Die Fahrrad-Saison beginnt – Ein Appell an die Rücksicht

Der Winter ist noch nicht ganz vorbei, aber was im Kalender als Winterzeit bezeichnet wird, ist zumindest in diesem Jahr kein echter Winter. Es bewegen sich also schon (bzw. immer noch) die ersten Radfahrer auf den Straßen.

Share the road-Schild zum Schutz der Fahradfahrer

Auto und Fahrrad gemeinsam auf der Straße

Und auch ich werde die Gelgenheit nutzen, ein paar Kilometer auf dem Rad zu drehen, wenn das Wetter passt. Ich fahre sehr gerne Rennrad, bin also auf der Straße unterwegs. Aber leider gefällt das vielen Autofahrern nicht.

Dabei sind wir per Gesetz gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer. Ich fahre Rennrad, ein leichtes, ungefedertes Fahrrad ohne Licht oder Schutzbleche. Es ist ein Sportgerät, weshalb ich z. B. keine Reflektoren anbringen muss.

Es ist ungefedert, die Reifen mit ca. 9 Bar aufgepumpt und 23 Milimeter breit. Die Fläche auf der Reifen auf Straße trifft ist ungefähr so groß wie eine Briefmarke. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit ist mit ca. 25 Kilometern pro Stunde lächerlich; fittere, schlankere Fahrer können locker 5-10 km/h draufpacken.

Leider sind viele Fahrbahnen vollkommen ungeeignet für Rennräder. Als ich mal mit 30 Sachen an eine Stelle eines Radweges kam, wo sich Wurzeln unter dem Asphalt breit gemacht haben, hat es mich dermaßen durchgeschüttelt, dass ich Angst um mein Rad hatte. Man spürt wirklich jede Unebenheit. Es gibt die Radwegebenutzungspflicht, wenn der Radweg entsprechend gekennzeichnet ist, aber es gibt keine Pflicht den Weg zu benutzen, wenn er objektiv unbenutzbar ist und das ist beim Rennrad leider relativ schnell der Fall.

Ich hoffe das macht es etwas nachvollziehbarer, warum Rennradfahrer oft auf der Straße anzutreffen sind.

Fußgänger und Fahrradfahrer unterwegs

Agressivität

Anekdote dazu gefällig? Ich war nach einem Umzug recht frisch wieder beim Rennradfahren im neuen Revier auf einer Landstraße unterwegs. Da kennt man sich noch nicht aus und ein Autofahrer meinte schon wild hupend von hinten annähernd mich auf etwas aufmerksam machen zu müssen. Wild gestikulierend fuhr er einige Zeit neben mir. Offenbar schimpfte er irgendwas.

Man versteht nicht viel, wenn man auf einer Straße mit 30 Sachen neben einem Auto fährt. In jedem Fall hielt er den Verkehr mehr auf als ich es jemals könnte. Im nächsten kleinen Örtchen wurde ich von ihm und seinem mies dreinblickenden Begleiter schon erwartet. An einem Zebrastreifen positionierten sie sich. Im Grunde hatte ich nicht genug Zeit darüber nachzudenken, was die zwei denn vorhatten, mit offenen Armen wollten sie mich sicher nicht empfangen. Leicht abwärts führende Straße, Geschwindigkeit ca. 40 km/h radelte ich auf einen der beiden zu und wich im letzten Moment aus. Er versuchte mir noch auf den Rücken zu schlagen oder ähnliches. Leicht geschockt steuerte ich erstmal eine kleine Nebengasse an, die für Autos nicht zugänglich war.

Im weiteren Verlauf der Saison entdeckte ich einen Radweg, der mich auch in dieses Örtchen führt. Vermutlich wollte mich der Autofahrer freundlich auf den Weg hinweisen. Ich kannte den Radweg zu diesem Zeitpunkt nicht und bin einfach an dessen Einfahrt vorbeigefahren. Rechtfertigt das Beschimpfungen und Tätlichkeiten gegen Radfahrer? Wenn ich Auto fahre ist es nicht schwer, einen kleinen Schwenk nach links zu lenken und mit ausreichend Abstand den Radfahrer zu überholen, auch wenn er einen Fahrradweg benutzen könnte.

Oder doch eher Auto gegen Fahrrad?

Auch so eine Sache ist der Abstand. Vorgeschrieben sind 1,50m. Etwas überspitzt formuliert: Ich kann vermutlich die Autos an einer Hand abzählen, die mich mit ausreichend Abstand im letzten Jahr überholt haben. Ich beschwere mich auf keinen Fall, wenn es mal nur ein Meter ist. Aber gefährlich wird es, wenn es zu knapp ist. Man stelle sich einen Bahnsteig vor: Die besonders gekennzeichnete Fläche, die den Abstand zu Zug deutlich machen soll ist ca. einen Meter breit.

Auch ich mache mal einen leichten Schlenker und ohne Sicherheitsabstand klebe ich dann vor dem Auto. Es ist auch ziemlich unnötig, beim Überholen noch mal Gas zu geben. Radfahren ist für mich Entspannung und bei solchen blöden Aktionen erschrecke ich mich regelmäßig.

Und wenn mal etwas passiert: Ich trage eine sehr, sehr dünne Lycra-Hose inklusive Trikot. Natürlich trage ich einen Helm. Aber wo Morradfahrer eine dicke Lederkluft schützt, schützt mich: Nix! Zum Glück ist mir auf dem Rennrad noch kein größeres Unglück wiederfahren, aber ich kenne Schürfwunden nur zu gut vom Mountainbike.

Fehler machen nicht nur Autofahrer

Ampel für Fahrradfahrer

Durchaus bewusst bin ich mir der schwarzen Schafe unserer Zunft: Rote Ampeln überfahren, durchschlängeln und so weiter. Mache ich und viele andere aber nicht!

Wenn ich Rücksicht erwarte, muss ich die auch walten lassen. Ich fahre nicht an der Schlange Autos vorbei, wenn die Ampel rot ist. Einfach weil ich keine Lust darauf habe, dass ich später von allen wieder überholt werde (Thema Sicherheitsabstand…).

Aber ich kann auch nicht verstehen, warum Autofahrer diesen Weg gerne „zu“ machen. Ein Überholvorgang ist für den Autofahrer kein unmögliches Manöver, viele Radsportler sind froh darüber die Geschwindigkeit halten zu können. Abgesehen davon ist es nicht zulässig andere Verkehrsteilnehmer zu blockieren.

Ich lehne Radwege nicht grundsätzlich ab, kenne aber viele in meinem Revier, die ich schlicht nicht nutzen kann. Ich hasse es, eine gute Geschwindigkeit zu haben und dann wegen blöd angelegter Radwege o. Ä. immer wieder abbremsen zu müssen.

Wie schon geschrieben: Der Radsport ist unser Hobby, für viele die Leidenschaft, für manche vermutlich noch mehr. Wenn wir stürzen, schauen wir zuerst nach unserem Rad und dann nach unseren Knien. Früher standen meine beiden Räder im Wohnzimmer, mittlerweile stehen drei Räder im Keller.

Mit zarten 14 Jahren bin ich das erste Mal um den Bodensee gefahren, mein Vater ist schon immer geradelt und brachte meinen Bruder und mich auch dazu. Hätte ich nicht jedes Jahr auf die Bodensee-Rundfahrt hin trainiert, wäre ich vermutlich noch etwas pummeliger gewesen. Vermutlich kann man dem regelmäßigen Training und dem Durchbeißen bis zum Schluss auch einige andere positiven Eigenschaften abringen.

Vielleicht denkt der ein oder andere daran, wenn er das nächste Mal einen Radfahrer auf der Straße sieht: Es ist unser Hobby und unsere Leidenschaft. Wir betreiben diesen Sport, weil es uns Spaß macht. Niemand von uns möchte Autofahrer ärgern, wir möchten aber auch nicht geschnitten oder angehupt werden.

Bitte, liebe Autofahrer: Nehmt etwas Rücksicht!

Fotoquellen
Zebrastreifen: yaschan79/iSTock/Thinkstock
Fahrrad-Ampel: Olga:Anourina/iStock/Thinkstock

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