Lösung für Luftverschmutzung – Autos raus?

Paris‘ Ankündigung nur noch relativ jungen Autos zukünftig Eintritt in die Metropole gewähren zu wollen, ist die aktuellste Nachricht im Kontext der Luftverschmutzung. Viele Länder und deren Großstädte sehen sich regelmäßig Smogalarmen ausgesetzt. Wie schaut die Lösung aus?

Feinstaub – Was so harmlos klingt, ist sehr gefährlich! Eine Studie hat letztes Jahr herausgefunden, dass die durch Abgase verursachte Luftverschmutzung jährlich mehr Tote fordert als Autounfälle…  und zwar rund 10 Mal so viele!

Natürlich ist bekannt, dass Autos nur einer der Feinstaubverursacher sind. Schlechte, alte Heizungen, romantische Kaminfeuer, alte Kohlekraftwerke ohne Filteranlagen, beheizt mit schlechter Braunkohle, manchmal mit Torf etc. leisten oft den größeren Beitrag zur Problemstellung – die kann man nur schlechter abstellen.

Und natürlich darf das auch kein Grund sein, sich auszuruhen und mit dem Finger auf die anderen zu zeigen!

In einer Gesellschaft, in der oftmals Autos noch als Statussymbol gelten – und da gilt immer noch „The bigger the better!“ oder kann mir jemand die Sinnhaftigkeit von SUVs erklären?! – und bisher nur wenige Lösungen für nachhaltige Industrie und Entwicklung gefunden wurde, atmen wir regelmäßig die gesundheitsschädlichen Kleinstpartikel ein.

Nun haben wir in Deutschland noch Glück, können wir doch stets die eigene Hand vor Augen sehen. In asiatischen Ländern ist das tatsächlich aber manchmal kaum möglich. Ich erinnere mich noch an den im Smog versinkenden Eiffelturm… zum Glück eine Ausnahme, aber gar nicht so weit weg.

Aber was wird unternommen, um die Luftverschmutzung zu reduzieren?

Paris hat nun einen recht radikalen Weg eingeschlagen. Die Seine-Metropole ist nicht gerade bekannt für die Luft verpestende Schwerindustrie, hat aber immer wieder mit enormen Luftverschmutzungen zu kämpfen. Daher verbannt man zukünftig die Autos aus der Stadt – also zumindest die alten, vermeintlich dreckigen.

Ab 1. Juli dürfen Autos, die vor 1997 und Motorräder, die vor 2000 zugelassen wurden, nicht mehr in die City fahren. Ab 2020 wird die Regelung nochmals verschärft: Dann dürfen pauschal nur noch Auto in die Stadt, die nicht älter als zehn Jahre sind. Young- und Oldtimer ade!

Führt das zu besserer Luft und / oder zu einem Zwei-Klassen-System?

In Deutschland gibt es die Umweltzonen, aktuell erhitzt sogar die Idee einer neuen, noch schärferen blauen Umweltplakette die Gemüter: Müssen bald alle Dieselfahrzeuge draußen bleiben und droht das „Innenstadt-Verbot für 13 Millionen Autos?“ wie die BILD-Zeitung gewohnt zurückhaltend titelte?

In der Autobauerstadt Stuttgart hieß es in diesem Jahr schon öfters Feinstaubalarm! Der Appell, das Auto stehen zu lassen und auf den ÖPNV umzusteigen, bewirkte allerdings nur wenig.

Brauchen wir da auch klarere Pflichten / Zwänge?

Wien und Graz kämpfen ebenfalls schon lange gegen den Smog. Dort setzt man seit Sommer 2014 auf ein Verbot für ältere Lkw.

In London gibt es bereits seit 2003 die Congestion Charge, übersetzt Staugebühr. Sie ist quasi eine Citymaut; jeder, der in die City of London fahren möchte, muss 10 Pfund pro Tag bezahlen.  Lag der Fokus anfangs auf einer Verringerung des Verkehrsaufkommens, war die Reduzierung der Luftverschmutzung ein willkommener Nebeneffekt.

Skandinavien ist in vielen Belangen Vorreiter, auch beim Umweltschutz, vor allem Norwegen sticht heraus. Aktuell geht schon jeder dritte der in Europa verkauften Stromer nach Norwegen, jedes vierte dort zugelassene Fahrzeug ist ein Elektroauto. Und die Zahl soll rasant wachsen, wenn es nach den norwegischen Verkehrsbehörden geht. Denn die streben eine 100-prozentige Elektrifizierung des gesamten Verkehrswesen, also eine klimaneutrale Mobilität bis 2025 an.

Für alle, die in dem Kontext interessiert sind, empfehle ich die interaktive Weltkarte, die die Yale University entwickelt hat. Sie ermöglicht einen Städtevergleich auf Basis von Feinstaubkonzentrationen.

Luftverschmutzung in Asien: Junge trägt Mundschutz

Die rasant wachsenden Großstädte in der ganzen Welt können beispielhaft für einige chinesische Großstädte in Peking sehen, was sie erwartet – während der Olympiade herrschten Fahrverbote. Dort werden verschiedenste Fahrverbotsanstrengungen unternommen, damit man aus dem „Nebel“ kommt. In vielen Städten sind nur noch E-Roller statt Verbrennerfahrzeugen zulässig, hohe Mautzahlungen sollen auch relativ solvente KFZ-Nutzer vom PKW-Gebrauch abhalten etc.

Abschließend noch ein bedenkenswertes Zitat:

A developed country is not a place where the poor have cars. It’s where the rich use public transportation.

Enrique Peñalosa, ehemaliger Bürgermeister von Bogotá/Kolumbien 2012

Aber zurück zur Ausgangsfrage: Was passiert, um die Luftverschmutzung zu reduzieren? Was haltet ihr von den unterschiedlichen Vorstößen? Seid ihr selbst vielleicht auch aktiv?

Fotoquelle:
Luftverschmutzung in New York – Jupiterimages/PHOTOS.com>>/Thinkstock
Asiatischer Junge – Hung_Chung_Chih/iStock/Thinkstock

Tags:

Das könnte Sie auch interessieren: