Opel Classic – ein Besuch in den heiligen Hallen Rüsselheims

Heute berichten wir von einem Besuch bei Opel, dort haben wir uns mit Uwe Mertin, dem Chef von Opel Classic getroffen.

Er erklärte uns das schöne Konzept, mit dem Opel seine Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet.

Opel hat kein öffentlich zugängliches Werksmuseum, das wurde immer mal wieder angedacht, aber man entschied sich bescheiden für die sogenannte „Oldtimerwerkstatt“.

Diese befindet sich auf dem gesicherten Werksgelände in Rüsselsheim in einer unauffälligen Halle, erkennbar eigentlich nur an einem ebenso unauffälligen Schild…. Wir kamen an dem Gebäude an und euer Berichterstatter war sofort komplett elektrisiert – und war damit nicht der Einzige, es bildete sich schnell eine Menschentraube! Warum? Es lag nicht am Gebäude, sondern schaut Euch das Foto an:

Opel Classic: Motoclubs

Auf dem Parkplatz standen fest verzurrt auf einem Laster 3 Opel Motoclub-Motorräder aus den 20er Jahren, darunter die Maschine mit dem (nicht funktionsfähigen) Nachbau des Raketenantriebs. Die Motoclubs waren (und sind noch heute) echte Hingucker und solide Motorräder, die Raketenversion wurde jedoch wohl nie „zum dramatischen Vortrieb“ genutzt, sondern blieb ein Ausstellungsstück! Über diese Exoten und ihren noch exotischeren Schöpfer wollte ich sowieso noch einen Artikel schreiben… Gebt mir etwas Zeit, ist fest eingeplant!

Nach einer angemessenen Bewunderung der alten Kräder traten wir durch eine unscheinbare Tür ein. Die wahre Größe der Halle zeigte sich erst langsam. Zunächst links ein Hinweis auf die frühere Geschichte von Opel: Wie viele andere KFZ-Hersteller war man zuvor in Sachen Nähmaschinen und Fahrrad unterwegs, und hier sind einige Exemplare des vormals größten Fahrradherstellers der Welt zu bewundern. Ob Hochrad, Kardanantrieb oder Fünfsitzer-Tandem (für die fünf sportlichen Opel-Brüder), hier gab es den Überblick!

Opel Classic: Fünfsitzer-Tandem

Gegenüber stehen Motorräder: Zwischen 1901 und 1931 baute Opel Motorräder, zunächst eigene Konstruktionen, in den späten 20er Jahren dann die oben erwähnten Motoclub in den übernommenen Elite-Diamant-Werken im sächsischen Brand-Erbisdorf. Eine kleine Reihe Motorräder zeigt die unterschiedlichen Typen.

Opel Classic: Motorräder

Nun, heute verbinden fast alle Opel nur mit Autos und das ist tatsächlich auch der Schwerpunkt der Oldtimerwerkstatt.

Auf die frühen Lutzmann-Opels und Darraq-Opels, die ihren Namen nach den Lizenzgebern trugen, folgten die herrschaftlichen Gefährte und Opel 4/8PS der 0er und 10er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Opel Classic: Patentmotorwagen-Lutzmann Baujahr 1899

Der Opel 4/8 PS war deutschlandweit bekannt als der „Doktorwagen“– relativ erschwinglich und sehr zuverlässig diente er zahlreichen Ärzten, die damit auch in stürmischen Nächten in den früher unbeleuchteten Dörfern sicher zu ihren Patienten gelangen konnten – kleines Gimmick: Wenn sie dort ankamen, konnten sie einen der Schweinwerfer einfach mitnehmen, um auch die letzten Meter sicher bewältigen zu können.

Opel Classic: Doktorwagen mit Herr Mertin

In diese Ära gehörten auch die beiden großartigen Rennboliden, bei denen eine schnelle Fahrweise auch heute auf unseren unvergleichlich besseren Straßen eine Menge Mut fordert, beeindruckend. Eine gewaltige Mechanik, ein Produkt der „Schwerindustrie“.

Opel Classic: Grand-Prix-Rennwagen Baujahr 1913

Früh stieg man in die Großserienfertigung ein: Opel war nach Citroen der zweite europäische Autohersteller, der in den 20er Jahren eine konsequente Fließbandfertigung aufzog. Der immer grün lackierte Opel 4 PS kam mit dem Spitznamen „Laubfrosch“ in aberwitzigen Stückzahlen auf den Markt! Tolles Auto, bis auf die letzte Schraube ein Nachbau des (fast immer gelben) Citroen C… Daher auch der Spruch: „Dasselbe in grün!“

Opel Classic: Laubfrosch

Zu sehen waren dann die echten Volkswagen der 30er Jahre: Opel 1,2 Liter, der P4 und der Beginn der Kadett-Reihe. Daneben standen die feinen, hervorragend gebauten und teilweise auch bei Karossiers mit hocheleganten Aufbauten versehenen „großen Opels“, am bekanntesten natürlich die Modelle der Kapitän/Admiral/Diplomat (KAD) Serien, die bis in die 70er Jahre stets weiterentwickelt wurden. Anschauen und genießen:

Opel Classic: P4

Opel Classic: Gläser-Cabriolet 1937, 2,5 Liter Sechszylinder

Opel Classic: Diplomat V8 Coupe Baujahr 1967

Weiter ging es auch bei den kleinen und Mittelklassewagen der Nachkriegszeit: „Opel, der zuverlässige“ – meinen diversen Kadetts trauere ich heute noch nach. Dort konnte ich auch ein paar der treuen Arbeitstiere mal wieder sehen, die mir in meiner Studentenzeit mit ihrem driftfreudigen Heck bis zum C-Kadett vor allem auch in Kurven einen Heidenspaß machten.

Opel Classic: Kadett Kombi

Opel Manta und GT, Senator und Monza, Calibra, Ascona und Signum – mit diesen Namen assoziieren dann immer mehr von uns Erlebnisse aus der Vergangenheit.

Opel Classic: Opel GT

Opel Classic: Innenraum eines Opel Senators - schön bunt

Auch die Renngeschichte der letzten Jahrzehnte ist Teil der Ausstellung: DTM, Formel3 und Rallyewagen.

Opel Classic: Rennwagen

Und was hat es mit dem Name Oldtimerwerkstatt auf sich? Es ist keine Ausstellungshalle, sondern ein Ort, wo ständig vier Mechaniker an der Pflege und Wiederherstellung der Wagen arbeiten, alles offen, einsehbar und zur Marke passend – nahbar.

Opel Classic: Blick in die Oldtimer-Werkstatt

Ein großer Teil der Halle ist als Teil des Rüsselsheimer Werks jederzeit von den Werksangehörigen begehbar, auch während unsers Besuches kamen einige Opelaner vorbei, sehr familiär… Und manchmal fährt dann eben auch noch ein alter Wagen polternd, grollend oder säuselnd durch die große Halle.

Eine tolle Einrichtung, in der Opel seine Vergangenheit pflegt, und sicher einen Besuch wert! Der Zugang zur Oldtimerwerkstatt ist Teil der Werksführung bei Opel in Rüsselsheim – eine solche Tour ist sicher empfehlenswert, wir werden hoffentlich bald auch davon berichten können!

In den nächsten Wochen werden wir Euch mehr von Opel berichten, uns wurden auch sicher verborgene Schätze gezeigt!

P.S.
Herzlichen Dank an Herrn Mertin für die interessante Führung!

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