Volkswagen Golf 6: Gebrauchtwagen-Check

Der Volkswagen Golf 6 ist objektiv betrachtet keine eigene Golf-Generation – doch warum schreiben wir dann eine Golf 6 Kaufberatung?

Eigentlich müsste er Golf V.1 heißen, schließlich ist er ein großes Facelift zum Vorgänger. Die Basis blieb dieselbe, die Motoren wurden teilweise übernommen und auch Teile der Karosserie sind 1:1 dieselben. Ein Blick auf die Türen – nur als Beispiel – könnte zu hochgezogenen Augenbrauen führen. Ein Etikettenschwindel also? Nicht wirklich! Zum einen wurde das Design des Wolfsburgers stark optimiert – innen wie außen – und zum anderen wurde noch mehr Wert auf Sicherheit gelegt. So hielten viele wegweisende Assistenten Einzug in die Kompaktklasse. Und erstmals erhielt der Golf die begehrten fünf Sterne im EuroNCAP Crashtest. Alles gut also bei Nummer sechs?

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Volkswagen Golf 6 Gebrauchtwagen-Check

Das Facelift des aktuellen Golf ist gerade gezeigt worden. Eines der wichtigsten Themen: Assistenzsysteme. Eingeführt wurden sie aber nicht mit der siebten Generation, sondern mit dem Golf VI. Hier zeigte sich also so etwas, wie eine stille Revolution beim Modellwechseln. Eine Evolution fand hingegen in den anderen Bereichen beim Wechsel von Nummer fünf auf sechs statt. Aber das ist schließlich Golf-Typisch.

Schauen wir doch zunächst wieder, was im Jahr 2008 passierte, dem Jahr des Stapellaufs des Golf VI. Es war ein besonders wichtiges Jahr: Barak Obama wurde 44. Präsident der Vereinigten Staaten und löste damit George W. Bush ab. Außerdem schoss Spanien die deutsche National-Elf bei der Fußball-EM auf Platz zwei – wir, als Fußball-Weltmeister, stehen da aber mittlerweile drüber, oder? Zu guter Letzt, neben dem Release des Golf VI, wähnte sich Amy Winehouse auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und bekam fünf Grammy Awards.

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Erstmals im Golf: Assistenten – Zurück in die Zukunft?

Auszeichnungen erhielt aber auch die neue Wolfsburger Kompaktklasse. Der Golf VI wurde zum World Car oft the Year 2009 gekürt – keine kleine Ehre. Wenn man allerdings bemerken darf, dass er lange Zeit zum Reifen hatte… naja, egal. Außerdem erhielt er die begehrte fünf Sterne-Wertung beim EuroNCAP Crashtest und zählt damit zu einem der sichersten Kompakten des Segments. Das hat er mitunter zahlreichen Assistenzsystemen zu verdanken. So waren etwa die Distanzregelung „ACC“, der selbstständig lenkende Park Assist oder das automatische Fernlicht erstmals in einem Golf erhältlich. An die neue Berganfahrhilfe oder das adaptive Fahrwerk DCC haben wir uns heute schon so gewöhnt, dass sie nicht mehr wegzudenken sind. Und doch: Vorgestellt wurden auch diese beiden Gimmicks im Golf VI.

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Alles paletti beim Golf VI?

Wir wollen aber einmal sehen, ob nach vier Jahren – so lange gibt es den Golf VI nicht mehr neu zu kaufen – noch alles eitel Sonnenschein ist. Worauf sollte man achten. Vor allem, da er ein optimierter Golf V ist. Hat er seine Schwächen geerbt? Wir werden es in unserer VW Golf 6 Kaufberatung herausfinden.

Gefahren sind wir den 105 PS starken Diesel. Ein 1.6 Liter TDI, der so z.B. auch in anderen Konzern-Modellen zum Einsatz kam. Mit seinem Drehmoment von 250 Nm, reicht er aus um den VW Golf innerhalb von 11,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen, er bleibt aber mit einer Höchstgeschwindigkeit von 189 km/h eher zurückhaltend. Das wirkt sich auch im Verbrauch aus, im besten Fall kommt man mit 4,5 Liter Diesel auf 100 km aus. In der Realität sind es knapp zwei Liter mehr.

Im VW Golf 6 gefällt mir persönlich das Platzangebot auf den vorderen beiden Sitzen und die Gestaltung vom Innenraum. Da sieht man schon einen gewaltigen Schritt in der Evolution der VW Golf Geschichte. Die Sitze sind langstreckengeeignet, die 5-Gang Handschaltung und die verbaute Bremsanlage sind der Leistung angemessen. Die Lenkung präsentiert sich leichtgängig. Ich würde sie mir aber etwas direkter wünschen. Das Fahrwerk vom VW Golf 6 zeigt sich gut abgestimmt. Bei ein paar Proberunden auf dem Bilster Berg in Bad Driburg fehlte es natürlich an Leistung, da hätte sich ein 2.0 Liter TDI oder ein sportlicheres Modell sicherlich besser geschlagen.

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Wir sind die komplette Historie vom VW Golf auf dem Bilster Berg gefahren, einer Renn- und Teststrecke in Bad Driburg. Da merkt man erst einmal die technische Weiterentwicklung vor allem zwischen VW Golf 1 und VW Golf 2 und dann noch mal zwischen VW Golf 3 und Golf 5! Klar, die Fahrzeuge sind alle größer geworden, aber technisch auch ausgereifter, besser und sicherer.

Mehr Pluspunkte hätte der VW Golf 6 von mir bekommen, wenn er noch mehr Ablagen hätte, gerade Familien würden davon profitieren. Familienfreundlich ist er dennoch, zwei Kindersitze passen ohne Probleme, ISO-Fix-Halterungen gibt es ebenfalls und die Fensterheber verfügen über einen Einklemmschutz.

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VW Golf 6 Kaufberatung

Achsen, Lenkung, Beleuchtung und Bremse: Bei diesen Bauteilen muss man sich keine Gedanken machen. Bei den Hauptuntersuchungen schneidet der VW Golf 6 in diesen Bereichen besser ab, als der Durchschnitt. Dennoch kann es vorkommen, dass die Federn und Dämpfer etwas in die Knie gehen – vor allem bei Fahrzeugen mit einem höheren KM-Stand. Frühere Baujahre zeigen zudem vermehrt defekte Kraftstoffpumpen und klemmende Zündschlösser, was schon mal zum Stillstand des Dauerläufers führen kann. Hinzu kommt die Problematik mit den überspringenden Steuerketten – ein Problem, das er vom VW Golf 5 geerbt hat und das nicht nur den Wolfsburger Kompakten betrifft. Hier ist es aber nicht nur beim 1.4 TSI erwähnenswert, sondern auch zusätzlich auch beim neu eingeführten 1.2 TSI. Dementsprechend sind die Generationen V und VI geprägt von Rückrufen.

Wohlwissend, dass die meisten sich vermutlich wenig für die Motoren interessieren dürften, aber in einer Golf 6 Kaufberatung kann ich die einfach nicht fehlen lassen.

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Doch die Motorenpalette umfasst mehr als nur diese beiden Aggregate. Der bekannte 1.4 Liter Benziner mit 80 PS markiert den Einstieg in die Golf-Klasse deren Leistungsspektrum bis zum 270 PS starken Golf R. Der kleine Benziner reicht wie immer für Alltagfahrten in der Stadt und über Land aus, ist für häufige Autobahnetappen aber der falsche Begleiter. Das ist eher das Metier des Golf R mit seiner satten Leistung. Gegenüber seinem Vorgänger, dem R32 wurde er aber Opfer des vielgescholtenen Downsizings. So büßte er zwei Zylinder und 1.2 Liter Hubraum ein. Er fährt also mit vier Brennräumen in Reihe und holt seine Leistung aus nunmehr 2.0 Litern. Hier heißt das Zauberwort Turboaufladung. Er ist zwangsläufig mit dem Allradantrieb 4Motion verheiratet und verspricht beste Fahrleistungen. Probleme? Wenig! Man sollte nur auf „Heizer-Kisten“ achten und sie aus der Auswahl ausschließen. So ein Turbomotor will schließlich warm und auch wieder kalt gefahren werden.

Die goldene Mitte bilden der 1.6er Benziner mit 105 PS, der wenig dynamisch, dafür aber trinkfest ist wenn man ihn oft tritt, sowie der 1.4 TSI. Mit seinen 122 PS bildet er die zu empfehlende Motorvariante, wäre da nicht die Steuerkettenproblematik. Dementsprechend geht auch beim Golf VI die Empfehlung klar an den GTI, der mit 210 PS für Fahrspaß bei erträglichen Verbräuchen sorgt. Bewegt man ihn mit Sinn und Verstand sollten zwischen 8 und 9 Liter durch die vier Brennräume fließen. Eine Nummer schärfer, aber immer noch recht kostspielig, ist der Golf VI GTI Edition zum 35. Jubiläum der drei Buchstaben, die für glänzende Augen sorgen. Er leistet 235 PS und besitzt die verstärkten Motor-Komponenten des Golf R – mit ein Grund dafür, dass man häufig getunte Exemplare des Edition 35 findet. Rund 19.000 Euro muss man für diesen Wolfsburger mindestens investieren. Und auch hier gilt: Vorsicht bei Tuning-Autos.

Die Diesel starten bei etwas müden 90 PS aus 1.6 Litern Hubraum. Etwas mehr Musik bringt der nahezu baugleiche 1.6er Diesel mit 105 PS. Guten Dampf bieten natürlich die 2.0 TDI. Ihr Spektrum reicht von durchaus ausreichenden 110 PS über 140 bis hin zum kräftigen 170 PS starken Golf VI GTD. Die Empfehlung, wenn es ein Selbstzünder sein soll: Der 2.0 TDI mit 140 PS und Sechsgang-Handschaltung. Mit ihm ist man zügig unterwegs, realisiert aber niedrige Verbräuche. Das gute DSG-Getriebe arbeitet zwar sehr angenehm, fällt bei hohen Laufleistungen aber ab und zu mit Problemen auf. Und ein Tausch kann richtig ins Geld gehen.

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Frischluftfans könnte vielleicht das VW Golf 6 Cabriolet interessieren. In meinen Augen ist er zwar nicht gerade das, was man einen großen Wurf nennt. Doch mit seinem Stoffverdeck legt er beim Gewicht wenigstens nicht über Gebühr an Gewicht gegenüber den Drei- und Fünftürern zu. Außerdem gibt es bei ihm kein störungsanfälliges Metall-Klappdach, wie beim Plattformbruder VW EOS. Wer gerne viel transportiert, sollte zum VW Golf 6 Variant greifen. Die Platzverhältnisse für die Passagiere sind klassenüblich, während sich das Ladeabteil nicht einmal vor der oberen Mittelklasse zu verstecken braucht: 560 Liter sind eine Erwähnung wert.

Der Kofferraum vom normalen VW Golf fällt mit 350 Liter mäßig groß aus. Legt man die Rückbank um, erweitert sich das Kapazität auf beachtenswerte 1450 Liter, leider bleibt aber eine Stufe. Die Heckklappe lässt sich leicht öffnen und schließen. Die Kofferraumklappe schwingt sehr weit hoch. Mit einer Länge von 1,75 m habe ich keine Probleme den Laderaum zu beladen.

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Fazit der Golf 6 Kaufberatung: Mit einem VW Golf 6 macht man als Gebrauchtwagen nichts verkehrt, ein Fahrzeug für alle Zielgruppen und auch weiterhin klassenlos. Ideal für Einsteiger, Familien und Best Ager. Da Volkswagen die nachfolgenden Modelle (VW Golf 7 und VW Golf 7 Facelift) ja sehr behutsam überarbeitet hatten, was das Äussere betrifft, fährt man gefühlt auch nicht in einem „alten Auto“. Preislich betrachtet wäre ein VW Golf 5 natürlich günstiger zu bekommen…

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