Falsch getankt – was nun?

Ich kannte die Geschichten bisher tatsächlich in erster Linie aus der Zeitung, aber letztens kam sie mir auch in der Kantine zu Ohren: Ein Kollege (ich betone in dem Fall gerne das Geschlecht 🙂 ) hatte Benzin und Diesel verwechselt und falsch getankt. Was genau war denn da passiert?

Warum wird falsch getankt?

Vorweg gehen wir aber erst einmal auf die Ursachen ein. Der ADAC hat Gründe für das Falschtanken gesammelt:

  • Es gibt an den Tankstellen keine räumliche Trennung von Benzin und Diesel mehr. Die heute üblichen „Multi-Dispenser“ lassen einen schneller zur falschen Zapfpistole greifen.
  • Der Diesel-Einfüllstutzen hat sich in Richtung Benzin-Einfüllstutzen verändert – die Zapfpistole passt nun also auch dort hinein und blockiert nicht wie früher.
  • Die Werbeaufkleber auf den Zapfpistolen sind heutzutage oft größer als die Kraftstoffbezeichnung. Da kann die relevante Info schon einmal untergehen.
  • Uneindeutige und leicht zu verwechselnde Produktbezeichnungen sind auf dem Vormarsch: Die Premiumkraftstoffe „V Power“ und „Ultimate“ gibt es sowohl als Benziner wie auch als Diesel.
  • Die früher übliche Beklebung des Tankdeckels sieht man heute auch nicht mehr so oft.
  • Und man muss es sagen dürfen: Die Unachtsamkeit der Autofahrer trägt natürlich auch dazu bei. Denn in der Regel weiß ich ja, was ich tanken muss. Ich fahre das Auto ja meistens schon ein bisschen länger…

Ähnlichkeit und Vielfalt der Zapfsäulen - für einige die Ursache, falsch getankt zu haben

Benzin statt Diesel

Was ist zu tun, wenn ich als Dieselfahrer ganz normales Benzin tanke?

Wenn ihr das noch an der Tankstelle merkt – optimal! Motor nicht mehr anlassen! Wenn es doch ein bisschen später wird, dann am besten sofort anhalten und Motor ausschalten.

Dann folgt der Blick in die Betriebsanleitung: Hier ist die Unterscheidung der Dieselmodelle wichtig. Fahrt ihr ein älteres Diesel-Fahrzeug, also keinen Direkteinspritzer, oder ein Modell mit Common-Rail- oder Pumpe-Düse-Triebwerken?

Bei den älteren Modellen kann direkt ein Stück weit Entwarnung gegeben werden. Wenn ihr da nur einige wenige Liter Benzin im Dieseltank habt, ist es in der Regel nicht schädlich.

Anders schaut es bei den neueren Modellen aus. Da dürft ihr eigentlich den Motor auf keinen Fall anlassen und solltet nach Herstellervorschriften vorgehen.

Im besten Fall hattet ihr also den Motor gar nicht erst an. Dann reicht oft schon ein einfaches Abpumpen des Tankinhalts und ihr seid mit einem blauen Auge davon gekommen.

Wenn der Motor allerdings bereits gelaufen ist, dann kann das richtig teuer werden! Dann muss nämlich das gesamte Einspritzsystem (Hochdruckpumpe, Injektoren, Kraftstoffleitungen und Tank) ausgetauscht werden. Diese Teile sind sehr empfindlich und brauchen den Diesel-Schmierfilm, der vom Benzin geradezu abgewischt wird.

Falsch getankt - mit dem Aufkleber vielleicht nicht passiert?!

Diesel statt Benzin

Diesel statt Benzin zu tanken ist die bedeutend harmlosere Variante. Auch hier gilt natürlich, den Motor nicht mehr anzulassen bzw. wenn man schon unterwegs ist, sofort anzuhalten und den Motor auszuschalten.

Auch hier schadet ein Blick in die Betriebsanleitung nicht und ein Anruf bei einer Hersteller-Werkstatt hilft mit wichtigen Infos ebenfalls weiter. Denn hier gehts es um den jeweiligen Motor und die Menge des falschen Kraftstoffs.

Bestenfalls kann einfach vorsichtig weitergefahren werden (dabei das regelmäßige Nachtanken des richtigen Sprits nicht vergessen!), im schlimmsten Fall ist auch hier ein Abpumpen des Tanks fällig. Schäden an der Einspritzanlage sind ebenfalls nicht auszuschließen, aber seltener.

Und was ist mit Winterdiesel?

Im Winter kommen regelmäßig Berichte über wegen der Kälte nicht mehr anspringende Dieselfahrzeuge auf; zuletzt im Dezember die Polizeiautos in Berlin, die zumindest teilweise auch keinen Winterdiesel getankt hatten.

Winterdiesel ist ein spezieller Kraftstoff, dem einige Additive zugemischt sind, die den Diesel auch bei niedrigen Temperaturen flüssig halten und somit die befürchtete Ausflockung verhindern.

Eine leichte Benzindreingabe in den Diesel fungiert aber nicht als Fließverbesserer geschweige denn als Winterdiesel! Dieser Irrglaube ist verbreitet, aber gefährlich.

Was war beim Kollegen?

Bei ihm kam bei dem Malheur noch viel Glück dazu: Er fährt einen wirklich alten Diesel und er hat es sehr schnell gemerkt! Insofern ist er noch einmal davon gekommen.

Habt ihr auch schon einmal falsch getankt? Was glaubt ihr sind die Gründe?

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