Eine kurze Geschichte des Mammuts

Geschichten von prähistorischen Zottelelefanten im Auto-Blog – was hat der Mann geraucht?

Garantiert nichts!

Natürlich geht es hier nicht um ausgestorbene Großsäuger, sondern – Interessierte wissen es längst – um alte Technik.

Die Mammut ist ein Motorrad, das nie so heißen durfte! Für viele ältere unter uns DAS Traummotorrad ihrer Jugend oder Kindheit! Wer hat schon mal eine einfach so auf der Straße gesehen? Die wenigsten von uns! Und wenn, dann hättet ihr es nicht vergessen.

Münch Mammut

Die Mammut wurde gebaut von der Firma „Münch“, einem kleinen deutschen Hersteller extrem starker, individuell und aufwendig gebauter Motorräder, von denen zwischen 1967 und 1976 insgesamt (ungefähr) 476 Stück fertiggestellt wurden. Der Name wurde von „Klacks“, dem unvergessenen Motorjournalisten Ernst Leverkus, nach seiner ersten Testfahrt geprägt, einmal in der Welt, war er nicht mehr abzuschütteln!

Treiber der Firma war Friedel Münch, der als einer der begabtesten Konstrukteure in der Rennabteilung von Horex arbeitete.

Münch Horex, 1955, 500cm, 48 PS
Als Horex 1956 die Motorradproduktion einstellte, übernahm Friedel Münch aus der Konkursmasse große Bestände der Werkzeuge und Teile der Abteilung und begann mit der Entwicklung des deutschen „Übermotorrades“.

Die Daten

Ein NSU-Automotor mit zunächst 1.000, später 1.200 und 1.300 ccm aus dem Prinz/TT wurde leistungsgesteigert in einen soliden Rahmen gesetzt. Der Brocken bekam zur Gewichtsreduzierung sündhaft teure Vorderradnaben und Hinterräder aus Elektron-Guss verpasst, Getriebe und Kupplung waren Eigenkonstruktionen, auch die Verzögerung geschah durch von Friedel Münch selbst entwickelte Bremsen, charakteristisch auch die fast immer verbauten Doppelscheinwerfer, die ebenfalls vom Prinz 1000 TT entlehnt waren.

Münchs

Das Geschoss hatte anfangs 55 PS, im weiteren Verlauf dann zwischen gut 80 und über 100 PS, wog an die 300 kg und war wirklich ein Berg an Motorrad!

Münch: Der Kloben von oben

Trotzdem konnte man mit dem bärenstarken NSU-Motor erstaunliche Reisedurchschnitte erreichen!

Die Benennung war nicht ganz einheitlich: Münch 4, 1000 TT, 1200 TTS, 1300 TTS. Der Name „Mammut“ war durch ein anderes Unternehmen geschützt und durfte durch Friedel Münch nicht genutzt werden. Trotzdem, unter den Fans hieß das Motorrad immer einfach – und bis heute: Mammut.

Die Motorräder waren sündhaft teuer, eine BMW mit 50 PS gab es 1972 für 5.845 DM. Eine Münch kostete dagegen 12.745 DM, wobei ein BMW 520 mit 14.490 DM nicht viel teurer war!

Münch im MOTORRAD-KATALOG-1972/73, Motor Presseverlag, Stuttgart.

Der Käufer bekam dafür ein Einzelstück, jede Münch war anders, Sonderwünsche wurden durch Friedel Münch bereitwillig umgesetzt.

Aber wie so häufig:

Der Chef war genial als Tüftler, Konstrukteur, Problemlöser – kaufmännisch das Gegenteil. So schlitterte die Firma durch allerlei Beinahe-Bankrotte, Münch nahm immer wieder neue Finanziers (Floyd Clymer, gefolgt von George Bell, dann dem Verpackungsunternehmen Hassia) mit auf, die Lage blieb aber jedesmal prekär.

1970 wurde die mit frischem Geld der Hassia entwickelte Münch3, ein Dreizylinder-2Takter, auf dem Kölner Motorradsalon vorgestellt… Es blieb bei 2 Stück.

Münch3

 

1973 die nächste Neuerung: Mit der TTS-E kam von Münch das erste Serienmotorrad mit Benzin-Einspritzung (Kugelfischer) auf den Markt – das Ergebnis: 100 PS, über 200km/h Vmax. Tolle Werte, aber die aufkommenden japanischen Vierzylinder boten Käufern ähnliche Leistungswerte zu erheblich günstigeren Preisen.

Auch der Entwurf des damals omnipräsenten Luigi Colani aus dem Jahr 1972 ging nicht in Serie.

1974 übernahm der Unternehmer Michael Henke die Firma… die Stückzahlen schrumpften weiter.

1976 trennten sich die Wege. Friedl Münch baute Bausätze, mit denen der Hubraum der Münchs auf 1.800 ccm gesteigert werden konnte, und bis in die 90er Jahre für solvente Liebhaber immer wieder Einzelstücke, die dann natürlich nicht mehr als Münch verkauft werden konnten.

Münch im MOTORRAD-KATALOG 1980, Motor Presseverlag, Stuttgart

Die Münchs wurden von Henke in kleinen Stückzahlen weitergebaut. Da der NSU-Motor ein robuster Geselle ist, hielt er auch die öfter eingebaute Zwangsbelüftung durch den Einbau eines Turboladers sehr gut aus.

Münch Turbo: Im Vordergrund eine Münch mit 1981 eingebautem Lader, 145 PS!

2002 wurde ein neuer Anlauf unternommen: Die Münch Mammut 2000 sollte die alte überragende Rolle der Münch wieder aufgreifen – klappte nicht, insgesamt wurden 15 Stück hergestellt. Selbst der aufgerufene Preis von knapp 90.000€ reichte nicht zur Kostendeckung, machten die Geschosse aber unverkäuflich.

Die Mammut hat bis heute einen legendären Ruf, die großen Maschinen sind überall, wo sie auftauchen, sofort bestaunt und umlagert. Friedel Münch starb im Jahr 2014, seine Motorräder werden noch viele Jahre gesuchte und bewunderte Stücke bleiben.

Schaut es Euch selbst an: Das Mammut ist ein echtes Ereignis!

P.S:
Die Sammlung des früheren Münch-Museums in Laubach ist heute im Technik-Museum Speyer zu bestaunen – sehenswert!

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