Autonomes Fahren (LKW)

Autonomes Fahren, selbstlenkende Fahrsysteme, unterstützes Fahren…
All diese neuen Begriffe durchdringen momentan den Äther des Autojournalismus.

Eines dieser Themen beschäftigt sich mit Forschungen und bereits funktionierenden Systemen, mehrere LKW-Sattelzüge in Kolonne fahren zu lassen und dabei nur einen einzigen Fahrer im ersten der Fahrzeuge an Board zu haben. Die Entwicklungen sind soweit gediehen, dass bereits Versuchsfahrten mit bis zu drei LKW-Sattelzügen durchgeführt werden.

Das Ganze mutet zunächst etwas gespenstisch an: Es fahren also drei LKW-Sattelzüge hintereinander mit einem Abstand von 15 Metern zum Vorfahrzeug. Dieser Abstand soll suksessive auf 5 Meter verkürzt werden, um in der Kolonne Sprit sparen zu können und jeden weiteren LKW im Windschatten des Vordermanns zu ziehen.

Die aktuelle Teststellung besteht aus drei Fahrzeugen mit einer Länge von 75 Metern. Eine solche Kolonne kann natürlich auch aus vielen Sattelzügen bestehen und leicht mehrere hundert Meter lang werden.

Wie soll das in der Praxis funktionieren?

Was denkt sich der Normalsterbliche beim Anblick eines solchen Zuges auf der Autobahn? „Scheibenkleister, wie komme ich da nur vorbei… Und wie zur Hölle soll ich meine Ausfahrt kriegen?“

Nun, genau für die Lösung dieses Problems ist die Software der Fahrzeug programmiert. Sie erkennt, wenn ein Fahrzeug in die Kolonne einscheren möchte – und macht entsprechend Platz. Dabei kommt es nicht etwa zu einer Art Kettenreaktion, wie bei normalen Kolonnen.
Normalerweise gibt es bei solchen Aktionen immer das Problem der Reaktionsgeschwindigkeit des nachfolgenden Fahrzeugs: Der erste LKW bremst, der zweite ebenso, nur etwas verzögert, der dritte noch verzögerter usw. So kommt es über eine normale Kolonne hinweg zu einem Abbremsen und langsamer werden. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu Auffahrunfällen wegen Unachtsamkeit kommen.

Dies kann in einer solchen neuartigen autonomen Kolonne nicht passieren. Sobald irgendein LKW der Kolonne das Einscheren eines Fahrzeugs bemerkt (z.B. durch das Erkennen des Blinkers), bremsen die dahinterfahrenden Fahrzeuge der Kolonne sofort mit. Eine Zeitverzögerung entsteht nicht – die Lücke öffnet sich sofort und ein Einscheren ist möglich.

Das gleiche gilt für plötzliches Bremsen aufgrund einer Notsituation. Sobald der erste LKW ein Bremsmanöver ausführt, bremst der letzte LKW der Kolonne ebenfalls, so wie seine vor ihm fahrenden Klone.

LKW_auf_Autobahn

LKW in normaler Kolonne. Abstand gem. gesetzlichen Vorschriften.

Mehr Sicherheit durch die neueste Technologie

Natürlich sind alle Fahrzeuge mit dem neuesten Stand der Technik vollgepackt und miteinander vernetzt. Abstandswarner, Radar, Verkehrsschildererkennung, Spurhalteassistenten usw. sind eingebaut.

Die bisherigen Versuchsfahrten waren allesamt komplett reibungslos verlaufen. Allerdings saßen in den nachfolgenden Fahrzeugen immer Testfahrer an Board, ohne jedoch selbst einzugreifen.

Natürlich wird es möglich sein, Kolonnen zu verknüpfen. Stellen wir uns vor, eine Kolonne ist unterwegs von Frankfurt nach Hamburg. Eine zweite Kolonne möchte von Erfurt nach Paderborn. Die Kolonne trifft nach dem Kirchheimer Dreieck aufeinander und einer der beiden Fahrer möchte selber fahren. Die zweite Kolonne fährt also auf Reichweite der technsichen Systeme an den letzen LKW der ersten Kolonne. Nun koppeln sich die Systeme beider Kolonnen und die zweite Kolonne wird einfach als mitfahrendes autonomes System integriert. An der Abfahrt Kassel-Süd trennen sich die beiden Kolonnen wieder, in dem der zweite Fahrer nun händisch in das System eingreift und den Abkoplungsvorgang initiiert.

Wo liegen die Probleme?

Das reine Fahren auf Autobahnen in einer solchen Kolonne stellt kein technisches Problem mehr dar. Anders sieht es aber mit solch einfachen Dingen wie Tanken und Rasten aus. Wie verhält sich eine autonome Kolonne, wenn das führende Fahrzeug in eine Tank- und Rastanlage einfährt? Diese Tests sind noch lange nicht beendet und berichtet wurde über Lösungsansätze hier bisher nicht viel.

Mein Ansatz wäre hierbei folgender: Der führende LKW mit dem Fahrer fährt ab. Die Kolonne folgt brav. Der Anführer fährt nun so lange in die Anlage hinein, bis der letzte LKW ebenfalls eingefahren ist. Nun müsste der Fahrer jeden einzelnen LKW in Parkbuchten parken – oder betanken usw.
Evtl. gibt es auch andere Ansätze. Spannend ist und bleibt das Thema allemal.

Es sind jedoch noch einige technische und rechtliche Hürden zu nehmen. Aber sicherer würde ich mich schon fühlen, wenn ich als normaler Bürger entsprechend aufgeklärt wäre.

Trotzdem muss ich unumwunden sagen, Waren gehören auf die Schiene! Und nicht in LKW-Kolonnen. Das ist nur meine persönliche Meinung.

 

Zusatzartikel: http://www.zeit.de/mobilitaet/2016-04/logistik-lkw-vernetzung-digitalisierung

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