2016 Porsche 718 Boxster Fahrbericht | Test | Meinung

Während der EM 2016 legen wir den Fokus im Drive-Blog ja auf die sportlichen Vertreter. Denkt man an sportliche Autos, dann denkt man auch sofort an eine deutsche Marke, die inzwischen übrigens mehr SUVs verkauft als reine Sportwagen: Porsche!

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Passend zur EM nehmen wir uns den Stürmer mal vor, den Youngster, den Porsche 718 Boxster!

Porsche! Traum meiner Jugend! Ich wollte immer einen Elfer haben, einen schönen 911er – nach der Probefahrt mit dem Porsche Cayman im letzten Jahr hab ich das schon in Frage gestellt und nun ging es mit dem aktuellen Porsche Boxster auf die Piste.

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Neue Nase, neues Infotainmentsystem, größerer Touchscreen und eine neue Abrisskante am Heck. Das ist das Facelift vom Porsche Boxster! Lassen wir die leichten optischen Veränderungen einfach mal weg, auf den ersten Blick erkennt die sowieso nur der Porsche-Fachmann. Ein ganz anderes Thema dominiert dieses Facelift: Motorenwechsel!

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Wie der Bundestrainer bei der EM 2016 wurden hier auch die Stürmer ausgewechselt; die alten erfahrenen Spieler wurden durch frische ersetzt, die aber durchaus an die eigene Vergangenheit erinnern. In Mittellage montiert, gibt es hier die 4-Zylinder Boxer-Benziner mit Turboaufladung. Ich war wirklich gespannt, wie sich a) der neue Porsche 718 Boxster fahren lässt und b) wie ich mit dem neuen Motor zurecht komme.

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Was soll ich sagen? Es gibt zwei Dinge an diesem Meisterwerk der Ingenieurskunst, die ich zu kritisieren habe:

Auf der einen Seite ist es der Klang, der neue Porsche Boxster, der übrigens die Zahlen 718 vorangestellt bekommen hat, nun also Porsche 718 Boxster heißt, klingt im Leerlauf wie ein 4-Zylinder Boxer von früher und bei Voll-Last irgendwie auch nicht nach „typisch Porsche“, eher nach Subaru Impreza. Aber wie bei der Optik ist der Klang ja Geschmacksacke…

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Der zweite Kritikpunkt ist der Preis. Denn auch wenn es ab 53.646 Euro los geht, wird sich kaum ein Porsche-Käufer den offenen 718 für den Preis konfigurieren. Nach ein paar Klicks im Optionalitäten-Kabinett bin ich schneller über 100.000 Euro gewesen, als der Porsche Boxster (egal ob als S oder nicht) von 0 auf 100 km/h beschleunigt.

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Das war es aber auch schon mit der Kritik, bevor ich nun gleich mit der Lobeshymne anfange, noch schnell für die technisch Interessierten ein paar Motor-Daten und die typischen Autoquartett-Werte:

Unter die Motorhaube vom Porsche 718 Boxster kommen zwei Motoren. Zum einen hätten wir da den 2,0 Liter 4-Zylinder Boxter-Motor mit einer Leistung von 300 PS und einem maximalen Drehmoment von 380 Nm. Von 0 auf 100 km/h benötigt dieser 2-Sitzer 4,7 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei Tempo 275 km/h.

Es muss etwas mehr sein? Dann muss man sich für den Porsche 718 Boxster S entscheiden, dort gibt es dann einen größeren 4-Zylinder-Boxer, denn das S-Modell verfügt über 2,5 Liter Hubraum. Dieses Aggregat ist gut für 350 Pferde und ein maximales Drehmoment von 420 Nm – welches im Bereich zwischen 1.900 und 4.500 U/min an der Kurbelwelle anliegt. Von 0 auf 100 km/h geht es dann innerhalb von 4 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei Tempo 285.

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Der Spaß kostet dann mindestens 66.141 Euro und auch den Wert wird man sehr schnell auf über 100.000 Euro bringen. Unter uns? Ich bin „nur“ den kleinen gefahren und mir würde das Geschoss vollkommen ausreichen.

Was bekommt man, wenn man sich einen Porsche Boxster kauft? Die perfekt ausbalancierte Fahrmaschine! Die Fahrleistungen sind wirklich beeindruckend. Die Kraftentfaltung ist einfach genial und erzeugt bei mir ein temporäres Gesichtslifting während der Beschleunigungsorgie.

Bereits nach den ersten Kilometern war klar: Das Fahrwerk ist sportlich abgestimmt, die Lenkung sehr direkt und die Bremsanlage passend dimensionert. Lenkung und Bremsanlage lassen sich sehr fein und sauber dosieren und dank den breiten Reifen auf der Hinterachse und den verbesserten Komponenten im Vergleich zum Vorgänger, kann man hier wahrlich von einem Fahrzeug sprechen, wo anscheinend das Thema „Fahrspaß“ definitiv im Lastenheft manifestiert wurde.

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Neu im Cayman / Boxster: Das Sport Chrono-Paket ist jetzt über den Programmschalter am Lenkrad einstellbar, das erinnert an die anderen Sportwagen aus Zuffenhausen.

Der neue Porsche Boxster, Verzeihung der Porsche 718 Boxster, ist schneller geworden als sein Vorgänger, dabei laut NEFZ auch sparsamer und das passt natürlich ins aktuelle Zeitbild.

Der Porsche 718 Boxster soll sich mit 6,9 Liter auf 100 km begnügen, beim Porsche 718 Boxster S sind es mindestens 7,3 Liter und wenn ich euch nun verrate, dass man den Wert auch gut und gerne in die Höhe schrauben kann, so wie den Basispreis vom Porsche 718 Boxster, dann werdet ihr vermutlich zustimmend nicken, denn der Fahrspaß hängt bei diesem Geschoss sicherlich auch am Gasfuß.

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Auf einer Teststrecke von knapp 450 km konnte ich den Durchschnittsverbrauch auf 8,3 Liter bringen, ein durchaus guter Wert. Wenn man es fliegen lässt, dann stehen auch gerne mal 13 Liter Verbrauch im Bordcomputer – aber selbst der Wert geht in Ordnung – denn dann hatte man definitiv viel Fahrspaß.

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Der Porsche 718 Boxster zeigt sich, vor allem wenn man beachtet, dass es nur ein 2-Sitzer ist, sogar eingeschränkt alltagstauglich. Da der Motor ja in Mittellage eingebaut ist, gibt es über der Vorderachse Platz für einen 150 Liter großen Stauraum. Hinten gibt es dann noch mal 125 Liter zur freien Verfügung.

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Dank seinem Hinterradantrieb, seiner direkten Lenkung (die über eine sehr gute Rückmeldung verfügt), dem sportlichen Fahrwerk und der passenden Bremsanlage bringt er viel Freude. Fahrer und Beifahrer sitzen, wie in einem Sportwagen gefordert, sehr tief.

Das (optionale) Siebengang Doppelkupplungsgetriebe (PDK) schaltet im Sportmodus die Gänge so rasant, dass man manuell geschaltet nicht hinter her kommen könnte. Aber: Wer mag, der kann im Porsche Boxster auch noch manuell die Gangauswahl vornehmen.

Begeistert bin ich auch vom Dach. Das Verdeck lässt sich per Tastendruck öffnen und schließen (übrigens auch während der langsamen Fahrt) und wenn das Verdeck geschlossen ist – dann ist es im Boxster angenehm leise, ich sag ja – Porsche hat definitiv an den richtigen Stellschrauben gedreht.

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Optional ziehen bis zu 20″ große Felgen in die Radhäuser rein, das geht sicherlich auf den Komfort, aber eine große Rad-Reifenkombination steht dem Geschoss meiner Meinung nach besser. Dank elektronischen Hilfsmitteln hat der Porsche 718 Boxster auf jeden Fall kein Problem, die Leistung auf die Straße zu bekommen und wenn man sich dann doch einmal in Sachen Fahrphysik überschätzt hat, greift die Elektronik ein, um einen buchstäblich „den Hintern zu retten“.

Fazit: Machen wir es kurz, das Fazit kann ja nur positiv ausfallen: Der Porsche 718 Boxster ist schneller, sparsamer (laut NEFZ) und meiner Meinung nach auch besser als der eigene Vorgänger.

Der Motor hängt gut am Gas und hat damit alle meine Vorurteile im Keim erstickt. Der Boxster ist von einem Hausfrauen-Porsche weiter entfernt als ich vom Friedensnobelpreis, auch diesen Wagen würde ich, wenn ich das Kleingeld über hätte, sofort kaufen.

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