Fahrbericht: Mercedes-AMG GT S – Joyride!

Den Mercedes-AMG GT S haben wir euch hier im Drive-Blog schon einmal vorgestellt. Schon damals habe ich mir quasi geschworen, dass ich dieses Fahrzeug auch einmal in Deutschland fahren möchte, auf unserer Autobahn, um es richtig bewerten zu können. Das haben wir nun endlich nachgeholt und hier ist mein Erfahrungsbericht.

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Solarbeam, der Name ist Programm, denn wenn die Sonne scheint – dann beamt dich der AMG GT S schneller von A nach B, als deine Glücksgefühle das temporäre Gesichtslifting einleiten können. Das sind die Glücksgefühle in der Magengegend. Die bekomme ich in der Achterbahn, in der Schiffsschaukel und auch wenn ich mal so etwas wie „Verliebtheit“ gespürt habe. Es sind diese seltenen Momente im Leben, einfach schön und unbeschwert – und mit so einem Fahrzeug sind sie reproduzierbar.

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Wann immer man will, man drückt aufs Gas, der 4.0 Liter V8 unter der Haube verdelt den Kraftstoff und wandelt diesen in Vortrieb um. Motor vorne, Antrieb hinten, ein meisterliches Rezept für einen Sportwagen. Der Motor von Hand gefertigt, jederzeit zu allem bereit.

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Die Balance, die Leistung, hier stimmt einfach alles beim Fahrverhalten, sogar die Verzögerung – wenn man denn überhaupt verzögern möchte. Lässt man den Mercedes-AMG GT S freien Lauf, ja dann beschleunigt er innerhalb von 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und das macht er bereitwillig bis er Tempo 310 erreicht und ja, das ist wie Fliegen!

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Zugegeben, die 310 erreicht man auf der Autobahn selten, aber das Gefühl, dass man könnte, wenn man denn wollte – das reicht ja auch schon aus.

Mercedes-AMG GT S Fahrbericht

Ich sitze in einem über 150.000 Euro teurem Maßanzug. Die Sitze schmiegen sich an meinen Körper, der sich auf einmal so unsportlich anfühlt. Das Lenkrad lässt sich ideal einstellen und die Rückmeldung ist so perfekt, wie man es sich vorstellt.

Comfort, Sport, Sport+ – die Kennlinien werden per Drehrad verändert und auch die Abgasanlage kann man optional mit einer Klappensteuerung bekommen, dann gibt es auch noch etwas auf die Ohren, ein Klangbild was bei mir für eine Gänsehaut sorgt.

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Schmetterlinge im Bauch, Gänsehaut am ganzen Körper – das schaffen nicht viele Fahrzeuge. Bei mir sind es in der Regel die sportlichen Vertreter, die seltenen Modelle.

510 Pferdestärken warten hier unter der langen Haube quasi nur darauf, per Tastendruck aus dem Schlaf geweckt zu werden. Ich bin den AMG GT schon in den USA gefahren, dort habe ich mich strikt an das Tempolimit gehalten. Hier in Deutschland bekam das nachgeschärfte GTS-Modell nun seine Sporen und mein erster Eindruck passt:

Der Mercedes-AMG GT S ist eine Fahrmaschine, perfekt abgestimmt, perfekt ausbalanciert, sehr leicht zu beherrschen. Schaltet man die elektronischen Hilfsmittel aus, dann wird er zum Quertreiber, lässt man sie an, minimiert die Elektronik aber weder Vortrieb noch Fahrspaß, es sei denn der Untergrund ist nass, aber dann nimmt man ja sowieso den Fuß vom Gas.

Mercedes-AMG GT S Verbrauch

510 Pferde können durstig sein, aber auch extrem genügsam. Es kommt – wie immer – auf die Einstellung des Fahrers an. Kennt er nur eine Einstellung, dann wird der NEFZ-Wert von 9,4 Liter definitiv verdoppelt, lässt er es aber auch mal etwas ruhiger angehen, dann kann man realistische Werte um die 11 Liter erreichen.

Nicht, dass der Verbrauch bei so einem Fahrzeug und vor allem in der Preisklasse eine Rolle spielen würde, aber beruhigend ist es doch, dass ein 510 PS starker V8 Sportwagen nicht wirklich viel verbraucht, oder? Für die Generation Vollgas gibt es optional einen 75 Liter großen Tank, den würde ich da natürlich empfehlen, genauso wie die Rückfahrkamera.

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Der Blick aus dem Greenhouse auf die Straße ist übrigens wunderschön, dem GT mangelt es zwar etwas an Rundumsicht, aber der Ausblick ist ein Traum. Man sieht die lange Motorhaube, die Ausprägungen und im Rückspiegel sieht man die breiten Kotflügel. An der Vorderachse sind es 19″ Felgen, auf der Hinterachse 20″ Felgen und natürlich ist auch eine entsprechende Bereifung verbaut.

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Das Fahrwerk – hier ist das adaptive Sportfahrwerk verbaut – passt wie die Faust aufs Auge, das gilt auch für die elektrische Sperre und das Sieben-Gang-Doppelkupplungs-Getriebe. Wer mag, kann auch weiterhin über die Schaltpaddel Eingriff in die Gangauswahl nehmen und hier kommen wir zu einem der drei Kritikpunkte.

Mercedes-AMG GT S Kritik

Kritikpunkt Nr. 1: Der Gangwahl-Hebel! Vorwärts, Neutral oder Rückwärts. Für mehr ist der Gangwahl-Hebel nicht gut, mir persönlich sitzt er – bei meiner Sitzposition und ich bin nur 1,75 m groß – zu weit hinten. Es fühlt sich einfach nicht ergonomisch an.

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Kritikpunkt Nr. 2: Warum fehlt dem AMG GT R Modell eine Möglichkeit, die Kofferraumklappe am Heck zu öffnen? Warum funktioniert das nur per Taster im Innenraum und per Schlüssel? Zugegeben, das kritisiere ich auch bei anderen Coupés und Cabriolets von Mercedes-Benz / Mercedes-AMG.

Ist der ausfahrbare Heckspoiler übrigens mal defekt, fährt er also nicht mehr aus, dann ist die Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 200 km/h begrenzt und fast jeder Mittelklasse-Sportler fliegt einen um die Ohren.

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Kritikpunkt Nr. 3: Die Aufpreispolitik! Klar, die Hersteller müssen Geld verdienen, aber heutzutage immer noch Geld zu nehmen für eine Rückfahrkamera? In einem Fahrzeug was in der Basis-Ausstattung bereits über 116.382 Euro kostet? Mit unserem Motor muss man mindestens 135.303 Euro investieren und die AMG Solarbeam genannte Farbe kostet auch noch mal über 8.000 Euro oben drauf.

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Loben möchte ich die Konsequenz, denn der AMG GT ist kein 2+2 Sitzer wie ein Mitbewerber aus Zuffenhausen. Beim Porsche 911 kann hinten keiner sitzen, beim Versuch dort Kindersitze zu montieren, verrenkt man sich vermutlich den Rücken. Beim AMG GT fehlen hier konsequent die beiden Notsitze.

Das macht Platz für etwas mehr Kofferraumvolumen. Irgendwie soll man hier wohl 350 Liter unterbekommen, was sich zunächst großartig anhört, entpuppt sich allerdings als Puzzle-Spiel. Tetris passt wohl eher, denn man muss seine Gepäckstücke schon entsprechend anordnen – aber ein AMG GT ist natürlich kein Kombi und für einen Sportwagen hat er wahrlich ausreichend Platz.

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Für den Wochenendausflug zu zweit wird das Platzangebot schon ausreichen, für eine Kreditkarte ist auf jeden Fall noch ausreichend Platz. Loben möchte ich auch, dass es im AMG GT Getränkehalterungen gibt. Zwei an der Zahl.

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Das Smartphone kann man in der Mittelkonsole bzw. unter der Armlehne platzieren und auch wenn der AMG GT nicht über Apple Car Play oder Android Auto verfügt, kann man Musik via Spotify streamen lassen. Beamen und streamen, ein guter Soundtrack gehört auf jeden Fall zu einem Roadtrip dazu. In meinem Soundtrack dürfte Roxette mit Joyride nicht fehlen, denn Spaß hatte ich mit dem AMG GTS definitiv.

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Er kommt auch richtig gut an, hier und dort einen Daumen hoch, selbst vom „Elfer-Rat“ gab es nickende Anerkennung und egal wo man mal kurz hält, man wird angesprochen. Meine fünfjährige Tochter hat dem Fahrzeug vermutlich das schönste Kompliment ausgesprochen: „Papa, das ist aber ein schöner Porsche!“ sagte sie und stieg wie selbstverständlich ein.

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Was für ein Traumwagen! Im kommenden Beitrag rudern wir wieder zurück – dann gibt es auch wieder ein Fahrzeug, was sich (fast) jedermann leisten kann.

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