Tesla S: Zickige Diva oder treue Weggefährtin? Ein Interview

Der Tesla S ist seit 2013 auf dem deutschen Markt: International hat er schon in einigen Ländern die Marktführerschaft übernommen und schlägt sich auch auf den entstehenden Gebrauchtwagenmärkten ganz wacker – der Wertverlust scheint geringer zu sein als bei der Konkurrenz! Wir hatten den Tesla ebenfalls getestet und waren wie viele andere fasziniert und begeistert. Tesla ist zusammen mit Nissan/Renault beim Elektroantrieb technisch weit vorne, hier werden zudem Forschungsergebnisse zum Thema autonomes Fahren am konsequentesten in den Markt gedrückt.

Bei aller unverhohlener Begeisterung…

Ist der Tesla S nur eine schöne, aber zickige Diva, mit der man sich einen aufregenden Abend, aber keine dauerhafte Beziehung vorstellen könnte?
Wer könnte uns das besser sagen als jemand, der mit dem „S“ eine dauerhafte Beziehung pflegt! Nach dem klassischen Werbeslogan der früheren amerikanischen Luxusmarke „Packard“: „Ask the man who owns one!“ haben wir einfach mal bei einem „Teslaowner“ nachgefragt.

Auch der Schlüssel ist stylish_1200x800

Selbst der Schlüssel ist stylish!

Lest hier unser Interview mit Herrn X., Teslafahrer seit über einem Jahr, wohnhaft im ländlichen Raum in der Nähe von Bad Kreuznach:

DRIVE-Redaktion:
Herr X., warum haben Sie sich für einen Tesla entschieden?
Herr X.:
Emotional: Nachdem mich unsere Tierärztin mit ihrem Model-S „einmal um den Block“ hatte fahren lassen, war die Entscheidung gefallen. Das Fahrgefühl ist unvergleichlich.
Rational: Ich hatte mich schon Jahre zuvor für umweltfreundliche Elektroautos interessiert, mit denen ich den täglichen Weg nach Frankfurt und zurück schaffe. Das Model S ist das erste familientaugliche Auto, mit dem das möglich ist.

DRIVE-Redaktion:
Beschreiben Sie bitte in drei Sätzen, was Ihren Tesla auszeichnet!
Herr X.:
Das überzeugende Fahrgefühl mit unglaublichem Beschleunigungsvermögen aus jeder Situation macht Freude. Das Auto ist voll alltags- und familientauglich. Es ist – so hoffe und vermute ich – nachhaltig, weil es bei vertretbarem Energieverbrauch, wenigen Verschleißteilen und acht Jahren Garantie auf Antrieb und Batterie eine hohe Lebensdauer haben wird.

DRIVE-Redaktion:
Können Sie den Hype um das Model 3 (mit mehreren Hunderttausend Vorbestellungen ohne das fertige Produkt gesehen, geschweige denn getestet zu haben) verstehen?
Herr X.:
Ja, ich hätte mir ganz sicher auch einen reserviert, wenn ich nicht schon versorgt wäre.

DRIVE-Redaktion:
Ihre Bilanz nach einem Jahr Tesla?
Herr X.:
Ich absolviere den täglichen Arbeitsweg immer noch mit Freude, selbst wenn ich im Stau stehe. Vormals war mir die Fahrerei eher lästig.

DRIVE-Redaktion:
Ihre Erfahrung zum Fokus Probleme/Reichweite?
Herr X.:
Die Reichweite ist für meinen Bedarf sehr großzügig bemessen, das Auto schafft die täglich benötigte Strecke auch zweimal ohne Aufladen. Auch lange Strecken sind kein Problem, meine Familie und mich stört es nicht, alle zweieinhalb bis drei Stunden 30 Minuten Pause an einem Supercharger zu machen. Dafür muss ich in der übrigen Zeit des Jahres nie mehr an die Tankstelle.

Teslas beim Laden - oft was los bei den Superchargern_1200x800

An der Ladestation

DRIVE-Redaktion:
Fokus Temperatur – Auswirkungen auf Batterielaufzeit?
Herr X.:
Im Winter reduziert sich die Reichweite zwar etwas, aber für meinen Bedarf ist ausreichend Reserve vorhanden.

DRIVE-Redaktion:
Hat sich Ihre Haltung/Verhalten geändert? Zu anderen Autos?
Herr X.:
Kommen für mich nicht mehr in Frage!

DRIVE-Redaktion:
Und zu Umweltfragen?
Herr X.:
Nein.

DRIVE-Redaktion:
Zum gesamten Themenkomplex der Mobilität?
Herr X.:
Ich finde es gut, dass nach Teslas Erfolg jetzt auch andere, größere Hersteller Marktanteile bei rein elektrisch angetriebenen Autos anstreben. Angeblich war das ja das eigentliche Ziel von Elon Musk, der wie man hört, sogar seine Patente kostenlos teilt.

DRIVE-Redaktion:
Wie stehen Sie der aktuellen Diskussion um die Sicherheit der Assistenzsysteme gegenüber (Stichwort: 1. Verkehrstoter beim Fahren mit Autopilot von Tesla)?
Herr X.:
Das ist kein Autopilot, sondern ein Assistent, man fährt immer selbst. Ich benutze das jeden Tag auf der Autobahn 70km hin und 70km zurück. Nur gelegentlich (Autobahnkreuz, Baustelle, Ausfahrt, rücksichtslose Verkehrsteilnehmer) greife ich aktiv in die Lenkung ein oder bremse selbst. Besonders in dichtem Verkehr/Stau ist das sehr angenehm, man muss aber trotzdem immer aufmerksam bleiben. Auf der Landstraße und in Ortschaften benutze ich den Assistenten nicht.

DRIVE-Redaktion:
Welche Position haben Sie in der Diskussion um saubere Elektrofahrzeuge inne? / Was entgegnen Sie Kritikern, die auf die Batteriefirmen als enorme Luftverschmutzer hinweisen?
Herr X.:
Ich bin nicht informiert genug, um hier mitreden zu können, und zwei Experten haben da drei Meinungen. Da der Tesla auf lange Lebensdauer entwickelt wurde, vermute ich, dass er mittel bis langfristig besser da steht  als konventionelle Autos.

DRIVE-Redaktion:
Was machen Sie sonst, um Ihre Ökobilanz positiv zu halten? Haben Sie Tipps für die Verringerung des CO2-Fußabdrucks?
Herr X.:
Ich habe einen nachhaltigen Energieversorger ausgewählt und investiere aktuell in selbst erzeugten und genutzten Strom.

DRIVE-Redaktion:
Begrüßen sich Teslafahrer, wenn Sie beim Fahren aufeinandertreffen oder den gleichen Supercharger ansteuern? Gibt es dort nette Gespräche?
Herr X.:
Ja, Teslafahrer erkennen einander am Lächeln. Und es gibt dort auch immer wieder nette Gespräche mit interessierten Nicht-Tesla-Fahrern.

Praktisch - Auch vorner ein echter Kofferraum_1200x800

DRIVE-Redaktion:
Was wird Ihr nächstes Auto?
Herr X.:
Ich plane, mein Auto so lange wie möglich zu behalten, die Frage wird sich hoffentlich erst nach 500.000 km, also in 10/15 Jahren stellen, aber aus heutiger Sicht wird es wieder ein Elektroauto sein. Meine Hoffnung ist, dass Tesla dann zu den etablierten Herstellen gehören wird.

DRIVE-Redaktion:
Herr X., wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen weiter gute Fahrt!

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