sind.

Was mache ich jetzt? Fahren mit dem nicht offiziell eingeführten Fahrzeug ist ein Zollvergehen und kann anlässlich einer Kontrolle sehr unangenehm werden. Soll ich vielleicht trotzdem…? Es ist ja schon dunkel.

Lieber nicht. Ich halte auf der deutschen Seite an und frage zwei Zollbeamten, die zufällig an ihrem Auto etwas einladen, wo ich hinmuss, um den Wagen einzuführen.

Direkt neben meinem Haltplatz ist ein Gebäude, in das ich gehen solle.

Es ist sehr leer, ein müder Beamter nimmt sich meiner an. Ich sage gleich, dass ich gehört hätte, dass Fahrzeuge mit dem Veteranenstatus nur 7% EUSt zahlen müssten und ob dies richtig sei. Der gute Mann bejaht, muss dazu aber noch den Zustand des Fahrzeugs prüfen.

Das geht aber mündlich, etwa so: Ist denn der Wagen original? Muss da noch was gemacht werden? Ist der Wagen aufgeladen? Was meint der mit aufgeladen? Die Batterie, einen nicht vorhandenen Kompressor oder Turbolader? Nein, ob er auf dem Hänger transportiert werde. Ja, natürlich und so komme ich dann zu dem reduzierten Steuersatz, den etliche andere Selbstimporteure nicht bekommen, auch wenn das Fahrzeug über 50 Jahre alt ist. Glück gehabt!

Ich bezahle meine Einfuhrumsatzsteuer, schon dieses Wortungetüm ist so anheimelnd deutsch, Kaufpreis (also umgerechnet ca. 6.480 Euro), reduziert um die schweizerische Mehrwertsteuer von 8% = 5.961 Euro, auf die die EUSt von 7% (=417 Euro) fällig wird. Eine Bescheinigung wird ausgestellt, ebenso eine Quittung und dann kann ich, nach nicht einmal einer dreiviertel Stunde, schon los.

Noch 330km Autobahn und um 23:30h bin ich wieder daheim.

Am nächsten Tag: Gleich mit dem nicht abgeladenen Auto zum TÜV. Der aber wurde nun nicht beim ersten Anlauf geschafft.

NSU RO80 Heckansicht

Drei Mängel: Batteriehalterung, Bremse hinten links ist nicht frei und bremst entsprechend schlecht und die Reifen sind brüchig. Ich hatte ja auch keine DOT-Nummer gefunden, was sich jetzt erklärt: Die DOT-Nummer, also den Schlüssel für das Herstellungsdatum, gibt es erst seit 1980. Dass die Reifen im stolzen Alter von mindestens 35 Jahren oder mehr ein wenig brüchig sind, ist verzeihlich.

Das war’s mit den Mängeln!

Auto aufsatteln und zur Werkstatt des Vertrauens fahren. Hier wird festgestellt, dass ein Bremsschlauch „zugewachsen“ ist, neue Schläuche werden montiert (vom aktuellen Polo passend), dabei die Bremsflüssigkeit ausgetauscht, Batteriehalterung gebaut und angeschraubt, vier Reifen bestellt und montiert und jetzt hat er seine Plakette und natürlich die Freigabe für die H-Zulassung.

Am Montag geht es dann zur Zulassungsstelle und wenn ich es richtig gelesen habe, ist das Kennzeichen ‘KH RO 70 H‘ noch frei (die 80 ist leider schon belegt).

Fazit

Es ist alles gut gegangen. Fahrzeugwahl und -suche waren spannend. Das gefundene Objekt in einem erstaunlich guten Zustand und der Import eines Fahrzeugs aus der Schweiz hätte besser nicht laufen können.

Der TÜV hat im Prinzip die gute Substanz des Autos bestätigt (O-Ton des Prüfers: „Dann wollen wir doch mal sehen, ob der RO 80 seinem Namen alle Ehre macht. Wissen Sie, wofür RO 80 steht? Rost zu 80%“.) und das Modell ist wirklich eine stilistische und technische Meisterleistung – abseits des Hauptstroms (Stückzahl 3.7000 Autos in 10 Jahren Bauzeit). Man kann ja auch mal Glück haben!

Aber geheilt bin ich von dem Virus immer noch nicht. Der Bruder meines Schwagers will seinen Citroen DS verkaufen. Günstig, wie er sagt…

Citroen DS

GASTBEITRAG von Christoph Hees

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