Fahrbericht neue Mercedes-Benz E-Klasse 2016

Die neue E-Klasse! Optisch betrachtet eine Melange aus C- und S-Klasse und somit keine große Überraschung. Vergleichen wir die E-Klasse mal mit einem Überraschungsei. Da haben wir draußen eine gewohnte Hülle, doch wenn man diese öffnet, dann kommt in der Regel viel Freude auf.

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Bei der neuen E-Klasse war es bei mir so. Nicht falsch verstehen, ich finde sie nun nicht unattraktiv, aber nach der S-Klasse und der C-Klasse haben wir ja in Detroit gesehen wie nah die E-Klasse sich (rein optisch) an die beiden Limousinen legt.

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Doch wenn man erst einmal drin sitzt, dann sieht man die Anstrengungen der Ingenieure, dann sieht man die Weiterentwicklung und dann weiß man: Ich sitze in keinem Facelift, in keiner Modellpflege, sondern ich sitze in einem neuem Fahrzeug. Das ist also die neue E-Klasse:

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Die neue E-Klasse von Mercedes-Benz kommt mit zahlreichen neuen Ausstattungsmöglichkeiten.

Das beliebteste Spielzeug bei den Testfahrten war sicherlich der sogenannte Drive-Pilot. Bis zu 30 Sekunden kann man hier die Hände vom Lenkrad nehmen, während das Fahrzeug dank der Stereo-Kamera und dem Radarsystem die Spur hält bzw. dem vorausfahrenden Fahrzeug folgt.

Da kann man gerne einwerfen, dass Tesla das auch kann. Tesla ist aber kein Unternehmen, welches so viele Fahrzeuge wie Daimler auf den Markt bringt.

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Ich glaube es war in einem Audi, da hatte ich zum ersten Mal einen Tempomaten, der auch die Tempolimits erkennt und die Geschwindigkeit automatisch anpasst. Mein Vater würde von „Entmündigung“ sprechen, ich selber sehe es als perfekten Schutz vor Punkten in Flensburg, denn wer von uns hat nicht schon mal zufällig ein Verkehrsschild übersehen?

Die neue E-Klasse bietet sich ideal an als Geschäftsfahrzeug, als Begleiter für lange Strecken. Man sitzt sehr bequem, das Fahrwerk schluckt förmlich alles weg was unter den Rädern stattfindet, aber die Rückmeldung zum Fahrer stimmt und die Lenkung ist direkt.

Wenn ich es nicht besser wissen würde, ich würde der E-Klasse sogar eine gewisse Sportlichkeit und Leichtigkeit in die Schuhe schieben.

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Zurück zum Drive-Pilot! Das System hält also die Spur (schön in der Mitte) und das macht es richtig gut. Nicht immer ohne Fehler, aber noch ist ja auch der Fahrer der Chef im Ring. Das System funktioniert übrigens bis Tempo 210 und man kann sogar, wenn man möchte, das Fahrzeug per Befehl überholen lassen. Autonom! Verrückte Welt, oder?

Dazu wird einfach der Blinkerhebel zwei Sekunden lang betätigt. Die neue E-Klasse schaut sich dann um, achtet auf die Radar-Sensoren und die Stereo-Kamera und wenn alles frei ist, dann schert sie aus zum Fahrspurwechsel.

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Während ich bei normalen Fahrveranstaltungen gerade mal ein oder zwei Motoren ausprobieren konnte, hatte ich hier fast die komplette (aktuelle) Range zur Verfügung.

Das Problem: Wir hatten nur wenige Stunden Zeit. Daher gibt es auch kein eigenes Drive-Check Video, aber ich erlaube mir zur Visualisierung hier mal das VoC Video einzubinden, da seht ihr dann auch den Drive-Pilot bei der Arbeit:

Die Antriebe der neuen E-Klasse

Zum Marktstart der neuen E-Klasse stehen zwei Selbstzünder und drei Benziner zur Verfügung. Ergänzt wird das Line-up durch einen Plug-In-Hybriden und von AMG kommt dann noch der verstärkte E 43 auf den Markt.

Neu ist z.B. der E220d mit einer Leistung von 194 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Nm. Hier hat die kurze Probefahrt ergeben, dass die neue E-Klasse richtig gut gedämmt wurde. Man ist die leise. Das kann man natürlich ändern, wenn man die optionale Burmester-Premium-Soundanlage aufdreht.

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Gefahren sind wir auch den 3.0 Liter 6-Zylinder Diesel mit 258 PS und einem maximalen Drehmoment von 620 Nm. Der macht schon Spaß, da gibt es nichts zu meckern.

Rein elektrisch haben wir uns mit dem Plug-In-Hybrid bewegt. Da würde ich nicht mal den Benziner (der bekannte 2.0 Liter Benziner mit 211 PS) oder den Elektromotor mit 65 kW kritisieren, sondern die rein elektrische Reichweite. NEFZ sagt hier 32 km, im Alltag dürfte nach spätestens 20 km der Verbrenner anspringen.

Und auch wenn zum E350e noch keine Preise kommuniziert wurden, den kann man sich vermutlich nur mit drei grünen Daumen schön rechnen und dann kann man sich auch gleich den neuen Diesel kaufen, der vermutlich sparsamer und günstiger sein dürfte, aber nicht die Elektrifizierung der Fahrzeuge in Deutschland antreibt.

Für den Komfort empfehle ich das Luftfahrwerk und bitte bestellt euch keine E-Klasse mit den klassischen Rundinstrumenten, das dürfte den Wiederverkaufswert in ein paar Jahren in der Tat runterdrücken. Nehmt die 12,3″ Displays und freut euch über das neue Bedienkonzept. Wie in der Business-Class im Flugzeug gibt es nun Touchpads. Anstatt in einer Fernbedienung sitzen die im Lenkrad. Die Bedienung ist einfach, linker Daumen für das linke Display – rechter Daumen für das rechte Display. Dann können die angezeigten Informationen verändert werden.

Überfordert die neue E-Klasse die Menschen?

In Genf habe ich Sajjad Khan (Vice President Digital Vehicle & Mobility bei Daimler) gefragt, ob wir mit der Technik und den Datenströmen, die auf den Fahrer so einfließen (vor allem während der eigentlichen Fahraufgabe) die Kunden (ggf. auch die Best Ager) nicht überfordern. Hier kommt seine Antwort:

„Nun, wenn wir unseren Job gut machen, werden wir jedem Kunden ein System anbieten, das einfach und sicher zu bedienen ist und nicht überfordert. Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben. Vor Ihrer Haustür steht die neue Mercedes E-Klasse und das Auto braucht Sprit. Sie steigen ein und das System sagt Ihnen, dass Sie tanken müssen. Also werden Ihnen auf der Karte die nächsten Tankstellen mitsamt den aktuellsten Preisen der unterschiedlichen Anbieter angezeigt. Wenn Sie einen Diesel fahren, dann die Dieselpreise, wenn Sie eine Verbrenner fahren, dann die Benzinpreise. Sie müssen nur darauf klicken und die neue E-Klasse weist Ihnen den Weg zur jeweiligen Tankstelle. Denkbar einfach, oder?

Wenn mein Vater zur Tankstelle muss, geht er erst umständlich auf die POI, dann auf Sonderziele, wählt Tankstellen, geht auf Suchen und vergeudet – neben der Übersichtlichkeit – wertvolle Zeit. Dazu hat er keine Preise, keine Angaben zu Anbietern und, und, und. Wird das Leben mit der neuen Technik also einfacher gemacht oder komplizierter? Ich glaube es wird einfacher: Sie bekommen also nicht nur Ortsbezogene Informationen, sondern auch Kontextbezogene Informationen. Das gibt es so in der Automobilbranche noch nicht.“ – hier geht es zum kompletten Interview.

Das mag zwar sein, dennoch sehe ich hier ein Generationen-Problem. Mein Vater wird mit der digitalen Welt in der neuen E-Klasse vermutlich nicht so einfach klar kommen, ob das stimmt und wie er sich wirklich anstellt, wird ein späterer Test noch zeigen.

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Ansonsten zeigt sich die E-Klasse für die Tech-Nerds natürlich voll auf der Höhe der Zeit: Türen öffnen per NFC Chip? Natürlich geht das, genauso wie das automatische Ein- und Ausparken per Smartphone-App. Das Smartphone könnt ihr auch per Induktion laden und auch ansonsten zeigt sich die E-Klasse technisch gesehen überlegen.

LED Multibeam-Licht für die perfekte Ausleuchtung bei Nacht ohne die anderen Verkehrsteilnehmer zu blenden, die Burmester 3D Anlage macht aus der E-Klasse einen fahrenden Konzertsaal mit insg. 1850 Watt Leistung. Wahnsinn!

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Jean Paul (1763-1825) sagte mal: „Nur Reisen ist Leben, wie umgekehrt das Leben Reisen ist“ – damit hat der deutsche Schriftsteller natürlich Recht und er konnte sich damals sicherlich nicht ausmalen, wie bequem wir heute mal reisen werden.

Mit der neuen Mercedes-Benz E-Klasse hat man quasi seine eigene Business-Klasse und ich lege sogar noch einen drauf. Die neue E-Klasse ist besser als jede First-Class der Welt, denn man sitzt nicht nur bequem, man ist auch der Pilot und entscheidet, wo es lang geht, welche Musik gespielt wird und wenn man nicht mehr möchte, dann übergibt man (temporär) an den Auto-Piloten.

Was kostet die neue E-Klasse?

Die Eintrittskarte in den erlauchten Kreis der E-Klasse Piloten kostet mindestens 45.303,30 Euro! Wer macht da eigentlich diese krummen Preise?

Unter uns? Man wird vermutlich noch mal 25.000 Euro drauf legen. Mindestens. Dafür ist man dann aber ein Early Adaptor!

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Was schreiben die anderen über die neue Mercedes-Benz E-Klasse?

Bjoern Habegger: „Die neue E-Klasse in der Gesamtbetrachtung? Die Benchmark im Segment! Aber weniger hat man ja auch nicht erwartet, oder?“

Ich denke nicht, dass wir da etwas anderes erwartet hätten. Hätte man mir ein Foto vom Interieur gezeugt, ich hätte nicht gewusst ob es nun ein Maybach oder eine S-Klasse wäre, auf die E-Klasse wäre ich nicht gekommen.

Mario-Roman Lambrecht: „Der Kofferraum musste 10 Liter einbüßen, bietet aber mit 530 Litern immer noch Platz in Hülle und Fülle.“

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Stimmt, der Kofferraum wird sogar noch etwas kleiner, wenn man sich für den Plugin-Hybriden entscheidet. Wer also mehr Platzbedarf hat, der sollte auf das neue E-Klasse T-Modell warten. Ansonsten haben in der neuen E-Klasse vier Personen bequem Platz. Vorne sitzt man in dem Fall in der First-Class, hinten in der Business, eine Eco-Klasse sucht man hier vergebens, das schlägt sich ja auch in den Preisen nieder.

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Fabian Meßner: „Die neue E-Klasse ist vielleicht nicht das beste Auto der Welt, doch es ist das seit dem W222 technologisch fortschrittlichste aus Stuttgart. High Tech bei den Fahrassistenten, die das Leben auf der Autobahn wirklich extrem angenehm gestalten, hin zu laufruhigen Motoren, die auch den Besuch an der Zapfsäule so lange wie möglich meiden wollen. Und dieses Soundsystem. Alleine dafür lohnt sich die neue E-Klasse. Wer viel Zeit im Auto verbringt, Musik liebt, aber nicht das nötige Kleingeld in der Tasche hat, darf sich dieses Auto einfach nicht ansehen. Ansonsten erledigt das Musikherz den Kauf von selbst.“

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Stimmt! Wer gerne Musik im Auto hört, der sollte sich bei der Probefahrt nicht das Burmester 3D System entgehen lassen. Problem: 6.000 Euro sind dann schon wieder mal weg, dafür könnte man viele Konzerte besuchen.

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