Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Automobilität

Drei Themen werden uns im Jahr 2017 bewegen: Elektromobilität, Autonomes Fahren und das Thema Vernetzung. Heute möchte ich einen Blick in die Glaskugel wagen, einen kleinen Ausblick in die Zukunft. Teilweise sehr visionär, teilweise aber auch schon so detailliert, dass manch technische Entwicklung schon bald Einzug nehmen könnte. Keine Zukunft ohne Vergangenheit, daher wühle ich nun mal in meiner.

Die Vergangenheit

Ich bin Baujahr 1979. Mein erstes „Auto“ war ein Bobby-Car. Rot! Durch meine Füße trieb ich es an, ich lenkte selbst mit dem weißen Lenkrad und keine Technik der Welt half mir beim Einparken, beim Rückwärtsfahren oder bei Kollisionen. Der Antrieb war also eher fossil, ähnlich wie bei den Feuersteins.

Vor ein paar Monaten erlaubte ich mir noch einmal eine eigene Reise in die Vergangenheit, gefühlt machte es als Kind mehr Spaß:

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Aufgewachsen bin ich in Fahrzeugen mit Benzin-Motor. Das erste Auto, an das ich mich erinnern kann, war ein Ford Escort MK1, gefolgt von einem Ford Fiesta, dann kam ein Opel Ascona B, ein Opel Kadett D SR… Alle mit Benzin-Motor, weil mein Vater damals der Meinung war, dass sich ein Diesel bei seinen Fahrten nicht lohnen würde. Elektrisch waren damals neben dem Licht und dem Scheibenwischer noch das Radio. Radio mit Kassette! Das höchste der Gefühle in meiner Jugend.

Mit 18 kaufte ich mir mein erstes Auto. Ein Opel Corsa B, damals schon mit CD-Player und elektrischen Fensterhebern. Der pure Luxus. Inzwischen gibt es Hersteller, die verbauen nicht einmal mehr ein CD-Laufwerk. Somit habe ich die CD kommen und quasi auch wieder gehen sehen.

Mein erster Computer war ein Commodore C64. Da war es noch Raketentechnik, wenn man mit einer Kassette Spiele oder Programme zum Laufen bringen konnte. Später steigerte ich mich dann über einen Schneider Euro PC und über einen 486er bis hin zu den Apple Geräten, die ich auch heute noch nutze. Mein erstes Handy war ein Siemens S3 Com, mein erstes internetfähiges Handy war ein Nokia. Hat man damals auf die sogenannte WAP-Taste gedrückt, hat man gefühlt seinen Monatslohn (ich war in der Ausbildung) über den Äther geschickt. Mein erstes Smartphone war dann ein iPhone – seitdem aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken und zum ständigen Begleiter geworden.

Die Gegenwart

Ich tippe diese Zeilen auf einem MacBook Pro, ich könnte sie genauso gut auch diktieren oder auf meinem Smartphone erstellen. Das Smartphone macht inzwischen auch bessere Bilder als meine Fotokamera und hat mehr Speicherplatz als alle PCs meiner Jugend zusammen.

Es kann ständig ins Internet, es kann navigieren und gehört somit natürlich auch ins Auto. Also Telefon, als Musikstreaming-Dienstleister und auch als mobile Adressdatenbank. Dank Apple Car Play (welches übrigens unbedingt mal durch weitere Apps bestückt werden müsste) kann ich das Smartphone auch während der Fahrt bedienen. Leider nur beschränkt, da Apple hier wohl die Grenzen noch dichtmacht. Ich wünsche mir definitiv weitere Apps.

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Wir fahren in der Familie Benziner- und Diesel-Antriebe, sind der Elektromobilität aber nicht ganz abgeneigt. Wir haben eine Garage mit Stromanschluss und meine Frau fährt auch weniger als 100 km am Tag.

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Die ersten Erfahrungen mit dem teilautonomen Fahren haben wir ebenfalls gesammelt. Diese Erfahrungen fangen ja bereits mit einem Einparkassistenen an, der das Fahrzeug teilautonom einparken lassen kann. Auch der Spurhalte-Assistent ist für mich ein teilautonomes Hilfsmittel, wenn die Fahrzeuge dann auch noch die Geschwindigkeiten automatisch anpassen, ja dann sind die Weichen für die Zukunft doch schon gestellt.

Die Mercedes-Benz E-Klasse ist so ein Fahrzeug, der neuen 5er BMW soll es ebenfalls sein und so sind bereits jetzt schon Fahrzeug auf den Straßen, die das Leben sicherer, bequemer und unterm Strich besser machen.

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Die Zukunft

Elektromobilität: Deutschland hat Angst. Angst vor der automobilen Zukunft. Zum einen sind da natürlich die Unternehmen, die haben viel Geld in die aktuellen Fahrzeuge investiert: In die Antriebe, in die Fertigungsstätten und in die Produktionsabläufe. Daher kann man nicht sagen, dass wir ab 2020 alle elektrisch fahren. Nicht einmal 2030 sehe ich hier als realistisch an, aber in der Zukunft wird die Reichweite steigen. Neben dem Preis von Elektrofahrzeugen einer der Hauptkritikpunkte: Die Reichweite! Mein Blick in die Glaskugel verspricht mir Fahrzeuge, die mit einer rein elektrischen Reichweite von 400-600 km glänzen können. Nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch in der harten Alltagsrealität. Damit wird eine Angst genommen: Dass man plötzlich liegen bleibt.

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2020 hätte die Bundesregierung gerne eine Million Elektro-Fahrzeuge auf der Straße gehabt. Wir schreiben nun bald das Jahr 2017. Rechnet man die Entwicklung und die Verkäufe aktuell hoch und beschränkt sich dabei nur auf Elektroautos, dann wird man das Ziel nicht vor 2100 erreichen. Machen wir uns nichts vor, das ehrgeizige Ziel „2020“ wird nicht funktionieren. Aber es wird einen Wandel geben, sämtliche Hersteller arbeiten an der Elektrifizierung und bauen das Angebot aus. Nicht nur für Deutschland, sondern auch für den Export. Also werden wir in den kommenden Jahren um die Themen Elektromobilität, nachhaltige Produktion und Brennstoffzellen-Technik nicht herumkommen. Beim Thema Infrastruktur gehen nun die großen deutschen Hersteller in die gleiche Richtung. Synergien werden hier ausgenutzt, die Zukunft wird also spannend.

Autonomes Fahren: Die Autofahrer haben aber auch Angst vor der autonomen Automobilität. Angst, die Macht zu verlieren, über die Technik und das Fahrzeug. Ich kann das sogar teilweise nachvollziehen, denn wer lässt sich schon gerne das Zepter aus der Hand nehmen? Aber der Autofahrer ist nicht der König der Landstraße, das ist und bleibt der LKW-Fahrer. Ich sehe in der Zukunft neben teilautonomen Systemen, die das Leben sicherer machen, auch autonome Lösungen. Hat der Fahrer keine Lust, darf dann das System übernehmen. Sicherlich langsamer und vorausschauender als der eigentliche Fahrer übernimmt das Fahrzeug dann die Fahraufgaben die a) keinen Spaß machen oder b) sehr anstrengend sind. Ich käme natürlich nie auf die Idee, mich vollautonom über eine Rennstrecke fahren zu lassen, aber auch das habe ich ja bereits gemacht und war begeistert, wie gut selbst das funktioniert.

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Für mich wären das z.B. Stau, Stadtfahrten mit Stop & Go, Einparkvorgänge mit Anhängern oder die Parkplatzsuche im Parkhaus. Bis es soweit ist, muss die Technik noch etwas lernen und natürlich auch die Infrastruktur angepasst werden. Wir haben bis dato ein Problem: Die meisten technischen Weiterentwicklungen mussten in bestehende Fahrzeugstrukturen bzw. Modellbaukästen implementiert werden. Aus dem Grund sehe ich für die Zukunft viele neue Fahrzeug-Modelle entstehen, geplant als modulares System – wo der Antrieb und die Technik zunächst zweitrangig sind. Die ersten Ideen dazu werden wir schon in naher Zukunft in Las Vegas sehen, auf der CES 2017.

Konnektivität: Wir haben nun also mit dem Smartphone einen kleinen Computer in der Tasche. Vernetzt mit dem Auto wird das Smartphone zur Schnittstelle für Daten. Aber das Auto wird in Zukunft noch mehr können. Es wird uns über seinen Zustand informieren: Sind die Scheiben gefroren, brauchen wir noch Sprit auf dem Weg zur Arbeit bzw. reicht die Akkuleistung noch aus? Durch die Car 2 X-Kommunikation weiß das Auto in der Zukunft, welche Ampeln gerade Rot zeigen, wo ein Unfall ist und auch welche Strecken ggf. gerade kein hohes Verkehrsaufkommen haben. In der Zeit, in der sich das Fahrzeug um die noch bessere Routenführung kümmert, darf der Fahrer seine Musik hören und die Telefonate führen, die er führen muss. Ist er zu abgelenkt von der eigentlichen Fahraufgabe, unterstützt ihn das Fahrzeug durch die verbaute Technik. Das Ziel ist klar: Das Fahrzeug wird zum „digitalen Freund“, der die Fahrt noch bequemer machen und das Unfallrisiko für alle Verkehrsteilnehmer minimieren soll.

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Die Autos werden in Zukunft einfacher zu bedienen sein: weniger Tasten, weniger Ablenkungen und sieht man hier oben noch eine Tastenflut, dann ist es doch schon jetzt viel besser geworden:

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Sprachsteuerung, Gestensteuerung, intuitive Bedienungsmöglichkeiten. Einige technische Spielereien wird es sicherlich auch geben, nicht alles wird jeder immer nutzen bzw. nutzen wollen, aber unterm Strich wird unsere automobile Welt noch viel digitaler als sie heute ist. Hoffen wir nur, dass die Telekommunikationsanbieter auch ihre Hausaufgaben machen und die Netze noch besser ausbauen, denn auch hier ist Deutschland im internationalen Vergleich eher Hinterwäldler.

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Ich bin Vater von zwei Kindern, sollte durch die ganze Zukunftsmusik auch nur ein Menschenleben gerettet werden, dann hat sich die Investition in die Zukunft doch gelohnt. In den USA ist man inzwischen schon ein paar Schritte weiter. Zugegeben, dort ist es für das Thema autonomes Fahren auch etwas leichter. Aber ich blicke gespannt in die erste Januar-Woche und reise zur CES 2017, um mich dort über die aktuellen Entwicklungen zu informieren. Neben zahlreichen bekannten Automobilherstellern sind auch viele Zulieferbetriebe aus Deutschland vor Ort, um neue Technologien und Concepte vorzustellen.

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