Olympia im E-Bike-Fieber

Ganz zu Beginn meines Artikels möchte ich euch eine einfache Frage stellen. Wer hat wohl in der ganzen Olympia-Truppe dort unten in Rio den coolsten Job?

Ja, absolut richtig, der Typ auf dem E-Bike bei den Bahnradsportlern. Der sitzt da so derartig lässig auf seiner Karre und fährt seine Runden so soverän wie ein Uhrwerk und läßt sich durch nichts aus der Ruhe bringen.

Schrittmacher-Motorrad, Steherrennen Bielefeld 2011 (Wikimedia https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Steherrennen_Bielefeld_2011.jpg#/media/File:Steherrennen_Bielefeld_2011.jpg)

Schrittmacher-Motorrad, Steherrennen Bielefeld 2011

Ein kleiner Abriss in die Geschichte dieses speziellen Ablegers des Bahnradsports sei gestattet:

Es wird differenziert zwischen Schrittmacher-Rennen und Keirin-Rennen.

Diese sogenannten Schrittmacher-Motorräder sind schon sehr lange Bestandteil des Bahnradsports. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden und werden speziell umgebaute Maschinen dazu verwendet, im Windschatten des Motorrads zu fahren und dadurch die Geschwindigkeit des Fahrers zu erhöhen.

Diese Motorräder sehen recht putzig aus, mit ihren Anbauten und wie der Fahrer des Motorrades in stehender Haltung seine Runden zieht. Bahnradsportler erreichen mit einem solchen „ziehenden“ Helfer Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h.

Interessant ist eine noch recht junge Disziplin des sogenannten Verfolgungsrennens: Keirin nennt sich eine erst seit 1948 ausgetragene Disziplin, bei der 6 Fahrer ein 2.000m Rennen absolvieren, dabei die ersten zwei Drittel aber hinter einem Pace-Maker herfahren. Dieser Pace-Maker ist ein Motorrad oder Moped, welches von 30 km/h bis auf 50 km/ beschleunigt und die 6er-Gruppe auf Touren bringt.

In Japan ist diese Art des Rennsports unglaublich populär. Es werden dabei jährlich 15 Mrd. EUR an Wetten umgesetzt. Seit dem Jahre 2000 ist es offizielle olympische Disziplin.

Interessant ist Keirin für mich geworden, weil ich a) diesen Sport bisher noch nicht gesehen hatte und b) der Typ auf seinem E-Bike doch den coolsten Job hat.

Die eigentliche Neuerung zu diesen olympischen Spielen ist aber die Tatsache, dass erstmals ein E-Bike zum Einsatz kommt. E-Bike deshalb, weil es kein Fahrrad und kein Motorrad mit Elektroantrieb und/oder Pedalen ist, sondern eine Art Elektro-Moped.

Die Firma, welche diese E-Bikes herstellt, heisst ELMOTO und kommt woher? …natürlich aus dem Ländle…aus Stuttgart.

Eine bessere Werbung für sein Produkt kann man doch kaum machen, als dass das E-Bike ständig im Fernsehen auftaucht und völlig fehlerfrei, abgasfrei, entspannt zeigt, wie Elektromobilität aussehen kann.

ELMOTO in R+V24 - Farben

ELMOTO in R+V24 – Farben

Leider sind diese E-Bikes bisher nur für die Keirin-Rennen geeignet und noch nicht für die Steher- oder Schrittmacher-Rennen, weil der Akku nur eine begrenzte Kapazität hat. Aber vorstellbar und umgesetzt wird es dafür sicher in Zukunft auch.

Die Reichweite des ELMOTO beträgt ungefähr 60 Kilometer. Man hat also genügen Reserven für die Keirin-Rennen. Bei einer 2000m Distanz müssen lediglich die ersten 3 Runden mit dem Pacer gefahren werden. Die letzten beiden Runden wird nur noch gefighted, was das Zeug hält. Unfälle, Ellenbogenkämpfe und Todesopfer sind nicht auszuschliessen. Wie übrigens bei keiner Bahnradsport- oder Radsportdisziplin.

Über die Website ELMOTO kann das E-Bike auch käuflich erworben werden. Da es sich nicht um ein Fahrrad und noch nicht um ein Motorrad handelt, liegt der Preis irgendwo dazwischen, momentan bei knapp 4.000€.

Die Leistungsdaten sind auf der Website alle ersichtlich. Für mich eine echte Alternative, um im Sommer zur Arbeit zu fahrn. Ich denke drüber nach, und ihr?

 

Bildquellen
Schrittmacher-Motorrad: Wikimedia – Christian Passenheim
Elmoto: © Elmoto

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