Technikmuseen in Nürnberg und Umgebung

Freundinnen und Freunde des alten Eisens!

Im Sommer haben meine Familie und ich eine Woche lang die Fränkische Schweiz bevölkert – klasse, was es dort alles zu sehen gab, hier ein paar Leckerbissen: die Teufelshöhle in Pottenstein (mit Höhlenbär!), das Fränkische Schweiz Museum  in Tüchersfeld (mit Mammut), natürlich schöne Wanderwege und zahllose Brauereien (eine auch mit Elch) – lecker –und wunderbare Städte wie Bamberg und Nürnberg.Nürnberg? Hm, da war doch noch was anderes als die Burg, Dürer, Meistersinger und gute Gastronomie – natürlich! Nürnberg war eines der Zentren des deutschen Motorradbaus, es soll fast 50 Motorradhersteller gegeben haben, da kam in Deutschland allenfalls Berlin mit, übertroffen nach meinem Kenntnisstand (ohne weitere Recherchen, vielleicht weiß jemand mehr?) nur von Bielefeld.

Bleiben wir in Franken. Weltbekannt waren von den 50 Marken Ardie, Hercules, Triumph (TWN) und Zündapp, dazu der Seitenwagenhersteller Steib.

Und die Nürnberger wissen natürlich um ihre Geschichte – die Familie Merk hat dort ein sehenswertes Oldtimermuseum aufgebaut, Autos und Motorräder aus aller Welt, aber Schwerpunkt sind Hercules und sonstige Nürnberger Marken. Freundlich der Empfang, ein schöner Start.

Hier ein paar Bilder:

 

Merk_Chevrolet_Coach_2Door, Typ11-30, 19_1200x800

Chevrolet – typisch für ca. 1930

 

Merk_Youngtimer_1200x800

Auch Nachkriegswagen, meist aus Deutschland

 

Merk_Schreibmaschinen_1200x800

Nürnberg hatte auch andere Industriezweige, hier zum Beispiel Schreibmaschinen

Bei den Zweirädern einer der ganz seltenen Gelände-Wankels:

Bei den Zweirädern einer der ganz seltenen Gelände-Wankels

 

Hercules satt

Hercules satt

 

Und zahlreiche andere Nürnberger Motorräder

Und zahlreiche andere Nürnberger Motorräder

 

Bewegen wir uns doch mal ein paar Kilometer in den Norden, dort ist der Gegenentwurf zur Merkschen Sammlung zu bewundern.

Im ländlichsten Hiltpoltstein betreibt auch Manfred Brünner ein Privatmuseum – in einem Haus-/Stallgebäude, das auf drei Etagen mit alten Motorrädern und Teilen derselben gefüllt ist. Das ist absolut urig, sehenswert und echt, hier wird nichts „präsentiert“, sondern man wird durch eine Sammlung alter Maschinen geleitet und bekommt dazu auch eine knorrige Führung durch den knorrigen Chef – hier einige Impressionen:

Reichlich 98er hat der Herr Brünner zusammengetragen, natürlich auch mehrere aus Nürnberg:

B-98er_1200x800

 

 

B_3mal_Nachkriegstriumph_1200x800

Dazu viele TWN (Triumph Werke Nürnberg)!

 

In allen Ecken Teile, Motoren, Frontgabeln, Schutzbleche, Vergaser, Räder,…. Teile Teile Teile

In allen Ecken Teile, Motoren, Frontgabeln, Schutzbleche, Vergaser, Räder,…. Teile Teile Teile

 

B-Obergeschoss_1200x800

Die meisten Kräder sind original und stehen gut im Saft (wie es mir am besten gefällt…), manche sind herausfordernde Restaurationsobjekte und einige sind auch frisch gemacht wie diese Zündapp S300.

B_Zündapp_S200_Anfang-30er_Jahre_1200x800

Als wir da waren, hatte Herr Brünner gerade eine Imme und 2 Adler M100 im Angebot, insbesondere die Adler schienen mir fair bepreist – wer eine sucht, angerufen ist schnell…

Alles in allem ein Gegenentwurf zum Classic-Race-Museum von Frithjof Erpelding – und wieder ein Museumsbesuch, den ich nicht vergessen werde.

Nach dieser Landpartie wartete zurück in Nürnberg das Museum Industriekultur auf uns: ein altes Fabrikgebäude beherbergt verschiedene Sammlungen aus der Vergangenheit, zum Beispiel eine Bleistiftwerkstatt, einen Schulraum, eine Arbeiterwohnung und eine Kneipe, dazu eine Fahrradsammlung, eine Sammlung zur Nürnberger Sportgeschichte und einiges mehr. Warum wir da waren? Eindrücke seht Ihr hier:

Im Eingangsbereich steht eine Boss Hoss, ein frisierter Chevy-V8-bewegt hier viele 100 kg.

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Fangen wir aber vor 118 Jahren an, zu sehen ist die älteste noch existierende Victoria.

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Und von dieser Firma gibt es einige mehr, Victoria hatte gerade in den 30ern viele interessante Konstruktionen und produzierte einige technische Schmankerl.

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Zündapp – auch gerade seit den 30er Jahren der Inbegriff von gediegenen, soliden Konstruktionen.

N_Gediegene_Vorkriegsware_1200x800

Und nach dem 2.Weltkrieg war Zündapp eine Größe im Geländesport – Beispiele gefällig?

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Nun schaut Euch diesen Gang an. Hier steht Nürnberger Pracht!

N_NÜRNBERGER_PRACHT_1200x800

 

Dazu sind reichlich Exponate von den kleineren Herstellern ausgestellt.

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Die Autohersteller in Nürnberg waren nicht so erfolgreich wie die Kollegen von der Zweiradfraktion. Bis zum ersten Weltkrieg waren Mars und Maurer-Union gut im Geschäft. Unser Aufmacherbild ist ein Faun, ebenfalls aus Nürnberg!

N_Maurer_Union und Mars_beide_über 110Jahre_alt_1200x800

Mit Autos hatte man hier nicht so das rechte Händchen, nach dem zweiten Weltkrieg ging es glücklos weiter.

Der Victoria Spatz hatte den Spitznamen „Feuervogel“, da seine rote Kunststoffkarosserie brandgefährlich war, und wenn es mal anfing, dann brannte das Wägelchen sofort lichterloh!

N_Victoria_Spatz_Der_FeuervogelÖ_1200x800

Ähnlich erfolglos war der Zündapp Janus, gebaut von 1957 bis 1958, ein Zweitürer mit Einstieg an Vorder-und Rückseite. Die hinteren Passagiere saßen dabei mit dem Rücken zur Fahrtrichtung – und der Motor?

Zwischen den beiden Sitzbänken war ein schwachbrüstiger 250er-Zweitakter verbaut, der mit mächtig Krawall und schlechten Gerüchen für sehr überschaubaren Vortrieb sorgte. Und dabei kostete er gerade 10% weniger als ein Käfer – das musste schiefgehen!

N-Zündapp_Janus_erfolglosd_1200x800

Verabschieden wir uns aus dem Nürnberger Museum Industriekultur mit einem Bild von drei Gefährten, die damals total uninteressant waren und heute – anderes designt – halb China mobil halten: Elektroroller, konnte man in den 70ern im Katalog bestellen. Geht heute wieder!

N_Electroroller_aus_den_70ern_1200x800

Wie Ihr seht, hatte Euer Autor eine schöne Zeit bei der Recherche – Leute, schaut Euch die Museen an und danach genießt bei einer gemütlichen Einkehr die guten fränkischen Spezialitäten!

P.S.

Mehr Infos über die Nürnberger Meisterdinger auf dieser INFORMATIVEN SEITE

P.P.S.

BIELEFELD ist übrigens ernst gemeint – Guggsuhier!

 

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