2017 Skoda Kodiaq Fahrbericht | Test | Review | Kritik

Das Jahr neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu – doch in der Automobilbranche bleibt es interessant. Dabei haben die Tschechen von Skoda etwas besonders Spannendes im Köcher, das nun auf die stetig wachsende und beliebte Kompakt-SUV-Klasse abgeschossen wird: Den neuen Skoda Kodiaq. Positioniert ist das Sports Utilitiy Vehicle über dem Skoda Yeti und liebäugelt mit Konkurrenten vom Schlage eines Kia Sportage, Hyundai Tucson oder gar Audi Q5. Wir haben Platz genommen und uns den gar nicht so kompakten Tschechen auf der Sonneninsel Mallorca genauer angesehen.

Skoda Kodiaq R+V24 Drive Check

Skoda Kodiaq Design Check

Wir fangen vorne an, wie es sich gehört. Hier strahlt der neue Kodiaq eine starke Souveränität aus. Die spitzen, nach außen zulaufenden Scheinwerfer werden von kleinen, fast dreieckigen Zusatzscheinwerfern, ergänzt. Besonders mit den Voll-LED-Scheinwerfern ergibt sich hier ein ernster und fokussierter Blick. In LED-Technik sind aber nicht nur die Hauptscheinwerfer (optional) ausgeführt, sondern auch die Nebelscheinwerfer. Eindrucksvoll trennt der große Chrom-Kühlergrill die Leuchten voneinander und stellt das Selbstbewusstsein der Tschechen eindrucksvoll dar. Schließlich ist Skoda eine feste Säule des Volkswagen-Konzerns und nicht mehr wegzudenken.

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Seitlich gibt sich der Skoda Kodiaq zwar etwas zurückhaltender, doch zeigt sich auch hier seine stringent durchgezogene Klarheit und Kantigkeit. Vorn beginnt eine prägnante Sicke mit der Motorhaube und zieht sich bis ins Heck – die so genannte Tornadolinie. Sie wird vom nach hinten leicht abfallenden Dach betont und erzeugt damit eine gewisse Dynamik. Und das trotz seines stattlichen Auftritts.

Hinten hat die Designer der Mut etwas verlassen. Moderne Elemente, wie die kleine Heckscheibe, treffen auf klare, glatte Flächen. Hinzu kommen dreieckige Rückleuchten, die zwar das typische, illuminierte „C“ tragen, aber stark an den Mitbewerber Seat Ateca erinnern. Schade auch, dass der untere Teil der Heckschürze aus schnödem Kunststoff besteht. Dass keine sichtbaren Endrohre vorhanden sind, stört nicht – ganz im Gegenteil. Aber etwas mehr Einfallsreichtum hätte dem Kodiaq gut zu Gesicht gestanden.

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Skoda Kodiaq Motor Check

Bei den Motoren ist es schwierig, einen klaren Favoriten herauszustellen. Angeboten wird der neue Skoda Kodiaq zunächst mit zwei Dieseln und drei Benzinern. Die Selbstzünder vertrauen jeweils auf 2.0 Liter Hubraum und leisten 150 bzw. 190 PS. Hier sollte man klar zur stärkeren Variante greifen, da der SUV mit ein paar Extras auf gut zwei Tonnen Leergewicht kommt. Und die wollen bewegt werden. Doch auch mit dem Top-Diesel wirkt der Kodiaq nicht recht sportlich. Mit 8,9 Sekunden auf 100 km/h und 210 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit (mit DSG weichen die Werte leicht ab) ist er aber einigermaßen dynamisch. Dennoch ist die Zukunft des Diesels alles andere als Gewiss.

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Die Benziner leisten als 1.4 TSI 125 oder 150 PS. Gerade der Einstiegs-Otto-Motor stellt keine Empfehlung dar, reicht er nur zum Mitschwimmen und gibt sich lethargisch im Antritt. Der Skoda Kodiaq ist einfach zu massiv für das kleine Aggregat – vor allem mit voller Besatzung. Auch bei den Benzinern sollte man also zum Top-Motor, dem 2.0 TSI mit 180 PS greifen. Der dürfte satter ansprechen und für etwas mehr Fahrfreude sorgen als die beiden kleineren Versionen. Er soll in rund acht Sekunden auf 100 km/h sprinten und sich im Schnitt 7,4 Liter genehmigen. Was die Realität bringt, bleibt allerdings abzuwarten.

Skoda Kodiaq Innenraum Check

Das Interieur ist eine der großen Stärken des tschechischen SUV. Man kann davon ausgehen, dass der Kodiaq die Basis für den VW Tiguan XL bilden wird und dementsprechend fürstlich sind die Platzverhältnisse in den ersten beiden Sitzreihen. Vorn findet man große, bequeme Sitze, die für jeden Fahrer optimal einstellbar sind. Sitzreihe zwei bietet drei Passagieren Platz. Die Lehnen der Rücksitzbank sind in der Neigung verstellbar und lassen sich im Verhältnis 40:20:40 teilen. Zudem ist die Rückbank verschiebbar, was den geradezu riesigen Kofferraum nochmals vergrößert.

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Hier wartet auch die optionale dritte Sitzreihe auf Passagiere. Doch allzu groß sollten diese nicht sein, da schlicht kein Beinraum für sie bereitsteht. Kindern sind die ansonsten bequemen Sitze zuzumuten, doch Erwachsene müssten eine Froschhaltung einnehmen. Tipp: Auf die beiden zusätzlichen Sitzplätze verzichten und sich über noch mehr Kofferraum freuen.

Ansonsten bietet der Skoda Kodiaq viele nützliche Details, die „simply clever“ sind, wie es die Tschechen nennen. In Sitzreihe zwei fällt darunter das Panel zur Einstellung der Klimazone und der Sitzheizung. Vorne gibt es einen Tickethalter an der fahrerseitigen Frontscheibe sowie zahlreiche Ablagen. So dürfen bis zu 1,5 Liter große Flaschen in den Türablagen verstaut werden, während Smartphones, Schlüssel und andere Utensilien in der Mittelkonsole Platz finden. Hier gibt es eine modulare Ablage, die je nach Bedarf einfach umgesteckt werden kann.

Im vorderen Bereich der Mittelkonsole gibt es schließlich eine spezifische Smartphone-Ablage, die sogar das Laden via Induktion zulässt – sofern das Endgerät dafür gerüstet ist. Etwas schade: Hier befindet sich nur ein USB-Port. Der Beifahrer muss also anderweitig für die Versorgung seiner Elektrogeräte sorgen.

Weiter oben warten zwei Handschuhfächer auf den Kleinkram, der vor Blicken geschützt werden soll. Sie bieten genügend Platz für das Bordbuch, die besagten Handschuhe oder etwa einen großen Eiskratzer. Schön: Das untere Fach ist klimatisiert und sorgt bei Bedarf für kühle Getränke.

Skoda Kodiaq Kofferraum Check

Mittlerweile erwartet man ihn von Skoda fast schon: den riesigen Kofferraum. Und so ist es auch beim Kodiaq. Mit sieben Sitzplätzen stehen 270 Liter parat, was gutes Kleinwagen-Niveau darstellt – ein überzeugender Wert. Klappt man die beiden Bedarfssitze weg, ergibt sich eine ebene Fläche ohne Stufe und damit sehr brauchbare 630 Liter.

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Mit Entfall der Rückbank steigt das Volumen sogar auf riesige 720 Liter an – bei fünf Sitzplätzen wohlgemerkt. Klappt man auch die Lehnen der zweiten Reihe um, können bis zu 2.065 eingeladen werden, womit der Kodiaq zum veritablen Kleintransporter mutiert. Abgerundet wird das Ladeabteil von einer herausnehmbaren Taschenlampe, ausklappbaren Taschenhaken und einem Staufach, in dem das Gepäckraumrollo bei Bedarf untergebracht werden kann.

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Skoda Kodiaq Verbrauchs Check

Reelle und aussagekräftige Verbräuche lassen sich auf unseren Testfahren in der Regel nicht herausfahren. Zu viel Stadtverkehr, zu viele Stopps für Foto- und Filmaufnahmen, zu wenig Zeit. Der 2.0 TDI des Skoda Kodiaq, der uns als Testfahrzeug diente, genehmigte sich laut Bordcomputer rund sieben Liter Diesel auf 100 km. Für ein zwei Tonnen-Fahrzeug mit 190 PS und dynamischen Anleihen kein allzu schlechter Wert. Angegeben ist er laut NEFZ mit 5,7 Litern. Sein kleinerer Diesel-Bruder soll im Schnitt mit 5,4 Litern auskommen. Bei den Benzinern liegt der 1.4 TSI mit 125 PS an der Spitze und soll lediglich 6,1 Liter durch die vier Brennräume brennen. Die 150 PS-Variante benötigt nur rund 0,2 Liter mehr, während der 2.0 TSI mit 7,4 Litern angegeben ist.

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Skoda Kodiaq Fahreindruck Check

Das Fahren mit dem Skoda Kodiaq ist vor allem geprägt von einem Attribut: dem Komfort. Auch mit dem optionalen DCC-Fahrwerk, das einem die Wahl zwischen verschiedenen Modi, wie beispielsweise Sport, Normal oder Comfort lässt, bleibt der Grundcharakter eher kommod. Zwar spürt man deutliche Unterschiede zwischen den Fahrstufen, doch derb wird der Charakter auch im Sport-Modus nicht – eher verbindlicher. Und das passt gut zum großen Tschechen, der vor allem als Familientransporter gedacht ist.

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Hinzu kommt eine Lenkung, die Richtungswechsel zielgenau verlaufen lässt, ohne jedoch allzu sportliche Ambitionen zu wecken. Sie könnte – und das ist Geschmackssache – etwas weniger leichtgängig operieren. Ansonsten gibt sich der Tscheche lammfromm: Sein Grenzbereich dürfte von Otto-Normal kaum ausgelotet werden. Sollte man es aber doch mal so weit treiben, muss man mit einem stoischen Untersteuern rechnen.

Skoda Kodiaq Kosten Check

Preislich beginnt die Reise beim Skoda Kodiaq bei 25.490 Euro. Konkurrenten vom Schlage eines Seat Ateca oder Kia Sportage starten bei etwas weniger als 20.000 Euro, bieten aber auch weniger Platz und „simply clever“-Ideen. Greift man oben ins Regal, gönnt sich den Top-Diesel mit DSG und viel Ausstattung, muss man mit deutlich über 40.000 Euro rechnen. Verglichen mit anvisierten Konkurrenzprodukten und in Anbetracht der Qualität aber ein fairer Preis.

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Skoda Kodiaq Zielgruppen Check

Ausgerichtet ist das SUV in erster Linie für vierköpfige Familien. Und die können gerne zwei Kids mit Kindersitz durch die Lande chauffieren, da im Fond genügend Platz für deren Sitze vorhanden ist. Außerdem bietet der große Kofferraum viel Platz für Gepäck und allerlei Freizeit-Equipment: Fahrräder, aufblasbare Gummiinseln oder einfach den Sattel vom Pferd der Tochter finden hier locker Platz.

Aber für die Best Ager empfehlen wir den Kodiaq, der sich mit seinem hohen Einstieg als bequemer Alltagsfreund erweist. Und zum Marktstart im März werden die Tschechen sicherlich passendes Zubehör im Programm haben, das eine sichere Mitfahrt des lieben Vierbeiners im Ladeabteil verbessert. Als Forstfahrzeug wird sich der Skoda Kodiaq indes weniger eignen: Zu schön ist die Innenausstattung, als dass sie durch den harten Einsatz strapaziert werden sollte; zu gering ist die Bodenfreiheit.

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Dafür könnte der neue SUV aber eine interessante Alternative zum VW-Passat-Einerlei in der Dienstwagen-Flotte darstellen. Komfortabel, mit reichlich Platz gesegnet und zudem mit vielen nützlichen Assistenten versehen, die das Leben einfacher machen, könnte er zu Außendienstlers Liebling werden. Schließlich kann der Stauassistent durchaus für etwas Entspannung im Dienstalltag sorgen. Sehr zuvorkommend, dieser Braunbär.

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