The Three P‘s

Amerikanische Luxusautos: Was fällt euch dazu ein? Natürlich Cadillac! Vielleicht auch Lincoln, die Konkurrenz aus dem Ford-Konzern… Aktuell dazu Tesla! Vorkriegskennern dazu noch Cord oder Auburn und wahrscheinlich Duesenberg!

Alles große Namen der Automobilgeschichte: Aber es gab eine Zeit davor, die Zeit der Three P‘s, genutzt in amerikanischen Redewendungen wie „Die drei P des Luxus“ oder „Die drei P des Motorenreiches“. Die Freunde bester Vorkriegsware wissen von wem die Rede ist, den anderen erzählen wir hier etwas davon, vielleicht springt die Faszination über?

In den ersten 30 Jahren des 20. Jahrhunderts gab es in den USA einige hundert Automarken, die zum größten Teil sang- und klanglos wieder untergingen (war oft wohl besser so), viele wurden von den sich bildenden großen Konzernen übernommen und kurze oder längere Zeit als Marke weitergeführt, die jeweils eine spezielle Klientel ansprechen sollte.

Beliebte Autos wie Ford, Willys, Chevrolet und Plymouth dominierten die Einstiegsklasse. Der Aufstieg in die Mittelklasse gelang mit Buick, Studebaker, De Soto, Nash, Oldsmobile und Hudson.

Zu den Luxusmarken gehörten insbesondere Franklin, Marmon, Reo Royale und Stutz, natürlich auch schon damals Cadillac und Lincoln.

Alles tolle Marken mit grandiosen Wagen, den besten Ruf hatten jedoch die „Three P’s of luxury“, darf ich vorstellen:

Pierce-Arrow – Peerless – Packard    

Schon mal gehört? Sie gehörten zu den begehrtesten Autos ihrer Zeit. Und hier kommen sie zu euch:

Pierce-Arrow

Pierce-Arrow aus Buffalo, NY, begann mit dem Bau von Vogelkäfigen und Kühlschränken, startete dann auch mit Fahrrädern und 1900 mit einem Auto mit dem Einzylinder-De Dion-Motor unter der Marke Pierce-Stanhope.

Ab 1904 wurden große, edle Wagen als „Great Arrow“ verkauft, ab 1907 wurden Sechszylinder angeboten, Pierce-Arrows.

Pierce-Automobile wurden gebaut, um höchste Ansprüche an Qualität und Leistung zu befriedigen. Die damals berühmten „Glidden Tours“, Langstreckenrennen auf meist unbefestigten Feldwegen über Strecken zwischen 1.100 und 2.600 Meilen, wurden zwischen 1905 und 1909 immer von Pierce-Arrow gewonnen, alle Fahrzeuge kamen mit den bestmöglichen Ergebnissen an.

Pierce war hier unschlagbar. Sie waren 1908 auch die ersten Wagen, die das „Weißen Haus“ anschaffte, absolute Statussymbole der folgenden Jahrzehnte, auch im „The Great Gatsby“ wurde der Pierce-Arrow als Symbol der Upper class verewigt.

Parallel baute ein Sohn der Pierce-Familie von 1909 bis 1914 auch das erste 4-Zylindermotorrad, die Pierce Four.

Typisch für die Pierce-Arrow waren aus den Kotflügeln herauswachsende Scheinwerfer.

Pierce-Arrow: Pierce-Four 1929 (Von Janderk1968 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7650955)

Sehr häufig waren die Wagen in der Werbung eher im Hintergrund… distinguierte Menschen mit entsprechenden Accessoires zeigten, wie selbstverständlich es ist, das Auto der Upperclass trotzdem immer verfügbar zu haben. Dezent und doch wirksam.

Nach der Übernahme durch Studebaker im Jahr 1928 wurden ab 1929 Achtzylinder verbaut, 1932 kam ein V12 auf den Markt, aber die Marke ging in den 30ern trotz der wunderbaren „Silver-Arrows“ langsam ein.

Pierce-Arrow: Silver Arrow 1933 (By James Emery [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons)

1937 wurden noch 8 Pierce-Arrows gebaut, dann sah man ein, dass man am Markt vorbeiproduzierte, dieses „P“ verschwand vom Markt.

Peerless

Peerless aus Cleveland, Ohio, startete als Hersteller von Maschinen zum Auswringen von Stoffen, wurde dann Fahrradhersteller und übernahm 1900 eine Lizenz des französischen Einzylinder-De Dion, damals high-end-Technik! Nach einer kurzen Zweizylinder-Phase schwang sich Peerless im Jahr 1904 zu einer Reihe Vierzylinder-Autos auf, die den besonderen Ruf von Peerless begründeten:

Peerless, auf Deutsch übersetzt: „Ohnegleichen“, baute in der Folge wohl einfach zu gute Wagen, sie sollten oft mehr als 10 Jahre halten und sechsstellige Meilen-Laufleistungen erreichen… damals war das ein beeindruckender Qualitätsbeweis, und so wurde man eine der Ikonen des Autobaus.

Der Werbeslogan lautete ganz trocken:  „All that the name implies“ – mehr blieb nicht dazu zu sagen.

Werbeslogans Peerless (Von Internet Archive Book Images - https://www.flickr.com/photos/internetarchivebookimages/14765797055/Source book page: https://archive.org/stream/americanhomesgar41907newy/americanhomesgar41907newy#page/n719/mode/1up, No restrictions, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=44044490)

Aber er war vielleicht zu gut: Wer einen hatte, brauchte keinen zweiten, und der erste ging ja nicht kaputt! Ab 1916 gab es Achtzylinder, Anfang der 30er wagte man sich an den 16-Zylinder, der aber nicht über drei Prototypen herauskam und verworfen wurde. Sorry, dass ich ihn Euch hier unterschlagen hatte…

Die „normalen“ Peerless waren sicher groß und prächtig genug….

Peerless von 1929

Die Peerless waren nicht nur kaum kaputtzukriegen, sie waren auch stockkonservativ designt – in den extrovertierten „Roaring Twenties“ verabschiedete man sich damit von der Mode und die Marktanteile gingen ständig zurück.

So stellte dieses „P“ im Jahr 1931 als Ergebnis der großen Depression schließlich den Bau der Luxuswagen ein und beschäftigte sich weiter mit Brautechnik. Auch interessant, sehr einträglich, die Produkte sind aber eher flüchtig…

Packard

Packard, das dritte „P“ im Bunde, war ähnlich selbstbewusst: Die Werbung lautete ganz trocken: „Ask the man who owns one“.

In Detroit starteten – ebenfalls um die Jahrhundertwende – zwei Brüder aus einer Industriellenfamilie nach schlechten Erfahrungen mit gekauften Fahrzeugen eine eigene PKW-Produktion. Das Modell B wurde mit seinem Einzylinder-Motor ein Verkaufsrenner (einer der ersten Kunde war ein gewisser Herr Rockefeller).

Schnell folgte ein Zweizylinder, 1903 der Typ K mit Vierzylindermaschine, der erste Luxuswagen. 1912 wurde mit den neuen Sechszylinderwagen vom „Typ L “die Rolle als Luxuswagenhersteller gefestigt, 1915 mit dem ersten V12-Wagen der Autogeschichte zementiert, man hatte die „Three P‘s zusammen.

Typische Form des Packard-Kühlers, Packard Runabout von 1914

In der Folge wurden die Packards ebenso wie Peerless und Pierce-Arrow immer eleganter und souveräner – und man war in den USA – von den „Twin Six“ wurden innerhalb von weniger als 8 Jahren über 30.000 Stück gebaut…. Unvorstellbare Zahlen für das rückständige Europa!

1921 war Warren G. Harding der erste amerikanische Präsident, der in einem Automobil zu seiner Amtseinführung fuhr – und es war ein Packard Twin Six!

Während Pierce-Arrow und Peerless im Wesentlichen in den USA verkauft wurden, waren Packards weltweit hochgeschätzt – Kunden waren z.B.  Zar Nikolaus II., Franklin D. Roosevelt, die Könige von Norwegen, Jugoslawien und Belgien – letzterer verunglückte am Vierwaldstättersee damit derart, dass seine Ehefrau und Passagierin Königin Astrid verstarb.

Packard „Six“ und „Eight“ wurden in den 20er Jahren der Inbegriff der Oberklasse der USA, die Hälfte aller Luxuswagen weltweit soll damals von Packard gekommen sein.

In den 20er, 30er Jahren gab es in schnellen Entwicklungsschritten viele prächtige ausgereifte Edelkarossen: Die individuell gefertigten Rolls-Royce, Bentley, Isotta-Fraschini, Bugatti, Hispano-Suiza, Maybach oder die großen Mercedes mochten elitärer oder spannender gewesen sein, als Gesamtpaket besser jedoch die Packards.

Packard Light Eight 1932

Nach dem zweiten Weltkrieg ging es weiter, der Ruhm verblasste jedoch, allmählich galt man als altbacken. Mitte der 50er Jahre kam nach verschiedenen Fusionen mit Studebaker und anderen Herstellern das Aus, auch der Versuch, in der Mittelklasse zu punkten, schlug fehl.

Packard Clipper 1947 (Von Charles01 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20694245)

Somit verschwand auch das letzte verbliebene „P“.

Sie kamen aus einer Zeit, in der jedes dieser Gefährte für jeden Normal- oder auch Gutverdiener absolut unerschwinglich waren… Und so ist es heute noch.

Haltet Ausschau nach ihnen! Und wann auch immer ihr einen Pierce-Arrow, Peerless oder Packard seht, dann erfreut euch an der überragenden Qualität.

P.S.
Die Three Pees sind Geschichte – und vielleicht auch eine Mahnung an die deutsche Dreiheit, die sich derzeit den Premiumhimmel teilt.

Bildquelle:
Pierce-Arrow: Pierce-Four 1929:  Wikimedia – Janderk1968
Pierce-Arrow: Silver Arrow 1933: Wikimedia – James Emery
Werbeslogan Peerless: Wikimedia
Peerless 1929: Wikimedia
Packard-Kühler (Packard Runabout von 1914): Wikimedia
Packard Clipper 1947: Wikimedia – Charles01

Tags:

Das könnte Sie auch interessieren: