5 Jahre E10 – Wie stehts um den Biosprit?

Warnschilder, wild überklebte Zapfsäulen und daraus resultierende Verunsicherung und Chaos – so sah es Anfang 2011 bei der Einführung des Biokraftstoffs E10 an unseren Tankstellen aus. Hat sich der Kraftstoff von dem Flop erholt?

Zuerst aber ein bisschen Hintergrundwissen:

Was ist E10?

E10 ist ein Ottokraftstoff, also geeignet für Benziner- und nicht für Dieselfahrzeuge. Super-Benzin enthält einen Anteil von 5% Bioethanol; beim Kraftstoff E10 ist der Biosprit-Anteil höher – er liegt zwischen 5 und 10 %.

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Warum hat man 2011 E10 eingeführt?

Die EU verpflichtet ihre Mitgliedsstaaten Ottokraftstoff mit bis zu zehn Volumenprozent Kraftstoffethanol als E10 auf den Markt zu bringen. Diese „europäische Richtlinie zur Kraftstoffqualität“ aus 2009 wurde ab 2011 in Deutschland umgesetzt.

Die wirklichen Hintergründe der E10-Einführung sind immer noch umstritten.

Von Politikerseite wurden regelmäßig Umweltschutzgründe angegeben. E10, aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen, soll die CO2-Bilanz des Straßenverkehrs verbessern und sich so positiv auf den Umweltschutz auswirken. Umweltschutzvereine wie Greenpeace stehen E10 allerdings skeptisch gegenüber.

In dem Kontext sollte aber auch bedacht werden, dass die EU durch die Einführung des Biokraftstoffs die Abhängigkeit von Ölförderstaaten in Teilen reduzieren und gleichzeitig die Interessen der Agrarwirtschaft und der Mineralölindustrie wahren kann.

Ihr seht, definitiv ein komplexes Thema.

Warum floppte E10 bei der Markteinführung?

Die Einführung des neuen Biosprits war vieles, aber nicht geordnet. Autofahrer wurden davon überrascht, waren nicht über die Hintergründe aufgeklärt und daher verunsichert. Dann mahnten auch noch Automobilhersteller zur Vorsicht – ältere Motoren könnten unter Umständen Schäden durch E10 nehmen.

Aber auch der Umweltschutz wurde von vielen kritisch hinterfragt. In Deutschland wird Ethanol hauptsächlich aus Zuckerrüben gewonnen (Weizen, Roggen oder Mais wären auch möglich). Und da lies dann der Protest, Nahrungsmittel als Kraftstoff zu missbrauchen, nicht lange auf sich warten.

Wie steht es 2016 um E10?

Genug von der Vergangenheit, wie ist es nun fünf Jahre später um den Biosprit bestellt?

Ich persönlich habe mich mittlerweile an die E10-Zapfsäule neben dem Super-Hahn gewöhnt. Durchschnittlich zwei Cent günstiger scheint sich E10 aber immer noch nicht durchzusetzen, wie aktuelle Zahlen zeigen.

Der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe) hat Marktdaten für 2015 veröffentlicht.

Im Vergleich zum Vorjahr sank der E10-Absatz in Deutschland 2015 um 12,2 Prozent auf 2,47 Millionen Tonnen. Der Gesamtanteil für E10 bei den Ottokraftstoffen reduziert sich damit auf lediglich 13,6 Prozent. Dies ist der schlechteste Absatz seit Einführung 2011!

E10 ist also weiterhin ein Flop.

Tankt ihr den Biosprit oder verschmäht ihr auch E10? Für alle, die noch Sorge um ihr Auto und die Verträglichkeit haben, denen sei diese Liste des VDA empfohlen.

Bildquelle
Tankanzeige: Dewitt/iStock/Thinkstock
Mais im Kofferraum: Ryan McVay/Photodisc/Thinkstock

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