Das Auto als rollende Paket-Kiste? Wir haben nachgefragt!

Im ersten Beitrag zum Thema „Pakete abstellen im Auto“ sind noch ein paar Fragen offen geblieben. Ich hatte Audi, smart und Volvo gebeten, mir diese zu beantworten, gleichzeitig habe ich aber auch zahlreiche weitere Eindrücke gesammelt und mir auch weitere Gedanken gemacht.

Vor ein paar Monaten waren fremde Leute in meinem Auto. Aufgebrochen stand es am nächsten Tag am Straßenrand, unterm Beifahrerschloss ein Einstichloch, das Radio und ein paar CDs wurden entwendet. Im Grunde genommen ein einfacher Fall für die Versicherung, doch darum geht es gar nicht: Fremde Leute waren in meinem Auto.

Ich habe ein paar Freunde gebeten mir ein Statement zu geben, ob die rollende Paket-Kiste gefallen findet oder ob sie den Dienst nicht nutzen wollen würden:

Susann: „Ich bin beruflich viel mit meinem Auto unterwegs, daher sehr sinnlos. Vorallem, wenn das Auto in der Nähe der Heimatadresse stehen soll 😂 dann bin ich wohl auch meist zu Haus. Also vom Gefühl her finde ich es gruselig, dass fremde Menschen mein Auto öffnen können. Ich würde es definitiv nicht nutzen wollen.“

Das Gefühl kann ich nach dem Einbruch in der Tat nachvollziehen, fremde Menschen waren in meinem Auto, in meiner rollenden Privatsphäre. Klingt komisch, ist aber ein ungutes Gefühl.

Martin: „Mein Auto steht in der Tiefgarage. Bzw ist auch nicht da, wenn ich nicht da bin. Ist also (für mich) eine sinnlose Sache. So eine Paketkiste bzw ein großen, für Pakete geeigneten Briefkasten könnte ich mir vorstellen. Allerdings wohne ich in einem Wohnblock, da geht das auch nicht so einfach.“

Das stimmt, für Garagenbesitzer ist der Dienst natürlich gänzlich ungeeignet, denn dort kommen die Paketboten ja nicht hin.

volvo-pakete-ins-auto-liefern-lassen-4

Tamara: „Ich wohne auf dem Land, hier kennt man den Paketboten/Postboten noch persönlich – daher also ein definitives JA! Habe auch für alle Dienste Abstellerlaubnisse an einem geheimen Ort vereinbart. Aber in der Großstadt? Ich weiß nicht! Es ist ja alles heutzutage zu hacken, warum auch nicht der Code dafür?“

Gut, die Gefahr besteht, aber die sehe ich nicht wirklich, denn sonst würden sämtliche Car2Go-Fahrzeuge von smart auch schon gehackt sein, denn in denen ist wohl ein ganz ähnliches System verbaut.

Anke: „Ich habe mich gerade diese Woche mit meinem Mann darüber unterhalten, nachdem davon im Radio (Berliner Rundfunk) berichtet wurde, das dies demnächst in Smarts gehen soll. Wir waren vor unserem Umzug lange Nutzer der Packstation (seit es diese im Ort gab) und haben diese wirklich sehr intensiv genutzt. Sie war von uns auch super zu erreichen. Nun wohnen wir in einem Haus und mein Papa nebenan auf dem gleichen Grundstück, der ist fast immer zu Hause, wenn die Post kommt – deswegen nutzen wir auch keine Packstation mehr. Die wäre nun auch 6 km weit weg, fahren aber täglich daran vorbei. Für mich würde ein Abladen im Kofferraum auf keinen Fall in Frage kommen – zum einen ist mein Auto mit mir auf Arbeit (dann könnte ich es auch direkt zur Arbeit liefern lassen – die arme Dame an der Pforte :-() das andere Auto (von meinem Mann) steht zu Hause im Carport… Ich finde das ganze auch viel zu unsicher – es werden so schon ständig Autos geklaut, die ein Keyless-System haben – ich hatte dies selber bis vor knapp 2 jahren, fand dies auch super – gerade mit Kleinkind, aber heutzutage wäre es mir echt zu unsicher. Noch dazu dürfte man ja dann gar keinen Kram im Kofferraum liegen haben – und glaube mir, das habe ich 🙂 Also für mich ein absoultes no go!!!“

Auch Eva zeigt sich eher weniger begeistert: „Ich brauch das auch nicht. Habe mich, seitdem ich im Außendienst bin und auch viel von der Firma geschickt bekomme, für die Filiallieferung angemeldet. Das klappt super. Bekomm ne Info aufs Handy und kann das auf dem Heimweg in der Filiale abholen.“

Mein guter Freund Michael bringt es wie gewohnt sehr kurz und knackig auf den Punkt: „Bullshit!“ und das obwohl er wahrlich kein Technik-Verweigerer ist und eigentlich neumodischen Entwicklungen stets aufgeschlossen ist. Er sieht hier scheinbar auch keinen Mehrwert.

Leonora: „Obwohl wir hier auf dem Land den Boten auch noch persönlich kennen, würde ich es nicht machen. Da hole ich mir die Pakete doch lieber ab…“

…und ich glaube viele weiteren würden auch so entscheiden. Doch wir hatten ja noch ein paar offene Fragen aus dem ersten Beitrag.

Ich wollte wissen:

  • Was passiert wenn der Fahrzeug nicht am vereinbarten Platz steht, z.B. weil man mal kurz weg musste.
  • Wer haftet in einem Schadensfall, z.B. bei Beschädigungen durch den Paket-Boten am Fahrzeug?
  • Ist die im Kofferaum deponierte Sendung versichert? Die Transportversicherung dürfte ja sicherlich mit der Auslieferung erloschen sein.
  • Wer haftet für Fehler im System, z.B. wenn der Fahrer das Fahrzeug nicht verschließen sollte?
  • Wer haftet für Einbruchschäden, z.B. wenn jemand gesehen hat, dass hier Sendungen hinterlegt worden sind?
  • Wo sehen die Automobilhersteller Vorteile gegenüber dem klassischen DHL Angebot, dem Paketkasten? Auch dort können nämlich Pakete vom Kunden platziert werden für die Retournierung.
  • Was wird das System später kosten?

Hier sind ein paar Antworten:

Audi:

„Die Resonanz auf das Mitte 2015 gestartete Pilotprojekt zu Audi connect easy delivery war sehr positiv. Ausgehend von den gewonnenen Erkenntnissen prüfen wir aktuell verschiedene technische Optionen für ein mögliches Serienangebot mit größtmöglichen Kundennutzen. Das Kooperationsprojekt mit DHL und Amazon hat unverändert Bestand, dabei haben alle beteiligten Partner bewusst auf Exklusivitätsvereinbarungen verzichtet. Zu den Detailfragen geben wir gerne Auskunft, falls es zu einem regulären Audi-Angebot kommt und wir dementsprechend das genaue Service-Design darstellen können.“

Hier die Antworten von smart:

Die Detailfragen konnte Audi also noch nicht beantworten, bei smart ist man hier schon etwas weiter, von daher, hier die ausführlichen Antworten auf unsere gestellten Fragen:

Was passiert, wenn das Fahrzeug nicht am vereinbarten Platz steht, z.B. weil man mal kurz weg musste.

„Es wird versucht, die Sendung in der darauffolgenden Nacht erneut zuzustellen. Sollte auch diese Zustellung nicht möglich sein, wird die Sendung in die nächstgelegene Packstation oder Postfiliale weitergeleitet. Der Kunde erhält einen entsprechenden Abholschein in seinen Briefkasten, sowie eine Push-Nachricht auf seinem Smartphone.“

Wer haftet in einem Schadensfall, z.B. bei Beschädigungen durch den Paket-Boten am Fahrzeug?

„Wie bei jeder anderen Form der Zustellung arbeiten die DHL-Mitarbeiter mit sehr hoher Sorgfalt. Sollte es doch einmal zu Beschädigungen kommen, dann haftet DHL für Beschädigungen am Fahrzeug. Das geschieht im Rahmen der branchenüblichen Versicherung für die Zusteller bei der Ausübung ihrer Tätigkeit.“

Ist die im Kofferraum deponierte Sendung versichert? Die Transportversicherung dürfte ja sicherlich mit der Auslieferung erloschen sein.

„Während des Lieferprozesses wird das Fahrzeug die gesamte Zeit von unserem Partner DHL überwacht und sofort wieder verschlossen und verriegelt. Auch falls es beim Wiederverschließen mal zu technischen Problemen kommen sollte, wird das Fahrzeug nicht unverriegelt zurückbleiben – im Notfall wartet der DHL-Fahrer oder wir senden einen smart Service-Mitarbeiter. Angesichts dieses hohen Sicherheitsstandards nehmen wir an, dass die Nutzung des Services den Versicherungsschutz des Kunden nicht beeinträchtigt. Verständlicherweise kennen wir jedoch nicht alle Kfz-Versicherungen und deren Vertragsbedingungen im Detail – im Zweifelsfall sollte der Kunde also am einfachsten seinen Versicherer darauf ansprechen.“

Wer haftet für Fehler im System, z.B. wenn der Fahrer das Fahrzeug nicht verschließen sollte?

„Erst nach erfolgreicher Verriegelung des Kofferraums (mit Schließen der Gepäckraumklappe und Bestätigung via App) wird der Abschluss des Liefervorgangs signalisiert. Andernfalls bekommt zunächst der Zusteller eine Fehlermeldung und eine Aufforderung, das Fahrzeug zu verschließen. Sollte ein technischer Defekt vorliegen, ist der Zusteller angehalten, sich bei einer speziellen Hotline zu melden, sodass das Auto per Remote verschlossen werden kann. In der nächsten Sicherheitsstufe wird dem Kunden auf seinem mobiles Endgerät mitgeteilt, dass sein Fahrzeug nicht korrekt verschlossen wurde.“

Wer haftet für Einbruchschäden, z.B. wenn jemand gesehen hat, dass hier Sendungen hinterlegt worden sind?

„In der Regel werden solche Fälle (Einbruch trotz ordnungsgemäßer Verriegelung des Fahrzeugs) über die Hausratsversicherung abgedeckt, wenn der entsprechende Versicherungsschutz für das Fahrzeug besteht. Verständlicherweise kennen wir jedoch nicht alle Versicherungsvertragsbedingungen im Detail – im Zweifelsfall sollte der Kunde also am einfachsten seinen Versicherer darauf ansprechen.“

Wo sehen die Automobilhersteller Vorteile gegenüber dem klassischen DHL-Angebot, dem Paketkasten? Auch dort können nämlich Pakete vom Kunden platziert werden für die Retournierung.

„Unsere Recherchen haben ergeben, dass eine nicht im ersten Versuch erfolgreiche Zustellung häufig der Schwachpunkt bei Online-Bestellungen ist. Entsprechend hoch ist nach unseren Erwartungen das Interesse an einem solchen Zustellservice. Hinzu kommt, dass smart Fahrer besonders internetaffin und sehr aktive Online-Shopper sind. Als so genannte „early adopters“ sind sie aufgeschlossen gegenüber Innovationen. Das prädestiniert sie als Zielgruppe.“

Was wird das System später kosten?
„Natürlich war die Entwicklung der ausgereiften Hardware sehr aufwändig. Anders als im Bereich der Consumer Electronics müssen wir ja die strengen Automotive-Anforderungen erfüllen. Wir machen den Beta Test jetzt auch, um zu ermitteln, was ein attraktiver Preis für die Hardware sein kann. Klar ist, dass wir möglichst viele Kunden für die Nutzung der Connectivity Box gewinnen wollen.“

Hier die Antworten von Volvo:

Bei Volvo wird das System derzeitig in zahlreichen schwedischen Großstädten getestet. Hier haben wir direkt aus Schweden auch ein paar Antworten bekommen:

Was passiert, wenn der Fahrzeug nicht am vereinbarten Platz steht, z.B. weil man mal kurz weg musste.

„This depends on the delivery company and the agreement we have with them. In the mat.se case, they will contact the customer by phone in order to agree on a new time for the delivery. In most cases, the goods has been sent to the customer’s home. For Postnord (sweden’s biggest logistics company), the goods are sent to your closest service point.“

Wer haftet in einem Schadensfall, z.B. bei Beschädigungen durch den Paket-Boten am Fahrzeug?

Hier ist die Antwort ganz klar und sehr kurz ausgefallen: „The delivery company“ Es bleibt die Frage, wie man eventuelle Schäden später nachweisen kann.

Ist die im Kofferraum deponierte Sendung versichert? Die Transportversicherung dürfte ja sicherlich mit der Auslieferung erloschen sein.

„In Sweden, the goods are the logistics company´s responsibility until the goods are handed over. The same applies to in car delivery. To cover the value of the goods, we have created an insurance product that is valid from when the delivery company has closed and locked the car until when the customer drives away with the car, or up to 8 hours (we can monitor this through our telematics system). The insurance covers up to 20.000 SEK, no deductible.“

Wer haftet für Fehler im System, z.B. wenn der Fahrer das Fahrzeug nicht verschließen sollte?

„If the car cannot be locked again, the logistics company has to stay by the car until the car either can be locked by themselves, by our customer support or by the customer.“

Wer haftet für Einbruchschäden, z.B. wenn jemand gesehen hat, dass hier Sendungen hinterlegt worden sind?

„The insurance company is liable. To keep the risks down, we encourage the delivery company to close the “curtain” and as part of the delivery confirmation we remind the customers not to leave the goods unattended for long periods.“

Wo sehen die Automobilhersteller Vorteile gegenüber dem klassischen DHL-Angebot, dem Paketkasten? Auch dort können nämlich Pakete vom Kunden platziert werden für die Retournierung.

„We see many benefits compared to the traditional logistics offer. We don’t have any “paketbox offer” in Sweden at all, the customers have to go to a service point for receiving or sending the goods. We also have a struggle with the home deliveries, we get a time slot that is 8-17 and no way of contacting the courier. Having the goods delivered to the car is really convenient compared to what the logistics companies are offering today. We are also looking at the return flow and how to implement it into Postnord’s flow.“

Was wird das System später kosten?

„The logistics company set the price for the delivery service. Based on their costs for the service, the price is about the same as for a home delivery.“

Ich übersetze das nun mal nicht, denn eigentlich decken sich ja die Antworten, schön finde ich aber den Hinweis, dass die Volvo-Fahrer das Fahrzeug natürlich nicht zu lange „beladen“ hinterlassen sollen.

Tags:

Das könnte Sie auch interessieren: