Moto Guzzi

Nach dem wir hier bereits die Historie zweier italienischer Automarken vorstellen konnten, wollen wir uns heute endlich auch einmal dem Thema Motorrad widmen.

Denken wir also an Sommer, Sonne und Italien.

Dann denken wir an Fiat, Ferrari, Alfa Romeo und Lamborghini. Und woran denken wir noch? Natürlich an italienische Motorräder. …und auf einige Marken mag man gar  nicht kommen oder sie für italienische Produkte halten. Wir denken an Aprilia, Bimota, Benelli, Ducati oder MV Augusta.

In Deutschland wurde 1894 zwar das erste Motorrad entwickelt, aber auch Italiener fuhren Anfang der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gerne Motorrad. Besonders gern taten dies ein gewisser Herr Giorgio Parodi und sein Kumpel Carlo Guzzi. Ersterer ein ehemaliger Heeresflieger der italienischen Luftwaffe und Carlo, sein Flugzeugtechniker.

Was tut mal also, wenn Kriege vorbei sind und aufgeräumt oder einfach neu angefangen werden muss? …und wenn man sich in den Wirren eines Krieges irgendwie zusammengetan und an besseren Tagen Pläne für Danach geschmiedet hat? „Wenn die Scheisse hier vorbei ist, dann fangen wir von vorne an und bauen Motorräder.“ …so ungefähr stelle ich mir vor, werden die beiden Ihr Vorhaben geplant haben. Jedenfalls wurde das Unternehmen Moto Guzzi am 15.03.1921 von den beiden gegründet. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass das Firmenlogo genau wegen der Vergangenheit der beiden Gründer einen Adler mit ausgebreiteten Schwingen darstellt.

Die erste Maschine war ein für diese Zei typisches Gerät und daher nannte man es auch völlig trocken Moto Guzzi „Normale“. So normal blieb man aber im Italienischen nicht weiter, sondern vergab den Modellen ziemlich ausgefallene und/oder gut klingende Namen, ganz im Gegensatz zu so manch trockener Bezeichnung wie etwa BMW F 650 oder Suzuki GSM 650. Nein, Moto Guzzi nannte eine Maschine z.B. „Bicilindrica“. Was für ein Name, einfach toll! Das heisst übrigens nur ganz einfach „Zweizylinder“!

Bicilindrica

Auch bei diesem Fahrzeughersteller muss man dann im weiteren Verlauf wieder zwischen Vorkriegszeit und Nachkriegszeit unterscheiden. Wir meinen nunmehr aber den zweiten Weltkrieg. Wurden so von der ersten Maschine gerade einmal 17 Stück gebaut (in Handarbeit im Keller), waren es 1925 in Mandello del Lario mit über 300 Mitarbeitern bereits 1200 Motorräder.

In der Vorkriegsphase entwickelte Moto Guzzi eine spezielle Hinterradfederung und nahm an diversen Sportveranstaltungen teil. Höhepunkt war der Gewinn der ersten 500ccm-Europameisterschaft im Jahr 1924 – oder der Gewinn der Tourist Trophy auf der Isle of Man 1934.

Moto Guzzi wurde 1934 größter Motorradhersteller Italiens.

Typisch für die Nachkriegszeit waren nicht Sportmotorräder sondern kleine praktische Mopeds/Mofas im 65ccm-Bereich. Diese wurden vorwiegend in den 40er und 50er Jahren gebaut, neben kleineren Serien anderer Modelle. Danach gab es natürlich auch in Italien den typischen Nachkriegs-Aufschwung, so dass Moto Guzzi auch Maschinen mit größerem Hubraum bauen konnte. Bis 1957 konnte Moto Guzzi auch weitere Rennerfolge feiern. Leider erging es Moto Guzzi danach wie vielen anderen Branchen: Motorräder waren einfach out. Gegen Ende der 50er Jahre nahm das Märchen „Aufschwung“ Fahrt auf und das Auto wurde zum Statussymbol. Mit Moto Guzzi ging es also irgendwie bergab. Leider fiel in diese Zeit auch der Tod der beiden Firmengründer Guzzi und Parodi.

Dem Unternehmen ging es so schlecht, dass Moto Guzzi beinah aufhörte Motorräder herzustellen. Teile der Belegschaft wanderten zu den nun aufstrebenden Automobilherstellern ab. Erst im Jahre 1967 wurde dann eine Art Auffanggesellschaft SEIMM gegründet und die Produktion von Motorrädern wieder angekurbelt.

1973 wurde Moto Guzzi von einer anderen Firma aufgekauft, von De Tomaso. Unter De Tomaso wurde 1974 das erste für Motorräder verwendete integrale Bremssystem entwickelt.

Moto Guzzi nahm an einer Ausschreibung für Motorräder einer italienischen Behörde teil – und gewann. Dafür wurde ein V-Zweizylindermoter mit Kardanantrieb entwickelt, welcher noch heute den Grundstock und die technische Basis von Moto Guzzi-Motorrädern darstellt und für deren typischen Look sorgt. Ein schönes Beispiel ist dafür das früher von der italienischen Polizei gefahrene Modell V7.

für die italienische Polizei

Moto Guzzi V7 Special

Moto Guzzi dümpelte trotzdem so dahin, immer wieder mit großen Geldproblemen und ohne wirkliche innovativen Neuerungen, als im Jahre 2000 Aprilia beschloss, Moto Guzzi zu erwerben. Warum auch immer (naheliegend sind Spekulationsgründe), jedenfalls ging der Kaufreigen weiter und Piaggio übernahm 2004 Aprilia, so dass Moto Guzzi seit dem zu Piaggio gehört. Im Jahre 2006 gab es dann mal wieder einen Neustart unter anderer Führung, jedoch im gleichen Konzern. Moto Guzzi baut etwa 10.000 Motorräder pro Jahr und hat einen Marktanteil in Deutschland von 0.9%.

Zugegeben, die Karren sehen schon richtig cool aus – z.B. die große Moto Guzzi California als Chopper-Variante.

California

Moto Guzzi California

Viel wird sich daran leider wohl auch nicht ändern. Unrühmlich endete z.B. ein Kapitel Polizeimotorräder in Berlin. Im Jahre 2009 erwarb die Berliner Polizei Moto Guzzi 850 Norge-Maschinen für ihren Fuhrpark. Offenbar war man bei der Berliner Polizei der Meinung, dass das V-Konzept von Moto Guzzi für kurvenreiche Verfolgungsfahrten auf Berliner Straßen besser geeignet sei und die Polizisten damit noch tiefer in den Kurven liegen könnten. …was für ein lustiger Gedanke :-). Fakt ist jedenfalls, dass die obere Anordnung der zwei Zyliner im Gegensatz zu BMW-Modellen mehr Möglichkeiten einer schrägeren Kurvenlage bietet. Meiner Meinung nach, der einzige praktische Grund für diese Anschaffung.

3 Jahre später ersetzte man die Maschinen wieder durch die üblichen BMW-Motorräder, da die Qualität der Moto Guzzi-Maschinen doch sehr zu wünschen übrig lies (lockere Schrauben, überhitzter Motor).

Moto Guzzi Norge 1200

Moto Guzzi Norge 1200

 

Bildquellen:
Moto Guzzi California: Wikimedia – Elkawe
Moto Guzzi Norge: Wikimedia – Liftarn
Zeitschrift MARKT für Oldtimer 5.5.1987

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