Faszination Lotus

Höchste Zeit für eine neue Folge aus der Reihe Faszination! Heute kommt ein lang überfälliger Bericht über einen der großen Namen im Sportwagenbau und den Mann dahinter: Lotus!

Ich fange mal ganz vorne an:

In den Jahren zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg war der Austin7 der „Volkswagen“ der Briten. In Deutschland von Dixi (die wiederum von BMW gekauft wurden), in Frankreich von Rosengart und in Japan (ohne Lizenzerwerb) von Nissan produziert, war dieser so zerbrechlich wirkende, aber tatsächlich extrem robuste Kleinwagen ein echtes Erfolgsmodell.

Das Fahrgestell wog 250 kg, rechnen wir noch etwas weniger für Karosserie etc. dazu, die 12 PS des kleinen Vierzylinders kamen damit gut klar.

Das muntere Wägelchen wurde zu einer der beliebtesten Grundlagen für sogenannte „Specials“ in den verschiedensten Ausbaustufen – man nahm das Fahrgestell, frisierte den Motor ein bisschen, entledigte das Fahrzeug der Standardkarosserie und sonstiger Komfortanklänge, setzte eine extrem leichte offene Zweisitzer-Karosserie drauf und fertig… Das fand schon zu seiner Bauzeit statt, in den Nachkriegsjahren ging das weiter.

Lotus 3, 1951, mit frisiertem Austin Seven Motor (Foto aus G.N. Georgano, A History of Sports Cars, Rainbird Reference Books Ltd, 1970)

Sehr begabt war dabei Colin Chapman, der 1947 damit startete und alsbald seine Firma „Lotus“ gründete. In der Folge verkaufte er dann 100 Stück eines Wagens namens Lotus 6 als Bausatz. So sparte der Käufer eine Menge Steuern, die Kisten waren einfach zusammenzubauen. Die Lotus 6 wurden sehr erfolgreich bei Rennen und Rallyes bewegt.

Lotus 6 at Lotus 60th Celebration (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lotus6.jpg)

Parallel dazu wurden seit 1956 Rennwagen gebaut: MK10, MK11 (Le Mans-Gewinner in seiner Klasse!), MK13, MK17 – leichte windschlüpfrige Wägelchen, die auf vielen Strecken wesentlich stärkeren Brummern zeigte, wie Leistungsgewicht und Aerodynamik wirken können!

Lotus Eleven Club Serie1, 1957, Foto von Bruno Grégoire, Versteigerungskatalog Poulain Le Fur 1994

Das Rezept „einfache Großserienmechanik in extrem leichtem Gewand“ wurde zum Markenzeichen der Firma Lotus.

Es folgte die Weiterentwicklung Lotus 7, der von 1957 bis 1972 gebaut wurde. Die frühen Lotus hatten seitengesteuerte 1-Liter-Ford-Motoren, simpel und robust. Mit den 750 kg des Wägelchens kamen sie gut klar. Der Lotus Seven ist der Inbegriff des Spaßautos, mit keinem anderen Auto – außer vielleicht in einem Morgan oder einem Formel-Rennwagen – ist Fahren direkter.

Und Chapman konnte nicht nur spartanisch, sondern auch schön! 1957 kam der wunderschöne Elite, abgelöst 1962 vom ebenso hinreißenden Elan – zwei Sportwagen, die mit ihren einfachen und eleganten Karosserien zu den gesuchten Klassikern gehören. Angetrieben waren sie von Ford Kent-, später Ford Cortina-Vierzylindern mit zwischen 1,5 und 1,6 Liter-Maschinen mit scharfgemachten Vierventil-Zylinderköpfen. Der Elan war einer der ersten Serienwagen mit einer selbsttragenden Karosserie aus Kunststoff.

 Lotus Elan 1,6 aus dem Besitz von Jim Clark (Fotos aus G.N. Georgano, A History of Sports Cars, Rainbird Reference Books Ltd, 1970)

Der Lotus Europa (1966 -1975) mit einer extrem ungewöhnlichen Karosserie war einer der ersten käuflichen Mittelmotor-Sportwagen – angetrieben von einem eigentlich braven Renault 16 Motor war er doch ein verkappter Rennwagen.

Lotus Europa JPS at VSCCC European Classic Car Show (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1973_Lotus_Europa_JPS_(250870857).jpg?uselang=de)

1973 verkaufte Lotus die Rechte am Lotus 7 an die Firma Caterham, die seitdem den Super Seven herstellt, zahlreiche andere Firmen wie Donkervoort, Westfield, Irmscher, DAX etc. bauten und bauen noch sehr ähnliche Modelle – scharf!

Es folgte eine Phase mit eher kantigen Karosserien: Eclat, Excel, Elite knüpften von der Idee her an die Vorgänger an, die Optik spaltete – dementsprechend günstig sind sie heute zu haben!

Lotus Elite 1981, Autos International 1981, Sonnenverlag – Lugano-Schweiz-Katalog

Viele der Lotus wurden von Sportwagenfahrern in Europa und den USA intensiv auf Rallyes und Rennstrecken bewegt, die Erfolge brachten Lotus schnell dazu, auch in die Formel 1 einzusteigen.

Und auch hier fuhr Lotus seit 1960 viele Erfolge ein: 7 Konstrukteurs- und 6 Fahrer-WM-Titel können nicht viele aufweisen!

Zahlreiche Innovationen waren ebenfalls dabei: Der 1962 fertiggestellte Lotus 25 war der erste Formel1-Wagen mit einem Monocoque, der Lotus 72 von 1970 war der erste Formel1-Wagen mit seitlichen Kühlkästen, der Lotus 78 von 1977 war der erste Renner mit Bodeneffekt.

Jim Clark auf Lotus25 Climax, Zandvoort 1963 (Foto von Julius Weitmann, terra technica Kalender Rennsport 1966, Hanns Reich Verlag München-Solln 1965)

Chapman wurde nachgesagt, die Leichtbauweise bis an die Grenze – und darüber hinaus – zutreiben. So soll Graham Hill (1968 F1-Weltmeister auf Lotus) gesagt haben: „Wenn mich ein Rad überholt, weiß ich, dass ich in einem Lotus sitze.“

Ein drittes Standbein von Lotus war die Befeuerung von braven Familienkutschen mit heißen Motoren unter Anpassung der Fahrwerke. So wurde der geniale Ford Lotus Cortina geboren, der Talbot Sunbeam Lotus 16V, und man war auch bei der Entwicklung des DeLorean beteiligt.

Colin Chapman starb 1982. Die konsequent durchgezogene Idee des strikten Leichtbaus, gepaart mit relativ robusten Antrieben begeistert mich seit langem. Mit Chapmans Tod endete die Ära der klassischen Lotus.

Lotus ging seitdem durch einige Eigentümerhände. Weiter wurden und werden schnelle Wagen gebaut, daneben war Lotus an der Entwicklung des Lotus Omega (vormals ein Opel) und zahlreicher Sportwagen wie z.B. Opel Speedster, Aston Martin DB9, DeLorean DMC-12, Chevrolet Corvette C4 ZR-1, Nissan GT-R, Hennessey Venom GT, Toyota MR2, Toyota Supra etc. beteiligt.

Lotus beschäftigt sich derzeit aber auch mit anderen Themen, mehr dazu folgt in den nächsten Monaten in einem anderen Artikel!

P.S.
Falls ihr zum Thema Caterham weiterlesen möchtet, dann empfehle ich euch den sehr guter Artikel „Die glorreichen 7 – Caterham Seven – ein Klassiker ab Werk“ in der Oldtimer Markt 7/2003!

Bildquellen:
Lotus 6: Wikimedia – Brian Snelson
Lotus Europa: Wikimedia – dave_7

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