2016 Porsche 911 Turbo S Fahrbericht – Video

Woran denkt man, wenn man Johannesburg hört? Johannesburg, ist die Hauptstadt der Provinz Gauteng in Südafrika, gleichzeitig ist es auch die größte Stadt Südafrikas. Johannesburg selbst gilt nicht als typisches Touristenziel, ist aber die Drehscheibe für Anschlussflüge und auch das wirtschaftliche und finanzielle Zentrum Südafrikas.

Johannesburg hatte früher auch einen der größten Automobilhersteller des Landes, das Unternehmen Basil Green Motors, welches derzeitig aber nur noch als Ford und Mazda Vertragshändler tätig ist. In Südafrika sieht man übrigens auch noch viele VW Golf 1 Fahrzeuge im Straßenverkehr.

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Genug zu Johannesburg, obwohl ich muss, spätestens ab heute, unweigerlich den Porsche 911 Turbo mit Johannesburg verbinden, denn den werden wir heute – hier im Umland von Johannesburg – fahren. Tja, und wer denkt, dass in Südafrika immer die Sonne scheint und es nie regnet, der wird auch eines besseren belehrt.

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In Südafrika herrscht Linksverkehr, das war für mich schon eine ganz schöne Umstellung. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit hat es aber ganz gut geklappt und ich konnte das Land und das Auto genießen.

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Noch ganz kurz ein paar Informationen zum Autofahren in Afrika: Die Höchstgeschwindigkeit in Ortschaften liegt bei 60 km/h, auf der Landstraße darf man wie bei uns 100 km/h fahren und auf der Autobahn ist bei Tempo 120 km/h Schluss. Gut also, dass es mit dem Porsche 911 Turbo auch auf die Rennstrecke ging.

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Was bietet ein typischer Porsche 911?

Neben dem atemberaubendem Design, eine hervorragende Motor-Getriebe-Kombination, kräftige und vor allem standhafte Bremsanlagen, eine sehr hochwertige Verabeitung, ein sehr agiles Fahrverhalten und wie man es in den einschlägig bekannten Automobil-Marktbörsen sehen kann, bietet ein Porsche 911 auch einen sehr guten Werterhalt.

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Never touch a running System – das gilt auch für den Porsche 911 Turbo und so sind die optischen Veränderungen – zum Glück – nur minimal. Seht ihn euch an, hier im R+V24 Drive Check:

Die neuen Porsche 911 Turbo und 911 Turbo S bieten jetzt jeweils 20 PS mehr Leistung, bekommen ein nachgeschärftes Design und eine verbesserte Ausstattung. Direkt ab Marktstart haben die potenziellen Käufer die Qual der Wahl:

Turbo oder Turbo S? Cabrio oder Coupé! Egal für was man sich entscheidet, die Leistung kommt in allen Fällen aus einem 3,8 Liter großen Sechszylinder mit Biturbo-Aufladung.

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Dank geänderter Einlasskanäle im Zylinderkopf, neuen Einspritzdüsen und einem anderen Druck, was die Einspritzung betrifft, wurde die Leistung nun auf 540 PS bei der normalen Version, bzw. auf 580 PS beim Porsche 911 Turbo S Modell erhöht.

Wenn man die Pferde lossprinten lässt, dann beschleunigt das Geschoss im besten Fall innerhalb von 2,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und ich kann euch versichern: Das ist wie Achterbahn-Fahren. Die Beschleunigung verursacht bei mir ein Gefühl im Bauch, wie ich es sonst nur vom Verliebtsein kenne.

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Schmetterlinge im Bauch durch die pure Beschleunigung, ein sehr seltenes Phänomen.

Die maximale Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h (bzw. 330 km/h bei der S-Version) konnten wir in Johannesburg natürlich nicht erreichen und bei der Probefahrt wäre es nicht möglich gewesen den NEFZ-Verbrauch von 9,1 Liter auf 100 km zu erreichen, vermutlich haben wir das maximale Drehmoment von 750 Nm auch nur sehr selten ausgenutzt.

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Beim Herausbeschleunigen kann der Porsche 911 Turbo dank dem Rezept Heckmotor und Allradantrieb nur gewinnen, denn hier spielt er seine Traktionsvorteile aus, bleibt dabei jederzeit beherrschbar und zeigt sich als Sportwagen mit zahlreichen Alltagstugenden.

Die Lenkung direkt, die Rückmeldung perfekt, das 360er Lenkrad liegt super in der Hand und man kann direkt die Fahrmodi einstellen. Normal, Sport, Sport Plus oder Individual.

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Damit lässt sich das Aggregat und die damit verbundenen Bauteile per Tastendruck nachschärfen, das Ansprechverhalten verbessert sich und der Ritt in der Kanonenkugel kann beginnen.

Neu ist auch der sogenannte Sport Response Button des Sport Chrono-Pakets: Per Tastendruck werden der Motor und das Getriebe temporär scharf gestellt, so hat man für 20 Sekunden die bestmögliche Beschleunigung anliegen, ideal also für den ein oder anderen Überholvorgang.

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Die Gangauswahl wird über das 7-Gang Porsche Doppelkupplungsgetriebe mit manueller Betätigung am Lenkrad und am Wählhebel vorgenommen, ein Schaltgetriebe ist hier nicht verfügbar, aber selbst auf der Rennstrecke konnte das PDK durch schnelle Gangwechsel überzeugen. Lustigerweise wird nun am Stick gezogen und nicht mehr nach oben gedrückt, um hochzuschalten, auch Porsche lernt dazu.

Das Fahrwerk, welches serienmäßig über das PASM verfügt, ist sportlich abgestimmt. Die Keramik-Bremsanlage, zeigt sich standhaft, lässt sich sauber dosieren und packt ordentlich zu. Was soll ich sagen – ich habe gar nichts zu kritisieren, außer vielleicht den kariösen Fahrbahnbelag im Umland von Johannesburg.

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Die Kraft geht übrigens über alle 4 Räder auf die Straße. Das Porsche Traction Management besteht aus einem aktiven Allradantrieb. Dieses 4WD System verfügt über eine elektronisch geregelte Lamellenkupplung. Diese kennfeldgesteuerte Lammellenkupplung regelt die Verteilung der Antriebskraft zwischen der permanent angetriebenen Hinterachse und der Vorderachse. Während ein älterer Porsche 911 eventuell noch etwas zickig und ein sogenanntes „Fahrerauto“ war, sehe ich bei den neueren Modellen hier keine Probleme mehr, auch nicht für ungeübte Fahrer.

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Keine große Überraschung, auch der neue Porsche 911 Turbo zeigt sich komfortabel im Alltag und sportlich schnell auf der Rennstrecke. Ein Sportwagen als Allrounder.

Optische Veränderungen

Sprechen wir noch ganz kurz über die optischen Veränderungen, wir haben eine neue Front mit seitlichen Airblades.

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LED-Hauptscheinwerfer mit 4-Punkt-Tagfahrlicht gehören bei allen Modellen zur Serienausstattung. In der Stoßstange gibt es die LED-Leuchten mit Doppelsteg. In den Radkästen drehen sich optional bis zu 20″ Felgen. Am Heck sind es vor allem die 3D-Rückleuchten die ins Auge stechen und natürlich die neuen Endrohre.

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Die Sportabgasanlage gibt es übrigens nur für den Carrera, da durch die variabele Turbinen-Geometrie – also dem VTG – der Turbo vermutlich sowieso nicht besser geklungen hätte.

Im Innenraum gibt es neben den sportlichen Sitzen und dem bereits erwähnten Sportlenkrad das neue Infotainment-System PCM 4 welches nun auch mit Apple CarPlay korrespondiert. Während sich der Motor und die Abgas-Anlage um den Motorsound kümmern, übernimmt im Innenraum optional eine Burmester-Soundanlage die Beschallung. Das High-End-Surround-System hat dann eine maximale Leistung von 821 Watt und verfügt über 12 Lautsprecher.

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Der Park Assistent vorn und hinten sowie die Rückfahrkamera sind bei allen Porsche 911 Turbo Modellen serienmäßig. Um beim Einparken die Frontspoiler-Lippe vor Kratzer zu schützen, kann man sich optional ein Liftsystem für die Vorderachse bestellen. Per Tastendruck hebt sich das Fahrzeug dann um 30 mm an der Vorderachse an.

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Ein Porsche 911 hat auch seine Schwächen, natürlich zieht so ein Sportwagen erhöhte Kosten für den Unterhalt mit sich. Auf die beiden hinteren Plätze würde ich nicht einmal meine Schwiegermutter setzen wollen, den Platz kann man aber nutzen, denn das Kofferraumvolumen liegt nur bei 115 l.

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Auch der Anschaffungspreis dürfte einigen ein Dorn im Auge sein, denn nun werde ich einige Traumblasen zum Platzen bringen:

Der Porsche 911 Turbo rollt als Coupé ab 174.669 Euro in den Handel, für den Turbo S muss man mindestens 202.872 Euro investieren und wer der Meinung ist, dass Cabrio fahren die dekadenteste Art der Obdachlosigkeit ist, der muss noch einmal 13.000 Euro hinzuaddieren und ich möchte auch nicht verschweigen, dass der 911 Turbo durch die Aufwertung nun auch fast 10.000 Euro teurer geworden ist.

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Leer wiegt der Porsche 911 Turbo S 1,6 Tonnen – maximal darf er knapp 2 Tonnen schwer sein.

Er beschleunigt schneller als z.B. der Mercedes-AMG GT S und schlägt diesen auch in der Höchstgeschwindigkeit, der 2-Sitzer hat allerdings einen 4,0-Liter-V8-Biturbomotor unter der Haube, klingt etwas kerniger und kostet in der Basis-Austattung mit 115.430,00 Euro knapp 59.000 Euro weniger und dafür bekommt man z.B. schon einen Porsche Cayman in der Black Edition.

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Aber was ist schon Geld, wenn wir hier über die wahre Liebe sprechen? Dass ein Porsche sich wertstabil zeigt, hat der Elfer schon bewiesen. Beim Mercedes-AMG SLS kann man das auch beobachten, doch wie wird es beim Mercedes-AMG GT S sein?

Wo wir gerade beim Thema sind: Glücklicherweise hat Porsche auch gute Alternativen im Portfolio für diejenigen, die beim 911er nicht zuschlagen können. Wie wäre es denn z.B. mit einem Cayman? Den gibt es als Cabrio und auch als Boxster. In der S-Version bieten die beide ebenfalls viel Spaß, aber das Original ist und bleibt der 911er.

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