Neuwagen der Woche: Der Ford Mustang 5.0 V8 im Fahrbericht

Ihr sucht eine bezahlbare Alternative zum BMW M4, zum Mercedes-AMG C-Coupé, zum Audi RS5, oder aber zum Chevrolet Camaro, dann solltet ihr nun schön weiterlesen.

Gibt es ein Auto, das den amerikanischen Traum mehr verkörpert als der Ford Mustang 5.0 V8? Ja ok, vielleicht noch die Corvette, eventuell auch noch ein Dodge Charger, aber danach kommt erstmal eine Weile nichts, oder?

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Die Amerikaner bieten den legendären Ford nun auch offiziell für Europa an. Ganz offiziell und ohne Grau-Importeur. Dann auch mit der Hälfte an Zylindern, die man sonst erwartet: Vier!

Wie bitte? Vier Zylinder? Da steigt man doch gerne noch mal aus und schaut nach, ob man nicht doch in einem Ford Focus sitzt, oder? 4 Zylinder in einem Ford Mustang, das klingt nach Blasphemie, aber ich kann euch versichern: Das funktioniert ganz gut.

Aus 2,3 Litern Hubraum holt der Mustang 317 PS und 432 Nm. Klingt bekannt? Kann sein: Im aktuellen Ford Focus RS schlägt dasselbe Herz, allerdings mit etwas anderen Leistungsdaten.

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Aber zurück zum Ford Mustang: Mit dem kleinen Vierender schafft der Ford Mustang die 100 km/h in 5,8 Sekunden – Werte, die einst selbst der Sechszylinder nicht schaffte. Bei 234 Stundenkilometern ist dann Schluss mit lustig, was wohl genug für die meisten Situationen sein dürfte.

Dennoch, man will doch immer etwas mehr und überhaupt: Wenn man schon mal die freie Auswahl hat, dann darf man sich doch auch für den V8 entscheiden, oder?

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Unter der Haube von unserem Ford Mustang GT findet man den 5.0 Liter V8-SFI-Saugmotor mit einer Leistung von 421 PS (genauer gesagt 310 KW). Wenn diese 421 kleinen Mustangs losgaloppieren, liegt bei 4.250 Umdrehungen pro Minute ein maximales Drehmoment von 530 Nm an der Kurbelwelle an.

Keine Lust viel zu lesen? Dann schaut euch doch einfach den R+V24 Drive Check an:

Der Motor? Ein Quell der Fahrfreude inklusive tollem V8-Sound. Er bollert und ab und zu rotzt er auch, vor allem dann, wenn man sich im Bereich der 6.500 U/min befindet und schnell in den nächst höheren Gang schalten sollte.

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Gibt man den Pferden die Sporen und hat man sie zuvor mit dem richtigen Hafer (in dem Fall das gute Super-Plus) gefüttert, dann beschleunigt der handgerissene Ford Mustang GT innerhalb von 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erreicht er im 5. Gang, der 6. ist extrem lang übersetzt und dient dem Kraftstoffsparen.

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Der 4,78 m lange, 1,38 m hohe und von Aussenspiegel zu Aussenspiegel genau 2,08 m breite Ford Mustang verfügt über einen Radstand von 2,72 Meter. Der kommt allerdings nur den vorderen Passagieren zu Gute, alleine der Versuch hinten einen Kindersitz zu befestigen, hat bei mir schon Rückenschmerzen verursacht.

Widmen wir uns also dem Fahrersitz: Hier sitze ich auf einem gut einstellbaren Recaro-Sportsitz und greife zum ebenfalls verstellbaren Lenkrad. Im kalten Deutschland fehlt mir die Sitzheizung, aber irgendwas ist ja immer.

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Die Lenkung ist direkt und verfügt über eine gute Rückmeldung, das Fahrwerk ist sportlich straff abgestimmt, teilweise etwas zu hart – die Bandscheibe lässt ab einen gewissen Alter dann schon grüßen.

Die Bremsen zeigen sich ausreichend groß dimensioniert und diese lassen sich auch fein dosieren. Wer allerdings mit der Lenkstellung falsch liegt und mit dem Gaspedal übertreibt, der wird sich die Fahrbahn durch die Seitenscheibe anschauen.

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Motor vorne, Antrieb über die Hinterachse – eigentlich immer noch das ideale Rezept – das Ganze kombiniert mit viel Leistung und Drehmoment und fertig ist ein Muscle-Car wie es im Buche steht.

Der Wendekreis liegt bei 12,2 Meter, der Fahrer blickt im Normalfall auf eine wunderschön gestaltete Motorhaube und schaltet sich durch die 6-Gänge. Das Getriebe? Direkt und knackig, so wie ich es mag und vor allem auch genau so wie ich es erwartet habe.

Doch wie fährt er sich?

Der Ford Mustang fährt sich richtig gut! Das liegt vermutlich auch am „Ford Performance Paket“, welches neben der sportlichen Fahrwerksabstimmung für europäische Straßen auch steifere Fahrwerksbuchsen und die besseren Bremsen beinhaltet. Klar dominiert im Innenraum der Kunststoff, aber unter uns? Da habe ich schon bedeutend schlimmeres gesehen.

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Platzangebot? Ja, hat er! Was soll ich Euch sagen? Vorne hat man ausreichend Platz, hinten darf allerdings nicht einmal die Schwiegermutter Platz nehmen. Entweder müsste ich permanent mit Vollgas fahren, damit sie nicht an meinen Hals kommt, um mich zu erwürgen. Oder ich würde zivilisiert fahren, dann aber wäre die Fahrt recht kurz, weil sie mir eben für den eingeschränkten Beinraum den Hals umdrehen würde. Aber wundert das? Nein, mich nicht.

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Der Ford Mustang ist ein klarer 2+2 Sitzer und sollte nicht als Chauffeurslimousine verstanden werden. Generell empfehle ich das Upgrade zu den Recaro Sportsitzen. Ich habe schließlich noch nie schlecht auf einem Sitz dieses Herstellers gesessen und das trifft auch auf diese Fahrzeug zu. Guter Halt bei gleichzeitig angenehmem Alltagkomfort – das passt.

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Überrascht hat mich aber auch der Kofferraum. Der fasst 408 Liter, die maximale Zuladung von dem 1,7 Tonnen schweren Ford Mustang GT liegt bei 579 kg. Da geht also mehr rein, als man sich vorstellen kann.

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Sprechen wir noch ganz kurz über den Verbrauch. Ford bzw. NEFZ sagt: 13,5 Liter auf 100 km. Man könnte also mit dem 61 Liter großen Tank knapp 450 km weit kommen.

Ich musste nach knapp 300 km schon zum ersten Tankstop, ggf. sollte ich meinen schweren Gasfuß dann doch mal etwas trainieren bzw. mal einen Spritsparkurs besuchen. Wer also auf Sprit sparen steht, der sollte sich ggf. für ein anderes Auto entscheiden, aber den NEFZ Wert von 13,5 Liter auf 100 km kann man ohne Probleme schaffen.

Diejenige, die ein exotisches Fahrzeug (für unser Straßenbild) haben wollen und bereit sind, dafür etwas mehr Kraftstoff zu veredeln, für die ist der Ford Mustang definitiv eine Alternative.

Kommen wir zum Preis. Los geht es bei 42.000 Euro. Durch ein paar Kreuze bei den Optionalitäten, wie z.B. Premium-Paket und den Recaro-Leder-Sportsitzen, kommt man auf einen Testwagenpreis von 46.300 Euro. Ein durchaus fairer Preis für soviel Leistung, soviel Fahrspaß und vor allem ein Fahrzeug, welches immer noch ein Exot auf deutschen Straßen ist.

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Wer eher introvertiert ist und nicht gerne von anderen Menschen angesprochen wird, der sollte doch lieber zum Ford Mondeo greifen. Mit dem Ford Mustang fällt man auf. Oft sogar sehr positiv, da bekommt man mal einen Daumen hoch, wird beim Getränkeeinkauf auf den großen Kofferraum und ganz nebenbei natürlich auch auf den großen Motor angesprochen.

Die Autoquartett-Daten kann ich deswegen nun auch schon runterbeten. Man könnte mich nach der fast zweiwöchigen Testperiode nachts wecken und ich würde antworten: „5,0 Liter V8, 421 PS, 530 Nm, 0-100 in 4,9 Sekunden und bei 250 km/h ist Schluss. Ab 42.000 Euro geht es los und ich habe sogar manchmal den NEFZ Verbrauch von 13,5 Liter geschafft.“

Was der Ford Mustang allerdings auch geschafft hat? Er hat meine Lebensgefährtin begeistert. Eigentlich sieht sie in Autos ein Fortbewegungsmittel von A nach B, sportliche Autos sind ihr eigentlich egal, bei ihr dominiert der Nutzwert und obwohl wir unsere Kinder nur mit viel gutem Willen auf die Rücksitzbank verfrachten konnten, kam gestern der Satz der Sätze: „Den könnte ich mir als Zweitwagen vorstellen!“ – Das nenne ich mal einen Freibrief, oder? Ob ich eventuell noch mal den Ford Mustang als Cabrio, dann ggf. mit dem 2,3 Liter Motor testen sollte?

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So viel Spaß, für relativ wenig Geld. Der Ford Mustang hat uns wirklich überzeugt.

Wir starten hier im drive-Blog bereits am kommenden Freitag mit der Messe-Berichterstattung zum Automobilsalon in Genf 2016. Dann gibt es zunächst einen Vorbericht, ab der kommenden Woche dann die News aus Genf und viele neue Fahrzeuge.

Anschließend, das möchte ich schon einmal spoilern, werden wir uns auch günstigere Fahrzeuge ansehen. Wir versuchen im drive-Blog neben viel Spaß, Spiel und Spannung natürlich auch auf das Gleichgewicht zu achten. Den guten Vorsatz: „Mehr Sport wagen“ – haben wir also eingehalten, nun widmen wir uns demnächst auch den anderen Fahrzeugen.

So, im Video hatten wir es angekündigt. Hier gibt es noch weitere Onliner-Stimmen zum Ford Mustang:

Bjoern Habegger: „Und der neue Ford Mustang ist eine klare Kaufempfehlung. Noch einmal V8, noch einmal purer Sound. Die V6-Importmodelle sollte man meiden wie das Gammelfleisch beim Discounter. Dann doch lieber den 2.3 Liter EcoBoost Turbo inklusive Performance-Paket.“

Thomas Majchrzak: „Außerhalb von Europa gibt es zur V8-Alternative nicht den kleinen EcoBoost, sondern einen 3.7 Liter V6 mit 305 PS, der ebenfalls beliebt ist. Es stimmt nicht, dass in den USA ausschließlich V8 Mustangs herumfahren.“

Milos Willing: „Wir freuen uns sehr, dass Ford den Mustang zurück nach Europa holt und damit auch ein Stück vom American Spirit. Zwar wird der Ford Mustang wahrscheinlich mehr eine Rarität auf unseren Straßen bleiben, aber immerhin stehen die Chancen jetzt besser, einen davon zu sehen bzw. zu hören.“

Tom Schwede: „Der Ford Mustang ist kein halbstarker Basecap-Träger, der aussieht, als könne er nicht bis drei zählen. Der Amerikaner wirkt stattdessen wie ein gereifter Gentleman, der nur Bedarf voll zuschlägt. Deshalb muss der Mustang GT seine Potenz auch nicht wie manch sportliche Mittelklasse mit viel Geschrei permanent vor sich hertragen.“

Matthias Gill: „Besonders die beim V8 verbaute 6-Kolben Bremsanlage ist in der Tat ein absoluter Traum. Selten konnte ich eine schöner zu dosierende Bremse erleben, die einen perfekten Druckpunkt hat und auch nach mehreren stärkeren Verzögerungen immer noch wunderbar arbeitet.

Fabian Meßner: „Über die nach Aluminium aussehenden Kippschalter lässt sich nicht nur das ESP deaktivieren, sondern auch die Lenkung (EPAS) in drei Varianten verstellen. Komfort ist dabei nicht wirklich zu empfehlen, denn das verwässert den Fahreindruck des Mustang.“

Benjamin Brodbeck: „Es ist leider so, dass die SelectShift-Sechsgang-Automatik auf der Wandlertechnik beruht. Das ist prinzipiell nichts schlechtes, denn auch ein neuer Porsche Cayenne oder Jaguar F-Type haben noch Wandlergetriebe verbaut, doch die Schaltzeiten sowie Schaltvorgänge sind einfach nicht mehr zeitgemäß.“

Ans Herz legen möchte ich euch auch noch das ausführliche Review von Jan Gleitsmann:

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