Was sind Rettungsdatenblätter?

Als ich mich letztens über den eCall informiert habe, der in zwei Jahren verpflichtend in allen Neuwagen eingebaut sein muss, bin ich über die so genannten Rettungsdatenblätter gestolpert. Von denen hatte ich noch nie gehört. Deswegen habe ich recherchiert. Was steckt also dahinter?

In unserer Reihe „Sicherheit im Automobilbau“ haben wir euch eine Menge über aktive und passive Sicherheitssysteme erzählt. Die Technik schreitet immer schneller voran und bringt viele Innovationen mit. Die führen sicherlich zu Optimierungen in der Fahrzeugsicherheit, aber auch zu einer immer komplexeren Karosserie.

Die sich stetig weiterentwickelnde Fahrzeugtechnik erschwert den Rettungskräften die Arbeit. Konnte man früher noch recht gefahrlos eingeklemmte Personen aus dem Auto schneiden, ist das heute nicht mehr „einfach so“ möglich. Verbaute technische Systeme, vor allem die pyrotechnischen Bauteile wie Gurtstraffer, Airbags o.ä. oder auch besondere Karosserieformen stellten die Einstzkräfte vor Probleme.

Da im Notfall jede Minute zählt und jeder Handgriff sitzen muss, wurden standardisierte Darstellungen mit detaillierten technischen Informationen eingeführt. Dabei handelt es sich um die so genannten Rettungsdatenblätter.

Rettungsdatenblatt: Seat Leon (Bj. bis 2013)

Wenn ihr euch nun also beispielhaft mal das Rettungsdatenblatt meines Autos anschaut, eines SEAT Leon Baujahr 2006-2013, wird ganz schnell klar, dass es gar keine gute Idee wäre, an der B-Säule anzusetzen, um Passagiere nach einem Unfall freizuschneiden. Da sitzt nämlich der Gasgenerator und das könnte gefährlich werden – sowohl für die Einsatzkräfte, als auch für die Fahrzeuginsassen.

Rettungsdatenblätter für jedes Fahrzeug

Rettungskräfte sehen sich bei ihrer eh schon anspruchsvollen Arbeit mit einer Fülle an Neuwagen konfrontiert, oft kommen dann noch Sonderlinien und -ausstattungen dazu. Bekanntlich lauert der Teufel im Detail und daher ist es sehr wichtig, dass es wirklich für jedes Fahrzeug ein Rettungsdatenblatt gibt.

Welche Fülle es da zu beherrschen gilt, zeigt sehr schnell ein weiteres Beispiel: Mercedes. Auf der Internetseite zum Thema Rettungsdatenblätter bei Mercedes-Benz ist erst einmal das entsprechende Automodell zu finden, bevor es dann zum Rettungsdatenblatt geht.

In Deutschland gibt es über 1.200 solcher Datenblätter und damit sind wir weltweit in einer Vorreiter-Position. Um diese Rettungsdatenblätter auch möglichst effektiv nutzen zu können, wurde 2013 eine Datenbank mit Unterstützung des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) ins Leben gerufen. Auf Basis einer Kennzeichenabfrage kann das in einen Unfall verwickelte Auto sehr einfach identifiziert und die optimale Vorgehensweise angewandt werden.

Besonders praktisch: Eintragungspflichtige Umbauten oder Nachrüstungen werden automatisiert erfasst und in der Datenbank hinterlegt. Der Autofahrer muss sich also um nichts kümmern.

Und was hat das jetzt mit dem eCall zu tun?

Viele der Datenblätter sind heute bereits mehrsprachig verfügbar, könnten also auch in anderen Ländern einen Einsatz finden. In der Datenbank wurde außerdem der eCall mitberücksichtigt und eine Schnittstelle eingebaut.

Europaweit könnte also die flächendeckende Bereitstellung von relevanten Informationen zur Unterstützung der Einsatzkräfte vor Ort nochmals ausgebaut werden.

Eine  weiterführende Zusammenstellung von Infos zu den Rettungsdatenblättern findet ihr beim Verband der Automobilindustrie (VDA).

 

Bildquelle:
Rettungsdatenblatt SEAT Leon – Internetpräsenz SEAT (www.seat.de)

 

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