Rettungsgasse – was kaum einer weiß, wenn es um Leben und Tod geht

Kommt es zu schweren Unfällen im Straßenverkehr, dann zählt meistens jede Sekunde. Davon, wie schnell Rettungskräfte und Einsatzfahrzeuge zur Unfallstelle kommen, hängt Leben und Tod ab. Doch auf vielbefahrenen Straßen und mehrspurigen Strecken, die außerhalb von Ortschaften und weiter entfernt von Krankenhäusern liegen, kann das zur Herausforderung werden.

Ein System für die Bildung für Rettungsgassen ist daher bereits seit den 1980er Jahren in vielen europäischen Ländern Bestandteil von Gesetzgebung und Verkehrsregeln. Rettungskräfte gelangen so bis zu 4 lebensrettende Minuten schneller ans Ziel – laut österreichischer ASFiNAG, die unter anderem für den Betrieb von Autobahnen zuständig sind.

Sie machen sowieso Platz? Nicht für jeden selbstverständlich und auch bei den Regelungen gibt es international nach wie vor Unterschiede. Umso wichtiger ist es, dass Autofahrer im Ernstfall genau wissen, was zu tun ist und wie die sogenannten Rettungsgassen richtig gebildet werden – sowohl auf deutschen Straßen als auch im Ausland.

Wie und wann müssen Rettungsgassen gebildet werden?

Rettungsgassen müssen in Deutschland immer dann gebildet werden, wenn sich in einem Abschnitt mit mindestens zwei Spuren ein Stau bildet. Sowohl bei uns als auch in Österreich und der Schweiz gilt in diesem Fall, dass diese Gasse immer zwischen der linken und den restlichen Bahnen zu bilden ist.

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Fahren Sie also ganz links, dann orientieren Sie sich soweit wie möglich an dieser Seite und versuchen, rechts von sich so viel Platz wie möglich zu schaffen. Fahren Sie auf der mittleren oder rechten Spur, begeben Sie sich soweit wie möglich nach rechts.

Diese Regelung gilt auch, wenn es einen Standstreifen gibt. Wirkt dieser auf den ersten Blick wie geschaffen für eine freie Fahrt, muss man sich hier bewusst machen, dass diese Spuren nicht selten nur abschnittsweise ausgebaut und an Ausfahrten unterbrochen sind. Übersehen Einsatzkräfte dann beispielsweise das Ende eines Standstreifens, droht hier zusätzliche Gefahr.

Wichtig: Rettungsgassen müssen grundsätzlich so lange offen gehalten werden, wie der Verkehr nicht wieder normal rollt. So wird verhindert, dass den ersten Einsatzkräften nachfolgenden Fahrzeugen der Weg versperrt wird.

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Hören Sie die Sirene, ist es schon zu spät

Was kaum jemand weiß: Rettungsgassen sind nicht nur zu bilden, wenn ein Unfall der Auslöser des Rückstaus sind. Da man weiter hinten in der Schlange nur selten den Grund des stockenden Verkehrs kennt, sind diese also beispielsweise auch im Berufsverkehr oder an einer Baustelle absolute Pflicht. Wartet man damit bis zum Anrücken eines Einsatzfahrzeuges, dauert es in der Regel zu lange, bis dieses freie Fahrt hat.

Sonderfall Tschechien

Unter unsern Nachbarländern, ist besonders Tschechien mit einer Sonderregelung zu erwähnen. Hier muss die Rettungsgasse – anders als in den oben genannten Ländern – nicht zwischen der linken und den restlichen Spuren gebildet werden, sondern zwischen mittlerem und rechten Fahrstreifen. Darüber hinaus muss die dadurch entstehende Gasse mindestens drei Meter breit sein.

In weiteren angrenzenden Ländern wie beispielsweise Italien, Ungarn und der Slowakei besteht hingegen keine Verpflichtung zum Bilden einer solchen Gasse. Sie sollten aber natürlich dennoch darauf achten, anfahrenden Rettungsfahrzeugen nicht den Weg zu versperren.

Strafen für falsches Verhalten bei Staubildung

Sollten Sie bewusst oder unbewusst gegen diese Pflichten verstoßen, drohen Bußgelder und die Gefahr, dass Einsatzfahrzeuge nicht schnell genug zum Unfallort vordringen können. Diese bewegen sich zwischen recht niedrig angesetzten 20 Euro in Deutschland und Strafen bis zu 2180 Euro beispielsweise in Österreich, wenn Rettungsfahrzeuge blockiert werden. In Deutschland fällt dieses Vergehen derzeit nur unter die Kategorie „Ordnungswidrigkeit“ (nach § 49 Abs. 1 Nr. 11 StVO), was aber immer wieder von verschiedenen Seiten scharf kritisiert wird.

Rettungsgassen retten im Ernstfall Leben. Informieren Sie sich daher also grundsätzlich bereits vor dem Reiseantritt über lokale Verkehrsregelungen und Gesetze, um Strafen und Vergehen durch Unwissenheit zu verhindern.

Mehr Infos zu Strafen für Verkehrssünden im Ausland finden Sie in unserem Ratgeber:
Weitere Infos hier

 

 

 

Bildquelle:
www.pexels.com – Stanley Nguma
www.lifeofpix.com

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