Pakete ins Auto liefern lassen? Ist das die Zukunft? Wer haftet?

Pakete ins Auto liefern lassen? Ist das die Zukunft? Ich weiß es nicht, mir bereitet es eher Kopfschmerzen. „Ich hab‘ schon alles, ich will noch mehr, alles hält ewig, jetzt muß was Neues her!“ – Text bekannt?

Das hat Herbert Grönemeyer gesungen und es geht noch weiter: „Oh ich kauf‘ mir was, kaufen macht soviel Spaß, ich könnte ständig kaufen gehn…“ und wir kaufen alle gerne, oder? Ich kaufe mir ja sogar heute noch Herbert Grönemeyer Schallplatten.

Zugegeben, inzwischen kaufe auch ich mehr online. Es ist ja auch leichter, man kann einkaufen, wann man möchte, kann sich die Sachen in Ruhe aussuchen, bekommt diese dann nach Hause geliefert und wenn es einem nicht gefällt, dann tauscht man sie einfach wieder um.

Zwei Fallstricke kennt jeder von uns:

  • Ihr habt etwas bestellt, wartet sehnsüchtig auf das Paket und es kommt nicht. Nur an einem Tag in der Woche müsst ihr Vormittags mal weg und zack – Zettel im Briefkasten – den Paketboten verpasst. Mist!
  • Ihr habt etwas bestellt, aber es gefällt euch nicht, also das Paket wieder einpacken und ab zum Paketdienst des Vertrauens bzw. das was der Versender vorgegeben hat.

Die Männer der Schöpfung können sicherlich ein Lied davon singen, wie viele Pakete sie schon für die Frauen zurückgebracht haben, oder? Also ich kann es.

Für die beiden Probleme gibt es bereits eine Lösung. Die nennt sich DHL Paketkasten. Hier mal ein Screenshot von der DHL Webseite:

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Kann man sich besorgen, vor die Tür stellen, der DHL Bote kann die Pakete abliefern und Retouren mitnehmen. Zugegeben, besonders attraktiv ist so ein Paket-Kasten von der Post nicht vor der Haustür, aber für Berufstätige sicherlich praktisch, denn wer kann schon ständig auf die Paketboten warten?

Das Auto! Das Auto wartet doch sowieso! Die Lösung: Pakete ins Auto liefern lassen!

Das denken sich derzeitig Audi, smart und Volvo, denn diese und weitere Hersteller möchten gerne das Auto zum Paketkasten machen. Steht das Fahrzeug doch in der Regel sowieso viel zu viel herum.

Die smart Lösung

Der smart-DHL Beta-Test startet in Stuttgart, wenige Monate später soll diese Art der Zustellung auch in Berlin, Köln und Bonn realisiert werden.

Ab Herbst können smart Fahrer neuen Logistik-Service testen

Die Zustellung des Pakets übernimmt der smart Kooperationspartner DHL Paket, darauf muss man dann bei der Bestellung natürlich achten. Der DHL Paketzusteller erhält für die Lieferung temporär und einmalig eine schlüssellose Zugangsberechtigung für den Kofferraum des smart. Dafür nutzt er die speziell von smart programmierte App.

Gut für die smart Fahrer: Während der gerade von mir gelobte (und vermutlich auch bald bestellte DHL Paketkasten) natürlich Geld kostet, so bekommen die Early Adaptor von smart die Umrüstung kostenlos.

„smart ready to drop“ nennt sich das System.

Sowohl die smart Fahrer wie Paketzusteller nutzen spezielle Apps. Nach der Online-Bestellung generiert der smart Kunde mittels smart App eine TAN (Transaktionsnummer), diese gibt er im „c/o“-Feld der Empfängeradresse ein.

Soweit so gut. Kommt die Lieferung, wird der Kunde von der App daran erinnert, sein Fahrzeug in der Nähe seiner Heimatadresse zu parken. Man kann sicherlich auch die Büroanschrift angeben, falls das Fahrzeug dort steht.

Der DHL-Zusteller wird über die App informiert. Er bekommt dort auch den genauen Standort des Fahrzeuges mitgeteilt und kann dann das Fahrzeug einmalig mit der vom Kunden generierten TAN öffnen, zusätzlich muss er noch einen Teil vom Kennzeichen angeben zur doppelten Absicherung.

Fotos: smart ready to drop

Im smart selber muss eine sogenannte „Connectivity Box“ montiert werden. Ab September kann die Vorüstung dafür mitbestellt werden, eine Nachrüstung ist möglich. Nachdem der DHL-Bote das Paket in den smarten Gepäckraum hinterlegt hat, muss er das Fahrzeug nur noch digital verschließen.

Mit dem Vorgang erlischt gleichzeitig seine Zugangsberechtigung. In dem Moment bekommt der Fahrer, sprich der Kunde, über die App mitgeteilt, dass das sicherlich sehnsüchtig erwartete Paket eingetroffen ist.

Vorteil gegenüber dem Paketkasten: Der Kofferraum vom smart fortwo (hier ein Link zum smart Cabrio Fahrbericht) fasst 260 Liter (wenn man die Rückbank nicht umlegt) – große Bestellung passen also rein. Die Paketkästen verfügen über ein geringeres Fassungsvermögen zwischen 78 und 166 Liter, je nach Ausführung.

Vorteil vom Paketkasten: Dieser kann auch als Briefkasten genutzt werden.

Hier als Ergänzung ein Video von meinem Kollegen Johannes, so stellt sich der Hersteller die smarte DHL Lösung vor:

Die Audi Lösung

Audi arbeitet mit DHL und amazon prime zusammen, getestet wurde in München. Auch hier gilt es, durch die umfassende Vernetzung das Auto zum service device zu machen und es so noch stärker in das Alltagsleben der Kunden zu integrieren.

Audi is working together with its partners DHL Parcel and Amazon to develop an innovative logistics service: shipping parcels directly to your car’s trunk. A pilot project starting in May will allow participants to use Audi connect easy delivery for the first time. The service will operate through temporary authorization for keyless access to the car’s luggage compartment.

Zeit sparen durch Komfortdienstleistungen, wie eben das „Audi connect easy delivery“. Auch Audi arbeitet mit dem digitalen Schlüssel.

Audi, DHL and Amazon deliver convenience

Die Volvo Lösung

Ich glaube Volvo waren die ersten Automobil-Hersteller, die über eine In-Car-Lieferung öffentlich gesprochen hatten, das war im November 2015.

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Bei Volvo geht man einen ganz ähnlichen Weg wie bei den anderen Herstellern:

Volvo arbeitet in Schweden mit dem Logistikunternehmen PostNord, dem skandinavischen Online-Store für Spielsachen und Babybedarf Lekmer.com sowie dem schwedischen Online-Lebensmittelhändler mat.se zusammen und wie bei Audi und smart, wurde das System zunächst auch nur in einer Stadt getestet. Bei Volvo war es Göteborg. Hier konnte ich schon in Erfahrung bringen, dass das System nun auch in weiteren schwedischen Großstädten getestet wird.

Volvo In-car Delivery funktioniert ebenfalls mit einem digitalen Schlüssel, der für den einmaligen Zugang zum Fahrzeug benötigt wird. Auch hier wird das Fahrzeug als Lieferadresse bei der Bestellung angegeben.

Klas Bendrik, der Senior Vice President von Volvo bringt es dann noch auf den Punkt: „Technik um ihrer selbst willen – darum geht es uns nicht! Wenn eine Technik das Leben des Kunden nicht leichter, besser, sicherer oder vergnüglicher macht, dann nutzen wir sie nicht!“

Ich bin wahrlich gespannt, ob wir diese Technik auch hier in Deutschland wirklich nutzen werden.

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Ich habe immer gelernt, dass Wertgegenstände generell nicht im Auto liegengelassen werden sollen. Da habe ich also noch eine Menge offene Fragen, die ich soeben auch an Audi, smart und Volvo geschickt habe:

  • Was passiert wenn der Fahrzeug nicht am vereinbarten Platz steht, z.B. weil man mal kurz weg musste.
  • Wer haftet in einem Schadensfall, z.B. bei Beschädigungen durch den Paket-Boten am Fahrzeug?
  • Ist die im Kofferraum deponierte Sendung versichert? Die Transportversicherung dürfte ja sicherlich mit der Auslieferung erloschen sein.
  • Wer haftet für Fehler im System, z.B. wenn der Fahrer das Fahrzeug nicht verschließen sollte?
  • Wer haftet für Einbruchschäden, z.B. wenn jemand gesehen hat, dass hier Sendungen hinterlegt worden sind?
  • Wo sehen die Automobilhersteller Vorteile gegenüber dem klassischen DHL Angebot, dem Paketkasten? Denn auch dort können – wie oben beschrieben – Pakete vom Kunden für die Retournierung platziert werden.

Im Falle von dem oben erwähnten Paketkasten können Beschädigungen oder Diebstähle sicherlich auch passieren, aber hier wird nicht gleichzeitig auch das Fortbewegungsmittel ausser Kraft gesetzt.

Ihr seht schon, es gibt derzeitig noch viele offene Fragen und ich bin wahrlich auf die Antworten der Hersteller gespannt, die ich euch in einem weiteren Beitrag aufbereiten möchte, denn Audi und Volvo habe ich nach ersten Ergebnissen des Testlaufs gefragt.

Bitte nicht falsch verstehen

Ich bin ein großer Freund von Konnektivitätslösungen! Ich bin ein sehr großer Freund von der Vernetzung von Fahrzeug und Smartphone und auch die Car to X Kommunikation finde ich besonders spannend, aber meiner Meinung nach muss man nicht alles machen, nur weil es geht.

Hier würde ich auf die klassische Variante vertrauen oder einfach auf meine Nachbarn bauen, denn die nehmen bis dato meine Pakete an, falls ich mal nicht zu Hause bin. Typisch Deutsch, oder?

Was ich aber unbedingt haben möchte

Das Auto darf mir ruhig eine Nachricht auf mein Handy schicken, wenn ich es einmal vergessen habe zu verschließen, oder die Kinder ein Fenster offen gelassen haben, ja – das würde mir meinen Alltag versüßen!

Volvo kann das übrigens schon, dort kann ich dann auch per Smartphone das Fahrzeug verschließen. Schöne neue Welt?

Möchtet ihr euch Pakete ins Auto liefern lassen? Sagt es uns, hier im Blog oder auf Facebook!

Fotos: © Audi, DHL, smart, Volvo

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