Reifenwechsel für den Notfall

In meinem Artikel möchte ich nicht auf das Thema Reifenwechsel im herkömmlichen Sinne eingehen, sondern auf Entwicklungen im technischen Bereich. Dabei streife ich kurz die Geschichte der Radreifen bei Automobilen und zeige, wo die Reise hingehen kann.

Im Prinzip hat sich der technische Aufbau von Rädern und Reifen von Beginn der Automobilgeschichte an nicht verändert. Ein auf einer Felge aufgezogener und mit Luft befüllter Gummischlauch verbindet Fahrzeug und Fahrbahn.

Erste Reifen wurden schon 1844 für Fahrräder hergestellt. Erfunden wurde der heute weitgehend erhaltene technische Aufbau von Charles Goodyear. Es gab Entwicklungen und Erfindungen von Reifen mit und ohne Schlauch, mit und ohne Luft (Vollgummi), mit und ohne Profil, Reifen auf Holz-, Stahl- und Aluminium-Felgen.

Reifen werden in allen Lebens- und Arbeitsbereichen eingesetzt: Industrie, Verkehr, Fortwirtschaft, private Haushalte, Weltraumforschung usw. Je nach Einsatzgebiet gab es spezielle Sonderentwicklungen. Aber das Prinzip war immer gleich Erst vor kurzem hat es sich verändert.

Im Video könnt ihr anschaulich die Geschichte des Reifens bis hin zu neuesten Entwicklungen anschauen:

Eine interessante Neuerung stellen die seit den 2000er Jahren hergestellten Run-Flat-Reifen dar. Es handelt sich um normale Reifen, die bei Druckverlust trotzdem noch fahrbar sind. In Deutschland ist dann jedoch eine maximale Geschwindigkeit von 80 km/h erlaubt.

Die Notlaufeigenschaft wird durch verstärkte Seitenwände oder einen Stützring auf der Felge erzielt. Unterstützt wird dieser Effekt durch Felgen mit einer speziellen Form des Felgenhorns, die ein Abspringen des beschädigten Reifens von der Felge verhindern. Das Mitführen eines Reserverads ist nicht mehr nötig.

In die selbe Zeit fallen Entwicklungen völlig neuer Reifen/Rad-Konzepte. Reifen, die keinen Luftdruck mehr benötigen und sich durch ihre Struktur selbst tragen, also auf die Felge verzichten, sogenannte Tweel-Räder oder auch Waben-Räder. Diese wurden von Michelin entwickelt und stellen einen weiteren Entwicklungsschritt dar.

Sie sind im Strassenverkehr noch nicht zu beobachten, höchstens auf Teststrecken, werden aber im industriellen Bereich schon eingesetzt.

Baustellenfahrzeug mit Run-Flat-Reifen (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:MICHELIN_X-Tweel_on_Skid_Steer.jpg#/media/File:MICHELIN_X-Tweel_on_Skid_Steer.jpg)

Die zukunftsweisende Kombination aus Reifen und Rad in einem Bauteil kommt völlig ohne Luftdruck aus. Das Revolutionäre an Michelins Erfindung war ein Kranz aus flexiblen Speichen, die auf einen festen Radkern aufgesteckt werden. Auf die flexiblen Speichen wiederum kommt eine Lauffläche aus Gummi.

Die Vorteile gegenüber einem normalen Reifen, sind laut dem Hersteller immens: höhere Fahrstabilität, präzisere Abstimmungsmöglichkeiten für das Autofahrwerk, unverwüstlich, günstiger in der Produktion und Entsorgung, sowie absolut pannensicher.

Aufbau des Tweel - Tire und Wheel (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tweel.JPG#/media/File:Tweel.JPG)

Derzeit wird mit verschiedenen Waben-Strukturen aus Polymer für die Felgen herumexperimentiert. Das Bienenwabenmuster scheint sich bisher als am stabilsten herausgestellt zu haben. Die Firma Resilient Technologies ist sich ziemlich sicher, dass sie den Reifen bald in Serie wird herstellen können.

Neben dem Militär hofft man auch darauf, zivile Offroad-Fahrzeuge wie Bagger, ATV etc. mit den speziellen Wabenreifen ausrüsten zu können, das Marktpotential ist demnach riesig.

 

Fotoquelle
Baustellenfahrzeug: Wikimedia – TweelTech
Radaufbau: Wikimedia – KVDP

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